Titel: Bemerkung über Vergiftungen durch Kohlendunst; von A. Fröhde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 16 (S. 351–352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi04_16

Bemerkung über Vergiftungen durch Kohlendunst; von A. Fröhde.

Durch Bunsen's und Playfair's Untersuchungen der Hohofengase ist es bekannt, daß die Steinkohlengichtgase Cyangas enthalten, und zwar in der Höhe des |352| Ofens von 2 3/4 Fuß 1,34 Procent dem Volumen nach, in der Höhe von 12 3/4 bis 13 3/4 Fuß aber nur Spuren davon; man weiß ferner, daß sich beim Hohofenprocesse Cyankalium in bedeutender Menge bildet; es steht endlich durch Wöhler's Versuche fest, daß die rothgelben metallglänzenden Würfel, welche man früher für metallisches Titan hielt, eine Verbindung von Cyantitan mit Stickstofftitan sind, kurz es ist eine allgemein bekannte Thatsache, daß bei Gegenwart von Kohlenstoff, Stickstoff und Alkali Cyan entsteht.

Man kann daher die tödtliche Wirkung des Dunstes brennender Kohlen in geschlossenen Räumen bei unvollständiger Ventilation und beim zufälligen Schließen der Ofenklappe, wenn die Kohlen im Ofen noch glühen, nicht allein der Kohlensäure und dem Kohlenoxydgase zuschreiben, sondern muß diese Wirkung der Gegenwart von Cyangas mit beilegen.

An Steinkohlen kann man bei unvollständiger Ventilation das Cyan schon durch seinen eigenthümlichen Geruch erkennen, wenigstens beobachtete ich solchen an einem nicht gut ziehenden, damit geheizten Ofen wiederholt. Daher erklärt sich die so sehr schädliche Wirkung des Dunstes unvollständig brennender Steinkohlen. Wie bekannt, treten bei Braunkohlen- und Torfheizung und am seltensten bei Anwendung von Holz (namentlich Eichenholz) als Brennmaterial nur unter besonders ungünstigen Umständen Todesfälle ein, da die Schlafenden erwachen und überhaupt die Producte der unvollständigen Verbrennung einen starken brenzlichen Geruch verbreiten, wenn auch häufig Kopfweh und Betäubung beim Einathmen solchen Dunstes zu spüren ist. Es wäre daher wohl von Interesse, Versuche über die Wirkung von Kohlenoxydgas und Kohlensäure, die mit gewissen Mengen von Cyangas vermischt sind, anzustellen. (Archiv der Pharmacie, Bd. CLXXVII S. 91.)

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