Titel: Ueber unexplodirbares Nitroglycerin (Sprengöl).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 4 (S. 246–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi03_4
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Ueber unexplodirbares Nitroglycerin (Sprengöl).

Im Scientific American äußert sich Prof. Seely über die bisher zum Schutze des Nitroglycerins gegen Explosionen empfohlenen Methoden in folgender Weise: Nobel empfiehlt, das Sprengöl mit Methylalkohol (Holzgeist) zu verdünnen.55) Beide Flüssigkeiten mischen sich in jedem Verhältnisse mit einander und die Explosibilität des Gemisches läßt sich bis zu jedem beliebigen Grade verringern. Ein Gemisch mit einem Gehalte von etwa 25 Proc. Methylalkohol explodirt aller Wahrscheinlichkeit nach weder durch Percussion noch bei allmählichem Erhitzen. Soll das Nitroglycerin gebraucht werden, so wird das Gemisch mit Wasser versetzt, wodurch ihm der Methylalkohol entzogen wird, während das reine Nitroglycerin zu Boden sinkt. Gegen dieses Verfahren lassen sich indessen mehrere ernste Einwürfe machen: 1) die Kosten des Methylalkohols und der durch das Abwaschen mit Wasser bedingte Verlust an Nitroglycerin; 2) die Flüchtigkeit des Methylalkohols, in Folge deren das Nitroglycerin, wenn ein Theil von jenem bei Zutritt der Luft entweicht, möglicher Weise „ohne Schutz“ zurückbleiben könnte; 3) die Wahrscheinlichkeit einer zwischen beiden Flüssigkeiten stattfindenden chemischen Reaction; 4) die große Leichtentzündlichkeit des Methylalkohols und seines Dampfes; der letztere gibt mit Luft ein explosives Gasgemisch.“

„Von anderer Seite wurde empfohlen, das Nitroglycerin mit Sand, überhaupt indifferenten, als Wärmeleiter dienenden Substanzen gemengt, aufzubewahren, in derselben Weise wie nach Gale's Verfahren das Schießpulver unexplodirbar gemacht werden soll.56) Dadurch wird aber das Gewicht und das Volum der Nitroglycerincolli sehr bedeutend vermehrt und in Folge der Adhäsion des Sprengöls am Sande entstehen große Verluste. – Ein drittes, von Dr. Heinrich Wurtz herrührendes Verfahren besteht darin, das Nitroglycerin mit einer Salzlösung von einem dem seinigen gleichen specifischen Gewichte zu einem Gemisch oder einer Emulsion zu verarbeiten. Dazu würde sich aller Wahrscheinlichkeit nach eine Lösung von salpetersaurem Zinkoxyd, salpetersaurem Kalk oder salpetersaurer Magnesia wohl eignen. Soll das auf diese Weise „geschützte“ Nitroglycerin gebraucht werden, so wird die Emulsion mit Wasser versetzt, worauf das Sprengöl sich abscheidet und durch Decantiren von dem Versatze gereinigt werden kann. Es dürften übrigens noch weitere Versuche erforderlich seyn, um zu bestimmen, wie lange die Emulsion sich ohne freiwillige Trennung zu erhalten vermag.“

„Ich selbst habe empfohlen, bei der Darstellung des Nitroglycerins größere Sorgfalt anzuwenden, um es vollkommen säurefrei zu erhalten, und zur Vermeidung jeder späteren Anhäufung von Säure mache ich den Vorschlag, in dem Sprengöle eine kleine Menge einer pulverförmigen Substanz zu suspendiren, welche jede Spur von etwa sich bildender Säure sofort zu neutralisiren vermag, ohne selbst auf das Nitroglycerin eine chemische Wirkung auszuüben. Dieses Verfahren gewährt sicheren Schutz gegen freiwillige Zersetzung des Präparats. Von dem neutralisirenden Pulver ist nur eine sehr geringe Menge erforderlich, – 60 Grains auf 1 Pfd. Oel werden jedenfalls hinreichend seyn. und diese Quantität ist so klein, daß sie den explosiven Eigenschaften des Sprengöls durchaus keinen Eintrag thut und vor dem Gebrauche desselben nicht entfernt zu werden braucht.“

„In der Praxis läßt sich eine von diesen Methoden, oder lassen sich mehrere derselben mit einander verbunden anwenden. Die vierte verträgt sich mit allen anderen und sollte auch neben allen übrigen befolgt werden. Es sollte durchaus kein Nitroglycerin aufbewahrt werden dürfen, ohne daß es von seiner furchtbarsten und gefahrdrohendsten Eigenschaft – der Fähigkeit nämlich, sich von selbst zu zersetzen – befreit worden ist.“ (Chemical News, vol. XIV p. 35; Juli 1866.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXXX S. 491.

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Polytechn. Journal Bd. CLXXVII S. 456.

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