Titel: Thoma, über das Brennen des Porzellans mit Steinkohlen.
Autor: Thoma, Alois
Fundstelle: 1867, Band 184, Nr. XC. (S. 413–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/ar184090

XC. Das Brennen des Porzellans mit Steinkohlen; von Alois Thoma, Ingenieur in Wernshausen (Thüringen).

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Der hohe Preis des Holzes und die Schwierigkeit, dasselbe in nöthiger Menge beischaffen zu können, veranlaßten viele Porzellanfabrikanten des Thüringer Waldes, ihre Brennöfen für Steinkohlenfeuerung einzurichten.

Der Umbau der meisten dieser Oefen ist von mir ausgeführt worden.

Da die Steinkohlen – ich verwendete Zwickauer Pechkohlen – auf dem Thüringer Walde theuer sind, so mußte bei der Construction der Feuerungen auf größte Sparsamkeit des Brennmaterials Bedacht genommen werden, was ich durch eine kurze Brennzeit und möglichst vollkommene Verbrennung zu erreichen suchte, und durch Anwendung von Hängerosten auch wirklich erreicht habe.

Man hat noch Vorurtheile gegen das Brennen des Porzellans mit Steinkohlen und hält es für schwierig, dabei in jeder Hinsicht befriedigende Resultate zu erlangen. Dieß ist aber durchaus nicht der Fall, wenn nur die Feuerung zweckmäßig eingerichtet ist, alle Verhältnisse des Ofens richtig sind und der Brand selbst entsprechend geführt wird.

Kommt man diesen Bedingungen nach, so erhält man bei viel kürzerer Brennzeit ein leichtes weißes Porzellan, welches sich bei glasurter Waare durch einen besonders spiegelnden Glanz, beim Bisquit durch Glätte auszeichnet und stellt sich außerdem, selbst da wo die Kohlen theuer zu stehen kommen, noch eine namhafte Ersparniß an den Kosten des Brennmaterials heraus, weil eben der Verbrauch der Steinkohlen bei den von mir für diese eingerichteten Oefen ein geringer ist.

In den beigegebenen Abbildungen stellt Fig. 22 einen Porzellanofen im Grundriß und Fig. 23 einen solchen im Durchschnitt dar.

A ist der Glattofen, der mit fünf Feuerkästen B versehen ist;

a ist die Einsetzthüre,

b die Kappe desselben.

C ist der Verglühofen;

D ist die Esse, welche auf der Kappe b' des Verglühofens ruht.

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E ist der Trockenraum, welcher großen Vortheil gewährt, wenn man viel Formen braucht, weil man diese darin trocknen kann, ohne daß durch den Dunst derselben die Arbeiter belästigt werden.

Die Feuerkästen B, in Fig. 27 in größerem Maaßstabe besonders dargestellt, haben folgende Einrichtung:

Seitwärts von senkrechten Wänden eingeschlossen, hängen die Roststäbe der Roste d auf schmiedeeisernen runden Tragstangen e, und erhalten an ihrem unteren Ende durch die Stützplatte f eine feste Auflage. Sie stehen von der Rückwand g des Feuerkastens 8'' und von dessen Sohle h 6'' ab und haben eine Neigung von 50 Grad.

Dieser Raum zwischen Rückwand und Rost, und Rost und Sohle, ist mit Sand oder Asche geschlossen, welche Ausfüllung bis i, also bis zum Roststabknie, gehen muß. Ohne diesen Verschluß würden die Roste an ihrem unteren Ende verbrennen, während sie sonst viele Jahre brauchbar bleiben.

k ist die Tragplatte über den Rostköpfen für das darüber befindliche Mauerwerk.

Die Steinkohlen werden durch den Fülltrichter l mittelst eines Fülltroges von Holz oder Eisenblech eingeworfen.

m Gewölbe über den Rosten, von recht feuerfesten Chamottesteinen ausgeführt.

n Schlundlöcher, deren Gewölbe, Seitenwände und Sohlen ebenfalls von vorzüglich feuerfestem Material gemacht werden müssen.

o Oeffnungen, um Verbrennungsluft der Flamme zuzuführen und so eine vollständige Verbrennung zu bewirken, wodurch der Rauch derartig vermindert wird, daß er der Umgebung durchaus nicht mehr lästig werden kann. In diese Oeffnungen passen keilförmige Verschlußsteine, wie ein solcher in Fig. 26 abgebildet ist, um mittelst derselben den Luftzutritt reguliren oder auch denselben gänzlich absperren zu können.

p Deckel von Eisenblech über den Fülltrichtern.

q eine aus vier Flügeln bestehende Blechthüre zum Reguliren des Zuges.

