Titel: Ueber das Verhalten der Kieselsäure zum Ammoniak.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 12 (S. 432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi05_12

Ueber das Verhalten der Kieselsäure zum Ammoniak.

In diesem Betreff enthält Wittstein's Vierteljahresschrift, Bd. XVI Heft 1, eine umfassende Untersuchung von Richard Pribram; die Ergebnisse derselben stellt der Verfasser schließlich in Folgendem zusammen:

1) Sowohl die wasserfreie natürliche und künstliche als auch die wasserhaltige Kieselsäure werden von Ammoniakliquor aufgelöst, aber in sehr verschiedenem Grade, dergestalt daß die natürliche wasserfreie gegen 6000, die künstliche wasserfreie gegen 260, die trockene wasserhaltige gegen 330 und die gallertartige Kieselsäure gegen 140 Theile Ammoniakliquor von 10 Proc. bedarf. (Bei den beiden wasserhaltigen Arten der Kieselsäure bezieht sich das angegebene Löslichkeits-Zahlenverhältniß ebenfalls auf die wasserfreie Säure SiO³.)

2) Werden diese Lösungen der Luft ausgesetzt, so lassen sie, ungeachtet des dabei stattfindenden großen Ammoniakverlustes, die Kieselsäure nicht wieder fallen, sondern bleiben klar, und wenn sie keine Reaction auf freies Ammoniak mehr geben, so befinden sich Base und Säure darin in dem der Formel NH⁴O + 4 SiO³ entsprechenden Verhältniß.

3) Durch Kochen der Lösungen entweichen ungefähr 19/20 des noch vorhandenen Ammoniaks, aber gleichfalls ohne Ausscheidung von Kieselsäure, und in der rückständigen Flüssigkeit stehen nun Base und Säure in dem beiläufigen Verhältniß von 1 Aeq. und 80 Aeq.

4) Läßt man die Lösungen (bei gewöhnlicher Temperatur) eintrocknen, so enthält die trockene Masse Base und Säure in dem nämlichen Verhältnisse wie in der gekochten Solution, aber ihre Löslichkeit in Wasser hat sie so weit verloren, daß letzteres nur mehr Spuren davon aufnimmt.

5) Die vorstehenden Thatsachen verdienen in der analytischen Chemie alle Beachtung, denn ihre Nichtberücksichtigung kann zu merklichen Fehlern Anlaß geben.

6) Sie haben aber auch pflanzenphysiologisches und agricoles Interesse, denn sie liefern einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der Einführung der Kieselsäure in die Gewächse.

7) Endlich ist auch der Medicin Gelegenheit gegeben, Nutzen daraus zu ziehen, insofern ihr dadurch die mildeste lösliche Form geboten wird, in der sie die Kieselsäure innerlich anwenden kann.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: