Titel: Verordnung der französischen Regierung über die Magazinirung etc. des Petroleums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 9 (S. 428–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi05_9

Verordnung der französischen Regierung über die Magazinirung etc. des Petroleums.

Art. 1. Das Petroleum und seine Abarten, die Schiefer- und Theeröle, die Essenzen und anderen Kohlenwasserstoffe zur Beleuchtung, Beheizung, Erzeugung von Farben und Firnissen, zum Einfetten von Stoffen oder zu irgend einer anderen Verwendung, sind, je nach ihrem Grade der Entzündbarkeit, in zwei Kategorien eingetheilt. – Die 1. Kategorie umfaßt die sehr entzündbaren Substanzen, d.h. jene, welche bei einer Temperatur unter 35° Celsius Dämpfe abgeben, die in Berührung mit einem brennenden Zündhölzchen sich entzünden.

Die 2. Kategorie umfaßt die weniger entzündbaren Substanzen, d.h. jene, welche erst bei einer Temperatur von oder über 35° C. Dämpfe abgeben, die in Berührung mit einem brennenden Zündhölzchen sich entzünden.

Art. 2. Die Hütten für die Erzeugung, Destillation oder Arbeit im Großen mit den im Art. 1 enthaltenen Substanzen sind in die 1. Classe der Etablissements eingetheilt, auf welche sich das Decret vom 15. October 1810 und die königl. Verordnung vom 14. Jänner 1815 über gefährliche, ungesunde und belästigende Werkstätten beziehen.

Art. 3. Die Magazine für Substanzen, welche der 1. Kategorie angehören, sind in die 1. Classe der ungesunden oder gefährlichen Etablissements eingetheilt, wenn sie, wenn auch nur zeitweise, 1050 Liter oder darüber von den genannten Substanzen |429| enthalten. – Sie gehören der 2. Classe an, wenn die eingelagerte Quantität über 1050 Liter beträgt, aber nicht 10500 Liter erreicht.

Art. 4. Die Magazine für den Detailverkauf in Mengen, welche 1050 Liter nicht übersteigen, können ohne vorhergegangene Bewilligung errichtet werden. In jedem Falle sind die Besitzer derselben gehalten, an den Präfecten eine Erklärung zu richten, welche eine genaue Bezeichnung des Locals und der Quantität, innerhalb welcher sie ihre Vorräthe beschränken wollen, und die Verpflichtung enthalten, sich nach den im nachfolgenden Art. 5 enthaltenen allgemeinen Maßregeln zu richten.

Art. 5. Die Magazine für den Detail-Verkauf von Substanzen der 1. Kategorie in Quantitäten über 5 Liter und nicht 150 Liter überschreitend und die Magazine von Substanzen der 2. Kategorie in Mengen über 60 Liter und 1050 Liter nicht überschreitend, welche nach dem Wortlaute der Art. 4 und 5 ohne vorhergegangene Bewilligung errichtet werden können, sind nachfolgenden allgemeinen Bedingungen unterworfen:

1. Das Local des Depots kann nur zu ebener Erde oder im Keller seyn; es muß mit Steinen, welche mit einem Mörtel aus Kalk und Sand oder Cement versetzt und zusammengefügt sind, gepflastert seyn.

2. Die Schwellen der Verbindungs-Thüren mit den anderen Theilen des Hauses und mit der Straße müssen aus Stein seyn und mindestens 1 Decimeter höher seyn als der gepflasterte Fußboden, um auf diese Art die allenfalls sich ergießenden Flüssigkeiten an ihrer Ausbreitung zu verhindern.

3. Wenn das Depot in einem Keller sich befindet, so muß er gut durch das Tageslicht beleuchtet, entsprechend ventilirt und ohne irgend eine Verbindung mit den benachbarten Kellern seyn, von welchen er durch volle Mauern aus solidem Mauerwerk von wenigstens dreißig Centimeter Dicke getrennt seyn muß.

4. Ist das Depotlocal zu ebener Erde, so darf es keine Stockwerke über sich haben, muß gut ventilirt und durch das Tageslicht beleuchtet seyn. Die Mauern müssen aus gutem Mauerwerk und die Eindeckung muß von Eisen-Trägern getragen werden.