Die Einrichtung der Schlundlöcher bewirkt, daß die Flamme an der Sohle r des Glattofens A nach der Mitte hin getrieben wird, wodurch die Brände gleichmäßig in allen Theilen des Ofens ausfallen. Hierauf wirkt auch die gegenseitige Lage der äußeren Füchse s, der inneren t, und die Größe des Mittelfuchses u ein. Ebenso bewirkt deren Lage eine gleichmäßige Hitze im Verglühofen C, aus dem die Flamme entweder, wie in der Zeichnung angegeben ist, unmittelbar nach der Esse D gelangt, |415| oder auch wohl noch nach einer halbkugelförmigen Haube geht, die man dann zum Thontrocknen verwenden kann.

Die Anordnung der Füchse muß eine derartige seyn, wie sie in der Zeichnung durch die Buchstaben s und t angegeben, nicht aber wie solche in s' und t' angedeutet sind. Im letzteren Falle brennt bei u' das Geschirr nicht so gut aus, wie in den anderen Theilen des Ofens.

Die Esse ist mit einem Schieber v versehen, kann aber auch statt dessen oberhalb eine gut schließende Klappe erhalten.

w Oeffnungen, durch welche die Hitze aus der Esse in den Trockenraum E tritt, wenn der Schieber v zugeschoben wird.

x sechs Abzugsöffnungen in dem Gewölbe des Trockenraumes, für Ableitung der Dämpfe aus demselben. Man kann über den Abzugsöffnungen auch hölzerne oder blecherne Lotten anbringen, um die Dämpfe über das Fabriksdach hinaus zu führen.

y hölzerne oder auch blecherne Thür, welche den Eingang nach dem Trockenraume verschließt. Man kann wohl auch, einander gegenüberstehend, zwei Thüren anbringen, wenn das Ein- und Austragen der Formen schnell vor sich gehen soll.

Zunächst der Esse und an der Umfassungsmauer des Trockenraumes sind hölzerne und, damit sie nicht anbrennen, mit Salmiaklösung getränkte Gestelle angebracht, auf welche die kleineren Formen gelegt werden, während die großen unmittelbar auf die Sohle des Trockenraumes und übereinander aufgestellt werden.

Der Glatt- und Verglühofen müssen ein Futter von Chamottesteinen erhalten, auch daraus die unteren Schichten der Esse aufgeführt werden. Der Trockenraum und der obere Theil der Esse wird von gewöhnlichen Backsteinen, welche jedoch nicht leicht schmelzbar seyn dürfen, gemacht.

Probe- und Schaulöcher sind in der Zeichnung nicht angegeben, weil hierbei Jeder gern seiner Gewohnheit folgt, ebenso die Verankerung, und bemerke ich nur, daß ich über den Feuerkästen einen starken Reif, zwei dergleichen in der Höhe des Widerlagers der Glattofenkappe, zwei eine Kleinigkeit schwächere in der Höhe des Widerlagers für die Verglühofenkappe, und einen dergleichen in der Widerlagerhöhe des Trockenraumgewölbes anlegen würde.

Die Feuerkästen werden durch je zwei Schraubenbolzen mit dem Ofen verbunden, die oberen drei Backsteinlager aber in Cement gemauert, was besser hält als ein darum gelegtes Flacheisen.

Was die Verhältnisse der einzelnen Theile des Ofens anbelangt, so gebe ich den Rostflächen, d.h. dem Theile der Roste der nicht verlegt ist, |416| also von dem Rostknie ab bis über den Kopf des Roststabes ein Verhältniß zum Horizontalquerschnitt des Glattofens wie 1 : 3,33.

