Titel: Bessemer's Schmiedepressen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 2 (S. 423–425)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi05_2
|424|

Bessemer's Schmiedepressen.

Zum Schmieden großer Eisenmassen hat sich der Dampfhammer als höchst vortheilhaft bewiesen. Zum allmählichen Vereinigen einzelner Theile zu einem großen Ganzen ist er aus das Beste geeignet, da ein großer Theil der Kraft auf die Berührungsflächen der zusammenzuschweißenden Stücke übertragen wird. Für das Schmieden großer Gußstahlmassen aber ist der Dampfhammer nicht gut geeignet. Für die Welle einer Schiffsmaschine von 20'' Durchmesser und 30' Länge ist z.B. ein solider Stahlbarren von 3' im Quadrat und 8' Länge nöthig, der über 3000 Ctr. wiegt. Ein solcher Barren würde dem Moment des fallenden Hammers die Trägheit seiner Masse gerade so entgegensetzen wie ein Amboß und wie dieser durch den Schlag wenig beeinflußt werden. Soll die Mitte einer solchen Masse mit hinreichender Kraft erreicht werden, um verlängert zu werden, so muß die Kraft des Schlages durch 18'' festen Stahl übertragen werden; die Theilchen dieser Zwischenmasse müssen aus dem Ruhezustande in die Geschwindigkeit versetzt werden, welche der Hammer beim Niederfallen erlangt hat. Dieß wird durch ihre Trägheit verhindert und somit die Kraft absorbirt, bevor sie die Mitte erreicht. Die Praxis zeigt, daß, wenn der Hammer nicht ein enormes Gewicht hat, nur der äußere Theil der Masse verlängert wird und dadurch wird entweder der centrale Theil auseinandergerissen oder der äußere Theil gleitet darüber hin, so daß sich am Ende der Welle eine Art tiefer Schale bildet. Bei der Bearbeitung großer Gußstahlmassen ist also der plötzliche Stoß des Dampfhammers unbrauchbar und dagegen ein stetiger Druck nöthig. Im Jahr 1856 ließ sich H. Bessemer die Anwendung von hydraulischem Druck für diesen Zweck patentiren, doch wurde in dieser Periode wenig dafür gethan. Der Gegenstand wurde später bekanntlich von Haswell in Wien wieder aufgenommen, der so günstige Resultate erhielt, daß Bessemer's Aufmerksamkeit darauf zurückgelenkt wurde. Die hydraulische Presse nach der gewöhnlichen Construction ist aber nur ein Accumulator kleiner Kraftvermehrungen, der enorm wirksam ist, wenn er langsam auf kleine Entfernungen wirkt, eine Bedingung, die zum Bearbeiten von heißem Metall nicht geeignet ist, das bearbeitet werden muß, bevor seine Wärme den Amboß durchdringt oder durch Strahlung verloren geht. Bessemer construirte daher eine sehr kräftige Presse, die rasch arbeitet, so daß die Pressungen eben so rasch auf einander folgen können, wie die Schläge eines Dampfhammers. Dieselbe besteht aus einem gußeisernen, dem Gerüste eines Walzwerkes ähnlichen Bogengerüste im oberen Theil mit einer stählernen Stellschraube, um die obere Matrize, die den festen Hammer darstellt, in die erforderliche Stellung zu bringen. Im unteren Theil des gußeisernen Gestelles befindet sich ein hydraulischer Cylinder mit 24'' Bohrung und 3'' Hub. Mit dem Kolben dieses Cylinders ist der bewegliche Amboß verbunden. Vom unteren Theil des Cylinders führt ein Rohr nach einer Druckpumpe mit Plunger von bedeutender Größe und Hublänge, der alles Wasser liefert, um den erwähnten Kolben 3'' zu heben. Der Plunger wird durch eine starke Dampfmaschine betrieben und hebt oder senkt den hydraulischen Kolben rasch und mit enormer Kraft. Beträgt z.B. die Bewegung des Kolbens 2 1/2'' und fällt das Gußstahlstück den Raum zwischen Amboß und Hammer bis auf 2'', so wird dasselbe beim Aufgang des hydraulischen Kolbens um 1/2'' zusammengedrückt, während der Plunger nur im letzten Fünftel seines Vorganges und gar nicht während seines Rückganges Widerstand zu überwinden hat. Die Dampfmaschine, die ihn treibt, muß daher ein schweres Schwungrad haben, so daß die Kraft in ihm aufgesammelt und während 1/10 des ganzen Kolbenlaufes abgegeben werden kann. Die Stellschraube, durch welche die Hammerstellung regulirt wird, ist durch ein Gegengewicht balancirt, so daß sie leicht von 2 Mann gehandhabt werden kann und der Hammer kann so gestellt werden, daß eine Welle oder Stange so genau wie in einem Walzwerke bearbeitet werden kann.

Es hat sich herausgestellt, daß ein Druck von 120–180 Ctr. per Quadratzoll engl. genügt, um rothglühenden Gußstahl zusammenzudrücken. Der Druck der hydraulischen Presse wirkt nicht bloß auf die Oberfläche, sondern durch die ganze Masse und gibt eine Gleichmäßigkeit der Verdichtung, die durch die Dampfhämmer nicht erreichbar ist. Diese Wirkung wurde durch folgenden Versuch bestätigt: Ein Stahlcylinder von 2' Länge und 8'' Durchmesser wurde unter dem Drucke der hydraulischen Presse in der Mitte ausgebaucht wie eine Kautschukfeder; unter dem Dampfhammer wurde ein gleicher Cylinder am oberen Ende und ein wenig am unteren Ende verbreitert, die Mitte aber blieb fast unverändert. Die geräuschlose Arbeit der Presse und die Abwesenheit von |425| Stößen machen die Anwendung derselben bequemer und für die Arbeiter weniger ermüdend, auch bedarf man dabei keiner sehr soliden und theuren Fundamente. (Nach W. Fairbairn's neuem Werk: The Iron etc.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: