Titel: Die Einrichtung des Petroleum-Magazins der Kaiser Ferdinands-Nordbahn in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 10 (S. 430–431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi05_10

Die Einrichtung des Petroleum-Magazins der Kaiser Ferdinands-Nordbahn in Wien.

Hierüber machte der Ingenieur Julius Schwarz in der Wochenversammlung des österr. Ingenieur- und Architektenvereins vom 6. Mai d. Is. nachstehende Mittheilungen.

Das Nordbahn Petroleum-Magazin wurde am linken Ufer des Kaiserwassers, am rechtseitigen Fuße des Bahndammes in der Richtung gegen die Station Floridsdorf erbaut.

Dasselbe besteht aus zwei Geschossen, einem Kellergeschoß und einem zweiten im Niveau der Bahn. Durch zwei Scheidemauern ist jedes dieser Geschosse in drei nahezu gleich große Abtheilungen geschieden, deren jede durch besondere aus starkem Eisenblech construirte Magazinthore für sich allein zugänglich ist. Das Kellergeschoß ist gewölbt, und steht mit einem Kellerhals in Verbindung, vermittelst welchem der Zugang und respective auch die Zufahrt zu den einzelnen unteren Abtheilungen vermittelt wird.

Der Fußboden dieser Magazinabtheilungen ist von Cement hergestellt und ist derselbe derart construirt, daß die Fußbodenflächen nach der Mitte zu geneigt sind; in den tiefsten Punkten, welche sich durch diese Flächendurchschneidungen ergeben, sind eiserne Versenk-Kästen angebracht, welche 2' breit, 3' lang und 3' tief sind, und zwar befinden sich in jeder der drei oberen Abtheilungen je vier und in jeder der drei unteren Abtheilungen im Kellergeschoß je ein solcher versenkter Kasten. Diese Kästen stehen ihrerseits durch Röhrenleitungen mit gemauerten, in der Fundamentsohle liegenden Canälen in Verbindung, und zwar derart, daß die drei zu den einzelnen über einander liegenden Abtheilungen gehörigen Zweigcanäle in einem Hauptcanal sich vereinigen, der schließlich in eine gemauerte Cisterne von 9' Durchmesser und 17' Tiefe einmündet. Es ist ferner jeder dieser Zweigcanäle durch außerhalb jeder Abtheilung zugängliche eiserne Schuber im Kellergeschoß zu öffnen und zu schließen, und zwar geschieht dieß der Art, daß in Momenten der Gefahr nur der eine jeweilig erforderliche aufgezogen wird, während die Schuber in den anderen Zweigleitungen geschlossen bleiben.

Die Fenster in beiden Geschossen sind mit zweiflügligen von außen zu schließenden eisernen Fensterläden versehen; alle Thorgewände sind von Stein, die Magazins-Schubthore von starkem Eisenblech construirt. Zur Communication zwischen den Abtheilungen im oberen und im unteren Geschosse dienen drei eiserne Wendeltreppen, welche nach oben zu mit einer eisernen Fallthüre abgeschlossen werden können. Außerdem vermittelt ein gemauerter kleiner Schacht in Verbindung mit einer Aufzugvorrichtung das Herablassen von beladenen Fässern in das Kellergeschoß und ist diese Schachtöffnung unter dem Magazins-Perron ebenfalls mit einer eisernen Fallthüre wohl verschließbar.

Die Dachconstruction ist eine Winiwarter'sche, und zwar mit Anwendung einer feuersicheren Zwischendecke, weiche von Gurten aus verzinktem Eisenblech getragen wird. Die Fußpunkte dieser Gurten ruhen in gußeisernen Schuhen, welche an der Mauerbank festgeschraubt sind und ist diese letztere durch eine Eisenarmatur und an den Stellen zwischen den Gurten durch eine Ziegelaufmauerung vollkommen feuersicher gelegt.

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Vermöge der nun so getroffenen Einrichtung müßte bei einem etwa in einer Abtheilung durch irgend welche Veranlassung ausbrechenden Brande das Feuer auch nur auf diese Abtheilung beschränkt bleiben, denn in einem solchen Falle würden allsogleich die von außen zu schließenden Fensterläden geschlossen, das betreffende Magazinsthor ebenfalls gesperrt und der Schuber jenes Zweigcanals aufgezogen werden, welcher mit der betreffenden Abtheilung communicirt. Das durch Bersten oder sonstige Veranlassung sich entleerende Petroleum würde durch die in den tiefsten Punkten des Fußbodens befindlichen Versenk-Kästen in den betreffenden Canal und schließlich in die Cisterne sich ergießen, welche nach oben zu luftdicht abgeschlossen ist. Durch hermetischen Verschluß aller nur denkbaren Luftzutrittsöffnungen könnte in dem Falle eines entstehenden Brandes dieser keine große Ausdehnung gewinnen, und ist noch außerdem durch entsprechend große cylindrisch geformte, wohl verschlossene Aufbewahrungs-Gefäße in den Lager-Räumen schon in erster Linie für die Hintanhaltung einer möglichen Feuersgefahr thunlichste Sorge getragen.

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