Titel: Ueber drei neue hydroelektrische Ketten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 14 (S. 350–351)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi04_14

Ueber drei neue hydroelektrische Ketten.

Unter diesem Titel gibt unsere Quelle (Comptes rendus, t. LXIII p. 332; August 1866) einen kurzen Bericht über drei Volta'sche Combinationen, welche Monthiers zur Benutzung vorschlägt; wir entnehmen daraus das Nachstehende. Die erste dieser Combinationen ist eine Eisen-Kohlen-Kette, bei welcher entweder Schmiede- oder Gußeisen in Cylinderform und die Kohle in prismatischer Form als inneres Element angewendet wird; als Anregungsflüssigkeit wird verdünnte Schwefelsäure benutzt. Das sich bei der Thätigkeit dieser Kette bildende schwefelsaure Eisenoxydul verwendet Monthiers als Lösung für die Anregungsflüssigkeit einer zweiten Kette, in welcher der Eisencylinder durch einen Zinkcylinder ersetzt werden und außerdem wie vorher ein prismatisches Stück Kohle als inneres Element benutzt werden soll. Als dritte Kette schlägt er vor, eine Combination aus kohlensaurem Ammoniak, aus dem menschlichen Harn gewonnen, mit Zink, indem bloß eine Zinklamelle in eine Lösung jenes Salzes getaucht wird; diese Lösung könne man übrigens durch gefaulten Urin ersetzen. Jede dieser Combinationen sey ausreichend, wenn man einige Elemente für eine Batterie benutze, um einen Haustelegraphen oder ein Läutewerk in ökonomischer Weise in Thätigkeit zu unterhalten. – Vergleichende Versuche mit einer Kette von Marié-Davy – die mit schwefelsaurem Quecksilberoxydul angeregt war, und wobei ein äußerer Widerstand von 50 Kilometer gewöhnlichen Telegraphendrahtes und ein Galvanometer eingeschaltet wurden – machen es wahrscheinlich, daß wenigstens die erste und die dritte Kette ausreichende Wirkungen für den angegebenen Zweck zeigen; die der Kette von Marié-Davy erreichen sie aber nicht.

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Wir bemerken hierzu, daß die erste dieser drei Combinationen nicht neu ist; aus den uns bekannt gewordenen Erfahrungen hierüber geht hervor, daß sie nur während kurzer Zeit einen nahezu constanten Strom liefert, der übrigens nicht so stark ist als der einer Kohlenzinkkette, welche bloß durch angesäuertes Wasser (verdünnte Schwefelsäure) unter gleichen Umständen angeregt wird. Die dritte Combination erscheint uns als neu; hingegen sind uns Erfahrungen bekannt, wo für Kohlenzink- und für Kupferzink-Batterien der gefaulte menschliche Harn als Anregungsflüssigkeit benutzt, günstige Resultate geliefert haben soll. Uebrigens handelt es sich nach unserer Ansicht weniger darum, die Zahl der Volta'schen Combinationen, die ohnehin schon sehr bedeutend ist, um einige neue zu vermehren, sondern vielmehr solche Combinationen aufzufinden, welche für geringere und für große äußere Widerstände zur Construction von hydroelektrischen Ketten benutzt werden können, die einen hinreichend starken Strom liefern und unter günstigen ökonomischen Umständen, durch lange Zeit hindurch sich selbst überlassen, auch tadellos functioniren.

Wir möchten zugleich bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß unter den in der letzten Zeit für praktische, namentlich für elektrotelegraphische Zwecke in Gebrauch gekommenen Ketten mit großem inneren Widerstande, die unseres Wissens zuerst bei den schweizerischen Telegraphen in Anwendung gebrachte empfohlen werden dürfte. Es ist dieß eine wie gewöhnlich angeordnete Kohlenzinkkette, in welcher als einzige Anregungsflüssigkeit eine Lösung von Alaun und Kochsalz zu gleichen Gewichtstheilen in übersättigtem Zustande benutzt wird. Eine solche Kette aus zwei Elementen, die wir zum Betriebe eines Haustelegraphen anwenden, ist bereits schon über ein halbes Jahr in tadelloser Thätigkeit und erfordert zu ihrer Unterhaltung äußerst wenig Mühe und Kosten.

C. K.

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