Titel: Ueber Swan's photographische Anstalt für Kohledruck; von G. Wharton Simpson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 2 (S. 482–484)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi06_2

Ueber Swan's photographische Anstalt für Kohledruck; von G. Wharton Simpson.

Swan hat sein mehrfach besprochenes Kohleverfahren so praktisch gemacht, daß er jetzt Bilder im Großen für den Handel fertigt und Drucke nach jedem beliebigen |483| Negativ ausführt, dasselbe mag groß oder klein, besonders für den Proceß angefertigt seyn, oder nicht. Zu meiner Verwunderung fand ich in seiner Anstalt in Newcastle keinen Chemiker angestellt; die Arbeiten werden allerdings unter einem intelligenten Inspector, aber doch von Weibern und Kindern ausgeführt, und dabei mit nicht mehr Unfällen, als der gewöhnliche Silberproceß auch darbietet.

Das Erste, was hier von Wichtigkeit ist, ist wohl die Präparation der empfindlichen Gelatineschicht. Bekanntlich nahm man als Unterlage für dieselbe früher Collodium, jetzt nimmt Swan Papier. Die ganze Operation geschieht mechanisch, indem ein Stück Papier von 12 Fuß Länge mit Hülfe von Rollen wiederholt über die Oberfläche von gefärbter Gelatinelösung hinweggezogen wird, bis die Schicht die richtige Dicke hat.

Die Gelatinelösung wird durch Dampf warm gehalten. Durch den öfter wiederholten Ueberzug mit dünner Gelatine erreicht man eine gleichmäßigere Dicke, als wenn man auf einmal mit einer dickeren Lösung operiren wollte. Während des Präparirens wird die Gelatine fortwährend in Bewegung gehalten, damit sie gleichmäßig dick bleibe.

Durch diese Manipulation ist die Hauptschwierigkeit des Kohleprocesses, Herstellung einer gleichmäßigen Gelatineschicht, umgangen.

Die Gelatinepapiere halten sich sehr lange unverändert. Sie werden beim Gebrauch zunächst in Stücke von passender Größe zerschnitten, dann einfach durch Eintauchen in eine gesättigte Lösung von rothem chromsauren Kali sensibilisirt. Ich muß noch bemerken, daß die Farbe dieser Gelatinebogen sehr verschieden ist.

So fertigt Swan solche in reinem Tuchschwarz, andere purpurn, andere sepiabraun, und alle diese in verschiedener Intensität. Durch passende Auswahl dieser mehr oder weniger stark gefärbten Bogen kann er von einem harten Negativ ein weiches Bild drucken und von einem flauen Negativ ein brillantes. Er classificirt daher die gelieferten Negative in verschiedene Nummern 1, 2, 3 u.s.w. und druckt diese mit den entsprechend vorher numerirten Bogen.

Eine wichtige Einrichtung in dem Kohledruck ist nun das von Swan erfundene Actinometer, das so einfach ist, daß es selbst ein Knabe zu brauchen im Stande ist. Swan ist der Ansicht, daß dasselbe auch für den gewöhnlichen Silberdruck nützlich sey, da es das fortwährende Nachsehen erspare. Dieses Actinometer ist nichts weiter als ein Stück Chlorsilberpapier. Photographisches Rohpapier wird 10 Minuten in 2procentige Kochsalzlösung getaucht, getrocknet, dann durch Eintauchen in 8procentige Silberlösung sensibilisirt. Stücke dieses sensibilisirten Papieres werden nun unter einer Collodiumplatte exponirt, die einfach durch Belichten und Hervorrufen bis zu einem gewissen Grade geschwärzt worden ist. Man exponirt das Papier nun gleichzeitig mit dem zu druckenden Negativ so lange, bis es einen bestimmten Ton angenommen hat, den man durch Vergleichung mit einer getuschten Scala erkennt, die 10 verschiedene Tinten von Hell in Dunkel übergehend enthält. Ein geübter Drucker kann einem Negative schon ansehen, bis zu welchem „Grade“ es gedruckt werden muß. Selbstverständlich kann man auch ganze Serien Negative auf einmal drucken und hat man dann die Copirrahmen zu numeriren. Man sieht dann bloß von Zeit zu Zeit das Actinometer nach und wenn Tinte Nr. 1 erreicht ist, nimmt man die Rahmen Nr. 1 hinein u.s.w. Sicher ist es leichter, ein einziges handliches Actinometer nachzusehen, als das Schleppen von so und so viel verschiedenen Copirrahmen.

