Titel: Rosanilin als Reagens auf Fettsäuren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 8 (S. 427–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi05_8

Rosanilin als Reagens auf Fettsäuren.

Bringt man nach Dr. Jacobsen (Chemisch-technisches Repertorium 1866, I, S. 84) zu einem neutralen Oel ein Stäubchen trockenes Rosanilin, so löst sich auch beim Umschütteln und Erwärmen im Wasserbad nichts davon auf, das Oel bleibt ungefärbt; war das Oel aber ranzig, so färbt es sich bald schwach roth; bei sehr stark ranzigem Oel erreicht der Farbenton die Tiefe von Himbeersaft. Käufliche Fuchsine (salzsaures, arsensaures etc. Rosanilin) lösen sich weder in neutralen noch ranzigen Oelen auf. Oelsäure (oder eine andere Fettsäure) löst Rosanilin augenblicklich in großer Menge und färbt sich damit bis zur Undurchsichtigkeit; ölsaures Rosanilin wird von neutralen Oelen und Fetten in allen Verhältnissen gelöst. In manchen Fällen kann daher Rosanilin benutzt werden, freie Fettsäuren in Oelgemischen etc. zu erkennen. Im Handel kommen z.B. seit einigen Jahren unter verschiedenen Namen weiße Leberthrane vor, die entweder gar keine Leberthrane, sondern flüssiges Fett verschiedener Säugethiere sind, oder auf die Weise hergestellt werden sollen, daß man hellblanken Leberthran mit Potaschelauge schüttelt, längere Zeit absetzen läßt und filtrirt. Da nun aber die medicinische Wirksamkeit des Leberthranes wesentlich seinem Gehalt an freien Fettsäuren |428| zugeschrieben werden muß, kann solchem weißen Thrane keine andere medicinische Wirkung, als jedem beliebigen neutralen fetten Oele innewohnen, denn das Fett der Seesäugethiere enthält keine freie Fettsäuren, Potasche entzieht sie dem Leberthrane. Es kommt aber auch mitunter ein so hellfarbiger „ächter,“ d.h. nicht mit Lauge behandelter Leberthran vor, daß man versucht seyn kann, ihn für einen der oben beschriebenen zu halten. Aechter Leberthran im Reagensglas mit etwas Rosanilin geschüttelt, färbt sich sehr bald schon in der Kälte roth, beim Erwärmen im Wasserbad nimmt er Rosanilin bis zur tief dunkelrothen Färbung auf; unächter Thran färbt sich dagegen nicht, eine schwache Färbung zeigt an, daß er ranzig geworden. Ein sogen. Labrador-Thran, fast wasserhell, von äußerst mildem Geschmack und Geruch, zeigte auch bei längerem Erhitzen im Wasserbad durch Rosanilin nicht die mindeste Färbung. – Als Schmieröl werden neuerdings Gemische von schwerem paraffinhaltigem Petroleum (Petroleumrückstand) mit fetten Oelen (Rüböl) angefertigt; nun ist es vorgekommen, daß der Fabrikant statt des Rüböles die billigere Oelsäure, welche sehr rasch die Maschinentheile angreift, verwendet; auch für diesen Fall kann man mittelst Rosanilin sehr rasch die Gegenwart der Oelsäure constatiren. Bei einigermaßen erheblichem Gehalt eines Oeles an freier Fettsäure löst sich das in Pulverform in das Oel gebrachte Rosanilin sehr bald auf; ist wenig freie Fettsäure vorhanden, ist ein Oel nur ranzig, so dauert der Eintritt der Färbung längere Zeit. Für letzteren Fall verfährt man zweckmäßiger folgendermaßen: Man bereitet sich eine kalt gesättigte Lösung von Rosanilin in absolutem Alkohol, schüttelt einige Tropfen dieser Lösung mit dem zu prüfenden Oele und erwärmt die Mischung in einem Bechergläschen im Wasserbad bis zur Verflüchtigung des Alkohols. War keine freie Fettsäure vorhanden, so scheidet sich beim Stehen das ausgeschiedene Rosanilin aus dem ungefärbten Oele am Boden ab, oder bleibt bei sehr dickflüssigem Oele als bräunliches Pulver in dem Oele suspendirt. Aus einer Handlung entnommene Proben von Provenceöl und fettem Mandelöl wurden durch Rosanilin nicht gefärbt, Mohnöl färbte sich schwach roth, Leinöl stärker roth (durch die gelbe Farbe des Leinöles bräunlich nüancirt), am stärksten Ricinusöl. Provenceöl, mit 5 Procent Oelsäure versetzt, zeigte die Farbentiefe von Himbeersaft. – Selbstverständlich kann das Rosanilin auch zur Prüfung auf feste Fettsäuren benutzt werden, die man dazu natürlich im Wasserbad verflüchtigen muß; eine höhere Erhitzung als 100° C. ist nicht rathsam und kann zu Täuschungen Veranlassung geben. Man kann statt des Rosanilins wohl auch eine andere Anilinfarbbasis anwenden; die rothe Farbe ist aber für das Auge am empfindlichsten und compensirt am leichtesten die etwa vorhandene natürliche gelbe Farbe des Oeles oder Fettes.

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