Der verticale Querschnitt der Schlundlöcher wird gleich 1/6 der Rostflächen gemacht. Die richtige Größe und Form der Schlundlöcher ist von Wichtigkeit. Man macht sie im Scheitel circa 1/2'' höher als in dem Widerlager der Ueberwölbung.

Der Querschnitt der Füchse in der Kappe des Glattofens verhält sich zu der Fläche aller Roste wie 1 : 8,8.

Von der sich so ergebenden Fläche gibt man 11/31 zum Querschnitt des runden Mittelfuchses. Den Rest vertheilt man so, daß 1/3 davon auf die inneren Füchse kommt.

Es kommt bei der Vertheilung der quadratischen Füchse auf einige Quadratzoll mehr oder weniger – aber freilich nur auf einige – nicht gerade an, weil man ihnen Dimensionen geben muß, die der Maurer mit einem guten Zollstabe noch abmessen kann, und nur der Gesammtquerschnitt der Füchse und der des Mittelfuchses müssen genau die angegebenen Dimensionen haben.

Dem Fuchs in der Kappe des Verglühofens und auch der Esse, wenn sie rund gemacht wird, gibt man einen 1/6 geringeren Querschnitt, als derjenige der Füchse in der Kappe des Glattofens ist. – Zieht man quadratische Essen vor, so erhalten diese zur Seite den Durchmesser des Fuchses der Verglühofenkappe. Es genügt zur Höhe der Esse, ihr die Entfernung von der Sohle des Glattofens bis zur Sohle des Trockenraumes zu geben.

Was die Höhe des Glattofens anbelangt, so richtet sich diese nach der Feuerbeständigkeit der Kapseln und der Länge der Flamme, welche die Kohlen geben. Man wird im Allgemeinen kleineren Oefen im Scheitel der Kappe 5 Fuß rhn., größeren 5 1/2 bis 7 1/2 Fuß Höhe geben. Der Verglühofen erhält bei mageren Kohlen eine 1 Fuß geringere Höhe, sonst aber die des Glattofens.

Die in der Zeichnung angegebene Höhe des Glattofens entspricht der Verwendung von Zwickauer Pechkohlen und gutstehender Kapseln vollkommen, für magere Kohlen müßte sie nur etwa 5 1/2 Fuß seyn.

Von den Probe- und Schaulöchern.

Man thut gut, wenigstens zwei, bei größeren Oefen aber drei Probelöcher anzubringen. Sie werden nach dem Ofen zu mit immer gleich starken Thonplatten, die am zweckmäßigsten besonders hierzu angefertigt werden, geschlossen; in dem äußeren Verschlusse wird durch Chamottesteine ein Schauglas von etwa 5/8'' Durchmesser angebracht, um |417| die innere Platte beobachten zu können, weil sie durch ihr Aussehen ein sehr sicheres Anhalten für den Zeitpunkt, wo Proben gezogen werden sollen, gibt.

Die Probescherben anlangend, ist es gut, wenn man hierzu stets solche von ein und derselben Form und immer von verglühtem Geschirr nimmt; es ist dann ein Vergleich mit dem vorangegangenen Brande möglich, was die Beurtheilung, ob abgebrannt werden soll, sehr erleichtert.

Schaulöcher bringt man bei kleineren Oefen wenigstens zwei, bei größeren wenigstens drei an, davon das eine an der Einsetzthüre von der Größe eines Guldens; die zwei anderen, in Bezug auf dasjenige in der Einsetzthüre thunlichst gleichmäßig vertheilt, können kleiner seyn.

Man muß wo möglich durch alle Schaulöcher bei einem der Stöße vorbei nach der Mitte zu sehen können. Bei dem Schauloch in der Thüre ist dieß unerläßlich, aber auch leicht zu bewirken. Beim Einlegen der Schauröhren legt man das nach Innen gekehrte Ende etwas höher, wo dann die Gläser nicht so leicht beschlagen. Ferner ist es erforderlich, daß die Gläser zum Herausnehmen eingerichtet sind. Wenn sie während des Brandes anlaufen, so kann man sie herausnehmen und reinigen. Daß man während des Reinigens die Schauröhren luftdicht zuhält, damit keine kalte Luft in den Ofen eindringen kann, versteht sich von selbst.