5. In jedem Falle muß das Local leicht zugänglich seyn und darf nicht in Verbindung mit irgend einer Räumlichkeit stehen, welche zur Einlagerung von Holz oder anderen brennbaren Materien dienen und so Elemente zu einem Brande bilden könnten.

6. Die Flüssigkeiten müssen entweder in mit einem Deckel versehenen Metallgefäßen oder in soliden und vollkommen dichten, mit Eisenreifen umgebenen Fässern, deren Fassungsvermögen 150 Liter nicht überschreiten darf, oder in Krügen aus Glas oder Thon umwickelt mit einer Hülle von Stroh-Weidengeflecht oder anderen Materien derart, um das Gefäß gegen einen zufälligen Stoß durch einen harten Körper zu sichern, aufbewahrt werden; das Fassungsvermögen dieser Krüge darf 60 Liter nicht übersteigen, sie müssen sehr sorgfältig zugestopft seyn.

7. Die Gefäße, welche zum laufenden Verschleiß dienen, müssen verschlossen und mit Hähnen versehen seyn.

8. Das Ablassen oder Umfüllen der in Vorrath befindlichen Flüssigkeiten darf nur bei Tageslicht und soll so viel als möglich mittelst einer Pumpe geschehen.

9. Abends muß das Local durch eine oder mehrere Laternen beleuchtet seyn, welche an von den die entzündbaren Flüssigkeiten enthaltenden Gefäßen und besonders jenen, welche zum laufenden Verschleiße dienen, entfernten Punkten an den Mauern angebracht seyn müssen.

10. Es ist untersagt, daselbst Feuer anzumachen und leere Fässer, Breter oder irgend andere brennbare Stoffe aufzubewahren.

11. Es ist eine der Größe des Depots entsprechende Menge von Sand oder Erde in dem Locale vorräthig zu erhalten, um einen Brand beim Ausbruche gleich ersticken zu können.

12. Der Depotinhaber muß immer eine oder mehrere, in gutem Zustande sich befindende Sicherheitslampen zu seiner Verfügung haben, deren man sich nach Bedürfniß in den Theilen des Locales bedienen würde, welche von den an den Mauern befestigten Laternen nicht genügend beleuchtet werden.

Es ist ausdrücklich untersagt, in dem Locale mit tragbaren offenen Lampen, welche keine Sicherheits-Einrichtung besitzen und demnach ein Feuerfangen einer Mischung von Luft und entzündbaren Dämpfen veranlassen könnten, herumzugehen.

Die Detailverkäufer, deren Vorrath auf 5 Liter der Substanzen von der 1. Kategorie |430| oder auf 60 Liter der Substanzen von der 2. Kategorie beschränkt ist, werden an die Vorsichtsmaßregeln gebunden seyn, welche ihnen in jedem Falle von der Municipal-Behörde angegeben und vorgeschrieben werden.

Art. 6. Die Depots, welche nicht den hier vorgeschriebenen Bedingungen entsprechen, oder deren Besitzer unterlassen würden, denselben zu genügen, werden über Befehl der Administrativbehörde geschlossen, abgesehen von den aus der Uebertretung der polizeilichen Vorschriften folgenden Strafen.

Art. 7. Der Transport sämmtlicher im Art. 1 angeführten Substanzen muß bei Quantitäten über 5 Liter ausschließend in Gefäßen aus Eisenblech, Weißblech oder Kupfer geschehen, welche vollkommen dicht und hermetisch verschlossen sind, oder in vollkommen dichten Fässern, welche mit Eisenreifen umgeben sind, und deren Fassungsvermögen nicht 150 Liter überschreiten darf, oder in Krügen oder Flaschen aus Glas oder Thon von höchstens 60 Liter Fassungsvermögen, welche zugestopft und mit Flechten von Stroh, Weiden oder anderen Materialien zum Schutze der Gefäße gegen das Zerbrechen umgeben sind. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1866 S. 163.)

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