Titel: Ueber den bei der trockenen Destillation der Aepfeltrester resultirenden Theer und einen daraus bereiteten neuen Farbstoff; von Gaston Tissandier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 13 (S. 256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi03_13

Ueber den bei der trockenen Destillation der Aepfeltrester resultirenden Theer und einen daraus bereiteten neuen Farbstoff; von Gaston Tissandier.

Im Jahre 1846 wurde von Gouverneur, de Butler und Eichelbrenner durch Destillation der Aepfeltrester, der Rückstände von der Bereitung des Ciders, ein sehr leuchtendes Gas erhalten, welches gegenwärtig in den Cidergegenden zur Erleuchtung der Fabriken vielfach benutzt wird. Der Verfasser hat die drei Producte von der trockenen Destillation der Aepfeltrester: das Gas, den Theer und das zur Reinigung des Gases dienende Waschwasser, näher untersucht. Das Gas besteht fast ganz aus leichtem Kohlenwasserstoff, gemengt mit kleinen Mengen von Acetylen, Benzoldämpfen und Spuren von Kohlenoxyd. Das Waschwasser enthält verschiedene empyreumatische Producte und eine ziemliche Quantität Essigsäure. Der Theer besitzt einen eigenthümlichen, dem Holzrauch ähnlichen Geruch, er ist gelb, wird an der Luft rasch schwarz, von dicker Consistenz, bei 80° C. vollständig flüssig. Bei der Destillation liefert er die im Steinkohlentheer enthaltenen Kohlenwasserstoffe, außerdem Phenol, Kreosot und ein schwarzes sprödes Harz, welches bei erhöhter Temperatur destillirt, Paraffinöle und ein sehr schönes Paraffin liefert. Erwärmt man den Theer gelinde mit dem gleichen Gewicht gewöhnlicher Salpetersäure, so tritt eine äußerst energische Reaction ein, es entwickeln sich Ströme von rothen Dämpfen und nach dem Aufbrausen, welches 25 bis 30 Minuten andauert, scheidet sich an der Oberfläche ein röthliches breiartiges Product ab. Mit rauchender Salpetersäure ist die Reaction so heftig, daß der Theer sich entzündet und vollständige Verkohlung stattfindet. Die gelbe Flüssigkeit, welche beim Behandeln mit gewöhnlicher Salpetersäure erhalten wird, liefert beim Verdunsten Oxalsäure. Das breiförmige Product löst sich vollständig in Alkohol, in Ammoniak und theilweise wenigstens auch in Wasser. Die wässerige Lösung ist tief gelb gefärbt und kann direct und ohne Beizmittel zum Färben von Wolle und Seide benutzt werden. Je nach der Concentration erhält man die ganze Stufenleiter der Farbentöne von Strohgelb bis zum Orange. Die wässerige Lösung hinterläßt beim Verdunsten den Farbstoff als ein amorphes, röthliches, im Wasser vollständig lösliches Pulver. Seine Zusammensetzung konnte noch nicht festgestellt werden, doch enthält er nur Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff, aber keinen Sauerstoff. Er reagirt weder sauer noch alkalisch. Dieses neue Gelb wird seit einigen Monaten fabrikmäßig gewonnen und kommt unter dem Namen jaune mandarine im Handel vor. (Aus dem Bulletin de la Société chimique durch die Zeitschr. für Chemie, Jahrg. IX S. 476.)

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