Ist nun das Bild ausexponirt, so wird es mit einer Lösung von 10 Gran Kautschuk in einer Unze Benzol übergossen und die Lösung verdunsten gelassen, nachher ein in ähnlicher Weise mit Kautschuk überzogener und trockener Bogen sächsisches Papier darauf gedeckt und gepreßt. Das ganze Bild haftet dann leicht und fest an dem Kautschukbogen. Man steckt es dann in lauwarmes Wasser. Im Verlauf einer halben Stunde löst sich das Gelatinepapier rein ab und das Bild haftet an dem Kautschukpapier. Die unveränderte Gelatine löst sich gleichzeitig auf und das Bild wird so entwickelt. Es wäre so vollkommen fertig, noch aber ist es verkehrt (Rechts und Links verwechselt). Um es umzukehren, wird es vorerst mit Gelatine 1 : 8 überzogen, dann richtig ausgeschnitten, geputzt, mit der Bildseite auf angefeuchtetes Cartonpapier gelegt und angepreßt. Um nun den aufliegenden Bogen zu entfernen, braucht man diesen bloß mit Benzin von hinten schwach anzufeuchten, er geht dann sehr leicht los und läßt das Bild mit aller Schönheit zurück.

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War das Negativ umgekehrt, so hat man das Umkehren des Druckes nicht nöthig. Die Empfindlichkeit des Gelatinepapieres ist sicher doppelt so groß wie die von gesilbertem Eiweiß. Auf den ersten Anblick scheint es nun, als wäre die Zahl der Operationen beim Kohledruck größer als beim Silberdruck. Stellen wir beide einmal zusammen:

Kohledruck. Silberdruck.
Ueberziehen des Papieres mit Gelatine. Albuminiren des Papieres.
Sensibilisiren mit Chromat. Sensibilisiren mit Silbersalz.
Exponiren. Exponiren.
Ueberziehen mit Kautschuklösung und
Uebertragen auf Papier.
Waschen und Tonen.
Fixiren.
Waschen. Längeres Waschen.
Zuschneiden und Aufkleben auf Carton. Zuschneiden und Aufkleben auf Carton.

Nichts kann die Leichtigkeit der Arbeitsweise besser versinnlichen, als wenn ich ein unter meinen Augen vorgegangenes Druckbeispiel hier anführe.

Es lag ein großes Negativ vor, nach einem Oelgemälde mit einigen hundert Porträts. Der Druck bot insofern Schwierigkeiten, als jeder Theil hier sauber ausgeführt seyn mußte, während in anderen Bildern es oft nicht darauf ankommt, ob im Hintergrunde oder in den Beiwerken einige Fehler sind. Das Negativ hatte 32 × 16 Zoll Größe. Der Druck wurde Nachmittags begonnen und am nächsten Nachmittag war das ganze Bild auf Carton gezogen, postfertig und in jeder Hinsicht vollkommen. Wir erwähnen dieses Beispiel, weil in anderen Fällen gerade dieses Bild sicher 2 bis 3 Versuchsdrucke nöthig gemacht haben würde, ehe man einen vollendeten Druck erzielt hätte.

Ich kann aus eigener Anschauung sagen, daß die Operation des Uebertragens von einem Papier auf das andere gar nicht so schwer ist. Swan überträgt oft die fertigen Bilder nicht auf Carton, sondern auf gewöhnliches Papier. Sie können dann noch in eine concentrirte Alaunlösung getaucht und so gegerbt werden, um sie widerstandsfähiger zu machen.

Noch eine andere eigenthümliche Operation, die Swan neuerdings anwendet, erwähne ich hier.

Es ist nämlich constatirt worden, daß die Kohlebilder ungleich brillanter erscheinen, wenn die Gelatine ein wenig weißes Pigment enthält.

Das directe Zumischen desselben ist nicht rathsam, da es sich zu leicht wieder absetzt und schwer gleichmäßig vertheilt werden kann. Swan verfährt nun folgendermaßen:

Er setzt zu der Gelatine, welche zum letzten Uebertragen des Bildes dient, ein wenig Chlorbaryumlösung. Wenn dann das Bild später in Alaunlösung getaucht wird, so bildet sich schwefelsaurer Baryt, der in der Gelatinelösung fein vertheilt bleibt und das weiße Pigment bildet. (Mittheilungen der Berliner photographischen Gesellschaft.)

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