Das Glas vor den Schaulöchern darf nicht Zu stark seyn; dünneres Glas springt weniger leicht als starkes.

Das Besetzen des Ofens.

Vor dem Besetzen des Ofens müssen stets die Feuerkästen gereinigt werden, was am einfachsten in der Art geschieht, daß man die Roststäbe aushängt. Auch die Schlundlöcher und die Oeffnungen zur Zuführung der Verbrennungsluft müssen nachgesehen und wenn nöthig gereinigt werden, worauf man die Roste wieder einhängt und den Raum bis zur Höhe des Rostkniees, wie bereits bemerkt worden ist, mit Asche, Sand etc. ausfüllt.

Das Besetzen des Ofens für Steinkohlenfeuerung, und zwar zunächst das des Glattofens, weicht, wenn auch nur unbedeutend, so doch von dem bei Holzfeuerung ab, und ist auch in Einigem eine größere Sorgfalt zu beobachten.

Die Stöße der äußeren Ringe werden dichter und 1 1/4 bis 1 1/3 Zoll rhein. oder etwa anderthalb Finger von einander, dabei der erste Ring bis 3 Finger oder 2 bis 2 1/2'' rhein. von der Wandung ab gesetzt; die Stöße nach der Mitte zu aber 2 1/2 Finger oder 1 3/4 bis 2'' rhein. von einander ad, und hat man darauf zu sehen, daß man – wenn es irgend angeht – unter den Mittelfuchs u keinen sogen. König bringt, |418| sondern die Mitte kleeblattartig, mit drei oder vier Stößen besetzt.

Dadurch wird der Zug regelmäßiger und die Mitte brennt vollständig aus.

Von der Kappe bleibt man mit den oberen Kapseln 1 1/2 bis 2'' rh. oder 2 bis 3 Finger ab.

In den Stößen vor den Schlundlöchern n müssen die drei unteren Kapseln gut und um die Hälfte stärker als die anderen seyn. Man setzt diese Stöße so ein, daß rechts und links vor der Mitte des Schlundloches gut drei Finger oder 2 1/4 bis 2 1/2 Zoll rhein. weit von einander ab zwei zu stehen kommen und füllt dann den Ring in oben angegebener Weise aus. Daß man die Größe der Kapseln so weit als nur möglich derartig zu wählen hat, um nach der Angabe den Ofen besetzen zu können, versteht sich von selbst.

In den zweiten Ring kommen der Mitte der Schlundlöcher gegenüber Stöße mit ebenfalls unten drei starken und besonders guten Kapseln, weil diese Kapseln des zweiten Ringes am allermeisten zu leiden haben.

Von dem richtigen Besetzen des Ofens vor den Schlundlöchern hängt ein regelmäßiger Brand wesentlich ab, weßhalb man auf dasselbe zu achten hat.

Die stärkeren Kapseln können mit Sand gefüllt werden, so viele als man davon zu brennen hat, auch füllt man in die Stöße zunächst den Schlundlöchern wo möglich Bisquitsachen.

Die Kapseln müssen gut aufeinander passen, Risse und Löcher werden mit Kapselmasse verstrichen und beim Einsetzen immer mit der schadhaften oder nicht gut schließenden Seite nach der Mitte hin gestellt. Unterläßt man dieses, so bekommt das Porzellan in den fehlerhaften Kapseln leicht einen Aschenanflug und beschlägt.

Alle Bodenkapseln, sowie auch die obersten werden gefüllt. Es kann vorkommen, daß einige der ersteren nicht ausbrennen; diese müssen bei einem nächsten Brande nahe den Schlundlöchern wieder eingesetzt werden. Man ist dann aber immer noch im Vortheil gegen das Einsetzen leerer Kapseln, weil der größte Theil derselben doch stets ausbrennt.

Die Einsetzthür wird wenigstens zehn Zoll stark versetzt und sehr sorgfältig mit nassem Sande verstrichen. Ich habe gesehen, daß man auch mit ziemlich fettem Lehm verstreicht. Dieser bekommt immerfort Risse, die wieder verstrichen werden müssen. Die Feuchtigkeit dieses frischen Auftrages theilt sich aber dem älteren Verstriche mit, kühlt den |419| Ofen vor der Einsetzthür, ohnehin dem kältesten Theile, noch mehr ab, dringt auch wohl in den Ofen und muß um so mehr die Weiße des Porzellans zunächst der Einsetzthür beeinträchtigen, je weiter der Brand vorgerückt ist.

