Titel: Korkfedern für schwere Frachtwagen etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 4 (S. 345–346)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi04_4

Korkfedern für schwere Frachtwagen etc.

Man hat in Amerika in jüngster Zeit dem Korke als Ersatz für Kautschuk große Aufmerksamkeit geschenkt, namentlich in der Anwendung zu Federn für schwere Frachtwagen u. dgl. Nach den äußeren Eigenschaften des Korkes zu urtheilen, würde man nimmermehr seine große Wirksamkeit in dieser Hinsicht vermuthen, zumal da hierzu die ordinärste Sorte verwendet wird, welche ganz rauh, hart und voll von Sprüngen ist. Der Kork wird zunächst in einer Mischung von Melasse und Wasser eingeweicht, welche ihm einige Weichheit gibt und ihn permanent feucht hält. Dann wird er in Scheiben von 8 Zoll Durchmesser geschnitten, und jede in der Mitte durchbohrt; eine Anzahl solcher Scheiben wird in eine cylindrische gußeiserne Büchse gelegt, ein flacher eiserner Deckel darauf gebracht und durch eine hydraulische Presse niedergedrückt, bis die Dicke der Schicht auf die Hälfte verringert ist. Darauf wird ein Schraubenbolzen durch die Büchse, Scheiben und Deckel gesteckt, eine Mutter eingeschraubt, und nun erst der hydraulische Druck aufgehoben, worauf die Korkfeder fertig zum Gebrauche ist. Eine solche, welche in einem Probeversuche einem Druck von 200 Ctrn. ausgesetzt wurde, zeigte eine Elasticität, welche man nur mit der von comprimirter Luft vergleichen kann. Man sollte nach dem Aussehen des Materials vermuthen, daß es unter schwerem |346| Drucke, zumal wenn heftige Stöße dazu kommen, in Pulver verwandelt oder in kleine Stückchen zerspalten werden würde; aber dieß ist durchaus nicht der Fall. Selbst ein Druck, welcher Kautschuk ganz zerstört, schadet dem Kork nichts und man ist in der That nicht im Stande gewesen, mit dem zulässigen Drucke den Kork zu beschädigen, selbst wenn man nur auf einen Quadratzoll Oberfläche wirkte.

Eine Feder der Art ist z.B. schon seit fünf Jahren in einer Schmiedemaschine von Wm. Sellers (Präsidenten des Franklin-Institutes) verwendet worden, wo sie natürlich fortwährenden heftigen Stößen ausgesetzt war, ohne ein Zeichen von Verschlechterung zu zeigen. Dr. G. Lunge. (Breslauer Gewerbeblatt, 1866, Nr. 16.)

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