Titel: Die Kosten der Eisbereitung mittelst der Maschinen von Carré und Siebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 3 (S. 245–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi03_3

Die Kosten der Eisbereitung mittelst der Maschinen von Carré und Siebe.

Die Eismaschinen von Carré und Siebe 54) beruhen bekanntlich auf der Kälteerzeugung, welche durch Verdunstung leicht flüchtiger Flüssigkeiten entsteht, unterscheiden |246| sich aber von einander theils in der Art der angewandten Flüssigkeit (welche bei Carré in Ammoniak, bei Siebe in Aether besteht), theils in den Mitteln, durch welche die Verdunstung herbeigeführt wird. Bei Siebe wird nämlich die Verdunstung in einem luftverdünnten Raume mittelst einer durch Dampfkraft in Bewegung gesetzten Luftpumpe, bei Carré dagegen in Folge der Absorption des erzeugten Ammoniakgases durch Wasser ohne Anwendung einer Luftpumpe bewirkt.

Carré liefert seine Eisapparate in zwei verschiedenen Sorten, nämlich:

  • 1. In kleinen, einfachen, periodisch wirkenden, für den Hausgebrauch und kleine Conditoreien, welche jedesmal 1, 2 und 4 Pfund Eis liefern;
  • 2. in großen, continuirlich wirkenden Apparaten für fabrikmäßigen Betrieb, die stündlich 24–400 Pfund Eis liefern.

Ueber Wirkung und Preise der kleinen Apparate wird Folgendes angegeben:

Production Dauer der Operation Preis in Paris
1 Zollpfund 1 Stunde 10 Minuten 144 Francs
2 „ 1 „ 35 „ 230 „
4 „ 2 „ 30 „ 336 „

Fracht und Zoll beträgt von Paris bis Nürnberg circa 5 fl. per Centner. Die kleinen Apparate wiegen 1–3 Centner; sie bestehen aus einem mit Ammoniak theilweise gefüllten starken eisernen Kessel, der durch eine Röhre mit einem zweiten Behälter, dem sogenannten Condensator, in Verbindung steht. Im letzteren befindet sich auch eine Blechbüchse mit der zu gefrierenden Flüssigkeit. Man erhitzt nun den Kessel bis auf etwa 130° C., wodurch die gebildeten Ammoniakdämpfe in den Condensator, der in einer Wasserkufe steht, getrieben und dort in Folge des im Apparate herrschenden Druckes condensirt werden. Hierauf wird der Kessel in die Wasserkufe gesenkt, der aus dem Wasser herausgenommene Condensator dagegen mit einem schlechten Wärmeleiter (Filz oder dergleichen) umgeben. Durch die Abkühlung des Kessels werden die noch im Kessel befindlichen Ammoniakdämpfe condensirt; es entsteht ein luftverdünnter Raum; die im Condensator zu Flüssigkeit verdichteten Ammoniakdämpfe verflüchtigen sich wieder und entziehen hierbei der in der Eisbüchse befindlichen Flüssigkeit so viel Wärme, daß letztere gefriert.

Für die Preise und Leistungsfähigkeit der großen Eismaschinen von Carré wird Folgendes angegeben:

Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd.
Eisproduction in der Stunde 24 50 100 200 400
Thlr. Thlr. Thlr. Thlr. Thlr.
Preis des Apparates in Paris 747 1280 2266 3733 6400
Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd.
Ammoniak von 0,8827 spec. Gewicht 185 370 616 1232 2819
Quadrf. Quadrf. Quadrf. Quadrf. Quadrf.
Grundfläche des Apparates 138 207 310 414 690
Zahl der nöthigen Arbeiter 1 2 2 3 3

Zum Betrieb ist eine Dampfmaschine von 1 Pferdekraft hinreichend. 1 Kilogramm (2 Zollpfund) Kohle erzeugt 8–10 Kilogrm. Eis; der Centner Eis kostet 18 bis 24 kr.

Die Eismaschinen von Siebe, bei welchen mittelst einer von einer Dampfmaschine getriebenen Luftpumpe Aether verflüchtigt und dann mit Hülfe von Wasser durch starken Druck wieder condensirt wird, liefern je nach der Größe 10–20 Pfd. Eis bei jeder Operation.

Eine Maschine von 1 Ctr. Production in der Stunde kostet 350 Pfd. Sterl.
„ „ „ 2 „ „ „ „ „ „ 850 „
„ „ „ 3 „ „ „ „ „ „ 1470 „

Die Betriebskosten betragen 54 kr. per Centner.

Die Eismaschinen können natürlich außer zur Eisbereitung auch zum Kühlen von Würze für Bierbrauereien und Brennereien, zum Kühlen der Luft in Spitälern etc. verwendet werden. (Aus einem Vortrage des Hrn. Assistent Wegler in einer Versammlung des Nürnberger Gewerbevereins.)

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Die Carré'schen kleinen Apparate zur Eiserzeugung sind im polytechn. Journal Bd. CLXIII S. 180 beschrieben, sein großer Apparat zur continuirlichen Eisfabrication in Bd. CLXVIII S. 171; die von Siebe in London nach dem Harrison'schen Patent ausgeführte Eismaschine ist in Bd. CLXVIII S. 434 beschrieben. A. d. Red.

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