Der Verglühofen wird ebenso wie beim Holzbrande besetzt; in dem Falle aber, wenn das Geschirr ohne Kapseln unmittelbar auf die Sohle gestellt wird, bringt man über den Füchsen von Chamottesteinen oder kleineren Kapselringen etwa 2–2 1/2 Fuß hohe Essen an, um die Hitze von der Sohle mehr ab und nach der Kappe b' hin zu leiten.

Im dem Thürversatze bringt man eine mit einem Thonpfropfen verschließbare Schauöffnung an, die beim Steinkohlenbrande in meinen Oefen einen Zweck hat, weil man, wie man später sehen wird, wenn nöthig, die Hitze des Verglühofens steigern kann.

Das erforderliche Gezähe.

An Gezähestücken sind beim Steinkohlenbrennen nothwendig:

  • 1) ein Räumeisen, Fig. 24;
  • 2) eine Kratze, Fig. 25;
  • 3) ein schwaches langes Brecheisen, unten meißelförmig verstählt, zum Abstoßen etwaiger Schlackenansätze;
  • 4) ein kleinerer Fülltrog von Holz oder Blech, zum Einfüllen der Kohlen;
  • 5) ein Hammer zum Zerschlagen größerer Kohlenstücke;
  • 6) eine gewöhnliche eiserne Kohlenschaufel.

Das Brennen.

Soll mit dem Brande begonnen werden, so bringt man zunächst auf den tiefsten Theil der Roste Strohwische, Hobelspäne oder leicht entzündbares Reisig – was man eben hat – und darauf sich kreuzendes kleingespaltenes, 12–15'' langes Holz, 15 Stück etwa.

Thunlichst gleichzeitig oder schnell hintereinander wird das Holz auf allen Rosten von unten angezündet, und wenn solches vollständig brennt, auf jeden ein Fülltrog voll Kohlen aufgegeben. – Die zu verwendenden Kohlen dürfen nicht naß seyn, doch können sie beim Eintragen in's Brennhaus so viel mit einer Gießkanne angefeuchtet werden, daß sie nicht stauben. Von nassen Kohlen verbrennt man mehr, weil das darin enthaltene Wasser verdampft werden muß, und der Brand dauert länger; auch wird das Geschirr nie so ganz rein weiß. – Die Zuführungslöcher für die Verbrennungsluft o, sowie die oberen Flügel der Regulirungsthüren q sind geschlossen.

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Erlischt beim ersten Aufgeben der Kohlen ein Feuerkasten, so hat dieß durchaus nichts zu sagen; man sucht das Feuer wieder in Brand zu bringen, und wenn auch der Feuerkasten um eine Viertelstunde, ja selbst eine kleine halbe Stunde gegen die anderen zurückbleiben sollte, so hat dieß keinen nachtheiligen Einfluß auf den Brand, der nur in seinem späteren Verlaufe einer größeren Aufmerksamkeit bedarf. – Man hat auch nicht nöthig, beim Nachfüllen in der ersten Stunde eine bestimmte Reihenfolge zu beobachten. Man füllt nach, wo es nöthig ist, und zwar einen ganzen oder halben Fülltrog, ganz nach Bedarf. Wesentlich ist es aber, daß nicht eher nachgefüllt wird, als bis die vorher aufgegebenen Kohlen gut durchgebrannt sind, wie es überhaupt Regel ist, daß frische Kohlen immer ein vorbereitetes Bett von durchgebrannten als Unterlage finden.

Nach drei Viertel bis einer Stunde müssen alle Feuer in einem gleichen Brande seyn, und nun müssen in einer richtigen Reihenfolge Kohlen aufgegeben werden. Man beginnt mit der ersten Nummer der Feuerkästen – gut ist es, wenn die Nummern angeschrieben sind – und rückt in Intervallen von 10–15 Minuten fort. Um Irrthümer zu vermeiden, läßt man das Räumeisen die Runde mitmachen, und setzt es stets vor den Feuerkasten, in welchem zunächst aufgegeben werden soll.

