Titel: Photographische Darstellung der Bahn einer abgeschossenen Kanonenkugel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 2 (S. 344–345)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi04_2

Photographische Darstellung der Bahn einer abgeschossenen Kanonenkugel.

Das British Journal of Photography, 1866, Nr. 323 veröffentlicht eine von M'Kinlay im Arsenal zu Woolwich erfundene Methode, um gleichsam als Geschützprobe den Vorgang beim Abfeuern eines Geschützes zu photographiren. Wir entnehmen dieser nicht ganz klaren Mittheilung das Folgende:

Zwischen dem Geschütze und dem photographischen Apparate werden zwei stereoskopische, in einer Kammer eingeschlossene Linsen von großer Oeffnung und kurzer Brennweite so aufgestellt, daß das durch diese gehende Licht nur dann zur präparirten Platte gelangen kann, wenn von einer rasch rotirenden Scheibe, die hinter den Linsen angebracht ist, die beiden an dieser Scheibe in einem und demselben Durchmesser befindlichen Oeffnungen mit den Linsen coincidiren; die Rotationsachse dieser Scheibe ist an der stereoskopischen Kammer zwischen beiden Linsen angebracht, und die Scheibe wird durch eine kurze und starke Spiralfeder in eine halbe Umdrehung versetzt, indem zuerst die Feder gespannt, im Momente der Aufnahme mittelst eines elektro-magnetischen Drückers die Scheibe eingestellt und hierauf die Feder wieder ausgelöst wird. Um |345| diesen Zweck zu erreichen, wird das Geschütz mit einer eigenen Zündröhre versehen, in welcher ein feiner, kurzer Platindraht ausgespannt erhalten, in einer kleinen Quantität Pulver liegt, die bis zur Ladung hineingeht; in die Leitung der Volta'schen Kette, welche den Platindraht zum Glühen und Schmelzen bringen muß, wird die Spirale des Elektromagnetes eingeschaltet, der im Momente seiner Anregung den an dem Ankerhebel des Elektromagnetes angebrachten Drücker gegen die rotirende Scheibe wirken läßt. Wird die Kette geschlossen, so wird zunächst der Platindraht glühend und die Ladung entzündet, während gleichzeitig die rotirende Scheibe mittelst des Drückers eingestellt und die Exposition des zu erwartenden Vorganges ausgeführt wird. Verläßt das Geschoß die Mündung des Geschützes, so tritt gleichzeitig der Moment ein, in welchem der Platindraht abgeglüht oder geschmolzen ist, und es wird jetzt die Leitung der Volta'schen Kette unterbrochen seyn, der Anker des Elektromagnetes abfallen und der Drücker die vorher schon gespannte Feder nicht mehr festhalten, so daß also die Scheibe nunmehr rasch eine halbe Umdrehung machen kann, bei welcher die Exposition ein Ende hat und die exponirte Platte der Einwirkung des Lichtes abgeschlossen bleibt.

Nach den Angaben unserer Quelle soll M'Kinlay die Anordnung so präcis auszuführen im Stande seyn, daß man das erste Stück der Bahn des Geschosses, wo also dieses seine größte Geschwindigkeit hat, genau darzustellen im Stande sei. (Die Anwendung solcher photographischer Darstellungen für die Praxis dürfte noch zweifelhaft bleiben, wenn keine Zeitmessungen damit verbunden werden. Immerhin dürfte es aber interessant seyn, derartige Versuche wiederholt auszuführen, um feststellen zu können, bei welcher Grenze der Anfangsgeschwindigkeit noch ein wirkliches Bild zu Stande kommen kann, vermuthlich hat M'Kinlay nur schwache Ladungen bei der Herstellung seiner Photographien benutzt.)

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