Titel: Meyer's neuer Copir-Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 1 (S. 482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi06_1

Meyer's neuer Copir-Telegraph.

Ein junger Beamter des Centraltelegraphenbureau's in Paris hat einen neuen Apparat erfunden, mit dem man, wie erzählt wird, jede Art von Schrift oder Zeichnung auf telegraphischem Wege mittheilen kann. Es ist dabei auch kein chemisch präparirtes Papier erforderlich, wie solches bei den Systemen von Bonelli und Caselli nothwendig ist, da selbst das gewöhnliche Schreibpapier irgend welcher Sorte, welches in breiten Streifen oder Bändern dabei angewendet wird, ausreicht, und auf diesem die Depesche mit einer Copirtinte von beliebiger Farbe abgedruckt wird. Die mitgetheilten Facsimile's können Zwar nur eine Breite von 5 Centimeter (1,96 engl. Zoll), so weit nämlich die Papierbreite hierfür ausreicht, annehmen, hingegen kann die Länge des Papierbandes irgend welche seyn, und der Apparat kann 40 Depeschen per Stunde absenden und empfangen. Der Transmetteur besteht aus einem Cylinder von 4,78 Zoll Länge und 1,6 Zoll Umfang, um welchen das Stanniolblatt gelegt wird, auf das in gewöhnlichen Charakteren die zu versendende Depesche geschrieben worden ist. Während der Cylinder in Rotation sich befindet, streift eine parallel zur Achse desselben fortschreitende Metallspitze beständig gegen denselben. Der Empfangsapparat besteht in einer Schraube ohne Ende von 1 Fuß 6 Zoll Länge, die bei jeder Windung von einer Druckwalze die Tinte empfängt und um ein breites Papierband sich dreht, das mit derselben Geschwindigkeit sich abwickelt, mit welcher die Spitze des Transmetteurs längs der Originaldepesche sich fortbewegt. Die Triebwerke beider Apparate haben Gewichte als Motoren und müssen vollkommen übereinstimmend angeordnet sehn; der synchronistische Gang der Spitze und der Schraube ohne Ende ist unumgänglich nothwendig und wird auf elektromagnetischem Wege controlirt. So lange der Stromdurchgang stattfindet, wird durch die Einwirkung eines Elektromagnetes das Papier von der Schraube des Empfangsapparates in einer kleinen Distanz erhalten; wird aber der Strom unterbrochen, was nämlich jedesmal stattfindet, wenn die Spitze über die nichtleitende Schrift der Depesche weggeht, so wird das Papierband mittelst einer Feder gegen die Schraube des Empfangsapparates gedrückt, und es entsteht hier ein Strich von derselben Länge, wie er von der Spitze an der gebenden Station während der Unterbrechung des Stromes beschrieben wird. – Die Versuche, welche der Erfinder auf einer Linie von gutem Zustande und einer Länge von 360–380 Kilomet. mit seinem Apparate auszuführen Gelegenheit hatte, sollen günstigere Erfolge ergeben haben, als man anfangs erwartete. (Aus dem Builder durch den Engineer, October 1866, p. 313.)

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