Beim Aufgeben werden die Kohlen langsam nachgeschüttet, wenn sie mehr auf dem oberen Theile des Rostes liegen bleiben, man schüttet sie plötzlich aus, wenn sie nach hinten rollen sollen.

Anfangs muß die Hitze im Ofen sehr langsam vorrücken und darf man den ersten Lichtschein in kleineren Oefen nicht vor 2–2 1/2 Stunden, in größeren nicht vor 2 1/2–3 Stunden durch das Schauloch in der Einsetzthür wahrnehmen. Dabei sucht man den Rost mit Kohlen zu bedecken, was auch in 1 1/2–2 1/2 Stunden, vom ersten Aufgeben der Kohlen an gerechnet, der Fall seyn wird. – Es kann vorkommen, daß sich schneller als angegeben wurde ein Lichtschein im Ofen zeigt, und dabei der Rost noch nicht bis oben mit Kohlen bedeckt ist. Dieß muß man zu vermeiden suchen; der Ofen geht dann zu schnell und muß der Zug durch theilweises oder gänzliches Schließen der unteren Flügel der Regulirungsthüren gehemmt werden. Das Porzellan wird auch in diesem Falle gut, die Kapseln werden aber mehr angegriffen und erhält man viel Bruch bei denselben.

Sehr gut zum Reguliren des Zuges ist eine Essenklappe mit Zug, wie sie für Puddel- und Schweißöfen bei der Eisenfabrication üblich ist. Sie läßt ein sehr genaues Reguliren des Zuges zu, und man erhält dann sehr gelungene Brände.

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Stehen die Kohlen bis in den Fülltrichter an – bis z in Fig. 27 – so werden von der Sohle des Feuerkastens alle kleinen Kohlen, welche während der Zeit, wo der Rost noch nicht mit Kohlen bedeckt war, durch den oberen Theil desselben gefallen sind, mit der Schaufel aufgerafft und auf die auf dem Roste liegenden glühenden Kohlen geworfen, damit sie nicht unbenutzt in die Asche kommen.

Bemerkt man durch die Schaulöcher oder durch ein schnelleres Verbrennen in einem oder dem anderen Feuerkasten, daß auf einer Seite des Ofens die Hitze mehr zunimmt als auf der anderen, woran meistens ein ungleiches Einsetzen vor den Schlundlöchern schuld ist, so muß man dort, wo der Ofen heißer geht, die Regulirungsthüren schließen und so lange geschlossen erhalten, bis die Hitze auf allen Seiten des Ofens eine gleiche ist; denn so wenig ein nicht ganz gleichförmiger Brand in der ersten Stunde des Brennens zu sagen hat, so ungünstig wirkt er im weiteren Verlaufe desselben ein, und ist meistens die Veranlassung mißlungener Brände.

Jetzt werden die Luftzuführungscanäle o bis zur Hälfte etwa geöffnet.

Beim nächsten Nachfüllen gibt man, wenn es nöthig ist, auch zwei Fülltröge auf, um den Fülltrichter schnell bis oben hin voll Kohlen zu bekommen. Vor jedem Aufgeben werden die Kohlen in der Weise mit dem Räumeisen nachgestoßen, daß auf einmal nicht zu viel von den angewärmten Kohlen auf die bereits brennenden und die glühenden Kohks herabrollen, wobei sie sofort in Brand gerathen und gleichsam aussehen, als würde aus ihnen die Flamme, wie aus einem Schwamme das Wasser, ausgepreßt. Man muß, wie bereits bemerkt wurde, in richtigen Zeitabschnitten, d.h. zu Anfang in etwa 10–15 Minuten, einen Feuerkasten nach dem anderen nachstoßen.

Durch ein solches Schüren vermeidet man das Rauchen und steigert in kurzer Zeit gleichmäßig die Hitze des Ofens. Dabei muß der Ofen mit einer lichten Flamme gefüllt seyn. Nur durch genaues Befolgen dieser Grundbedingungen erhält man weißes, tadelloses Geschirr.

So lange man eine klare, wellenförmig nach aufwärts steigende Flamme im Ofen noch durch das Schauloch bemerken kann, ist der Ofen als damit gefüllt zu betrachten. Schwindet diese und sind die Stöße beinahe in der Weise sichtbar, als wenn sie kalt daständen, nimmt man überhaupt nur Hitze und keine Flamme im Ofen wahr, so müssen in kurzen Zeitabschnitten Kohlen nachgestoßen, und darauf aufgegeben |422| werden; denn ist für längere Zeit der Ofen nicht mit Flamme gefüllt, so wird, wie bereits angegeben worden ist, das Geschirr gelb. Der in jedem Porzellan vorkommende Eisengehalt ist dann darin als Oxyd enthalten und veranlaßt die gelbe Färbung.

Nur hüte man sich, was sehr zu beachten ist, zu viel Kohlen auf einmal und nach den Roststäben zu nachzustoßen. In diesem Falle wird die Flamme trübe und ist von schwarzen Streifen durchzogen, wobei schwarzer Rauch aus der Esse wirbelt. Das Eine und das Andere darf nicht vorkommen. Der Rauch muß immer dünn, durchsichtig und nur grau seyn, weil beim Gegentheil eine unnöthige Kohlenverschwendung stattfindet, die Dauer des Brandes durch Abkühlung verlängert wird und das Geschirr nie so schön ausfällt als beim richtigen Schüren. Es kann deßhalb, namentlich aber bei großen Oefen, die nur fünf und dann größere Feuerungen haben, vorkommen, daß man zweimal nacheinander nachstoßen muß, ehe wieder aufgegeben wird, um nicht unvorgewärmte Kohlen auf den Rost zu bringen.

Wichtig ist auch die zur rechten Zeit stattfindende Reinigung der Roste. Man hat bei den Feuerungen dieselben bei höher liegender Ofensohle vor Augen, oder bei tiefer liegenden Feuerkästen, wo die Ofensohle und die Brennhaussohle wie in der Zeichnung in gleicher Höhe liegen, doch den vollen Feuerschein auf der Sohle des Feuerkastens. – So wie dieser Schein auch nur wenig nachläßt, werden die oberen Flügel der Regulirungsthüren aufgemacht, wo man alsdann den ganzen Rost frei vor sich liegen hat.

Man lüftet mit dem Räumeisen, damit die angesammelte Asche durchfallen kann, und stößt etwaige Schlackenansätze mit dem Räumeisen oder der meißelförmig zugeschärften Eisenstange von den Rosten ab und sucht sie nach unten hin zu bringen. Man kann auch in der Höhe von a' eine Auflegestange anbringen, die man in zwei Achsen einhängt, um das Räumeisen etc. darauf zu stützen. Mit letzterem darf man nur 1 1/2 bis höchstens 2'' durch die Rostspalten in die Kohlen kommen, weil sonst das Bett von glühenden Kohks und brennenden Kohlen, welches den frisch aufgegebenen zur Unterlage dienen soll, zerstört werden möchte. Bei reinen Kohlen und richtigem Schüren kann es übrigens vorkommen, daß während eines Brandes nur einmal, ja als Ausnahme wohl auch gar nicht, die Roste gereinigt werden müssen. Es ist das eine gute Eigenschaft der Hängeroste, daß auf ihnen keine starke Verschlackung erfolgt. Haben sich aber Schlacken angesetzt, was man ja sogleich bemerken kann und muß, so müssen sie, ehe sie den Rost ganz versetzen und den Luftzutritt hindern, sofort abgestoßen und nach dem |423| Tiefsten des Ofens gebracht werden, wo sie auf eine Weise, wie sie nun beschrieben werden soll, fortgeschafft werden.

Im Verlauf des Brandes wird, je nachdem die Kohlen mehr oder weniger aschenreich sind, 1 bis 4mal die Asche, welche sich nach dem unteren Theile des Rostes gesenkt hat, fortgeschafft, damit brennende Kohlen an diese Stelle nachrücken können. Dieses Fortschaffen bewerkstelligt man mit der Kratze und zum Theil dem Räumeisen. Man zieht unterhalb der Roste so lange die Asche vor, bis hellorange glühende Kohks nachrücken, wobei man auch darauf zu sehen hat, daß vom Roste abgestoßene Schlacken mit vorgezogen werden. – Sind Asche und Schlacken fortgeschafft, so verlegt man den Raum zwischen dem unteren Theile der Roststäbe und der Sohle des Feuerkastens wieder mit Asche, schließt die oberen Flügel der Regulirungsthüren, die man geöffnet hatte, stößt dann unverzüglich Kohlen nach und füllt den Aufgebetrichter wieder. Es ist hierbei ganz gleichgültig, ob ein, zwei oder drei Fülltröge aufgegeben werden; der Fülltrichter muß wieder angefüllt werden.

Man besorgt das Ausräumen der Asche in den einzelnen Feuerkästen in Zwischenräumen und in der Reihenfolge derselben, um das Rauchen und die damit verbundene Abkühlung des Ofens zu vermeiden.

Wenn die scharfen Kanten der Kapseln anfangen weißglühend zu werden und bald darauf spiegeln, beginnt man mit dem Scharffeuer.

Die Schürer, welche beim Beginn des Brennens und während des Vorfeuers wenig zu arbeiten hatten, müssen nun ihre volle Aufmerksamkeit und Thätigkeit der Entwickelung eines lebendigen Feuers zuwenden. Nochmals mache ich hier der Wichtigkeit wegen darauf aufmerksam, daß man das rasche Zunehmen des Feuers nur durch in richtigen Zeiträumen und schnell auf einander folgendes Nachstoßen und Aufgeben der Kohlen, nicht aber durch Ueberhäufen des Rostes damit, bewirken kann. Bei einem richtigen Schüren ist auch die Arbeit bei weitem leichter und keineswegs ermüdend; die Brände dauern ja überhaupt nur kurze Zeit.

Die Oeffnungen für Zuführung der Verbrennungsluft werden nun ganz aufgemacht.

In der Periode des Scharfbrennens muß aus dem schon früher angeführten Grunde ganz besonders auf richtige Flammenfüllung des Ofens gesehen werden. Die erwähnten, durch das Gegentheil herbeigeführten Nachtheile treten sonst ganz bestimmt ein und schadet auch in dieser Periode eine trübe, mit schwarzen Rauchstreifen durchzogene Flamme ganz gewiß.

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Fängt die Flamme zu spiegeln an, d.h. durchziehen sie breite, blendend weiße Streifen, so muß das Feuer noch dadurch verstärkt werden, daß man auf einmal noch weniger Kohlen nachstößt, dabei aber fast ununterbrochen von einem Feuerkasten zum anderen in richtiger Reihenfolge geht.

Die Roste müssen rein erhalten werden.

Außerdem hüte man sich auch jetzt, die Roste mit Kohlen zu überladen; diese dürfen auf den Rosten nur so hoch aufliegen, daß sie oberhalb eine 6 Zoll, im unteren Theile derselben eine 10 Zoll bis höchstens einen Fuß starke Schicht bilden, weil ein mit Kohlen überladener Rost das Abbrennen erschwert.

Nehmen die Kapseln die blendende Weißhitze der Flamme an, wobei man keinen Stoß im Ofen unterscheiden kann, so schreitet man zum Probeziehen, und holt man dort die erste, wo der Ofen eine geringere Hitze in irgend einer Zeit während des Verlaufes des Brandes gehabt zu haben schien oder wirklich gehabt hat.

Bei Oefen, die im Vergleich zu ihrem Durchmesser eine geringere Höhe haben, also denen, welche nur aus einem Glatt- und Verglühofen bestehen, wird gegen Ende des Brandes stets, bei den anderen meistens über der Esse ein Fuchs erscheinen. Seine hellleuchtende Flamme deutet immer das nahe Ende des Brandes an.

Das Probeziehen muß schnell geschehen und die Probeöffnung wieder gut verschlossen werden, damit keine Luft das Geschirr trifft, welches dadurch leidet.

Erscheint die Probe im Scherben durchscheinend, ist er gaar, ist die Glasur vollkommen geflossen, so schreitet man zum Abbrennen, wo nicht, so wird noch nachgeschürt und dann eine zweite Probe genommen.

Wo man einmal Probe geholt hat, nimmt man sie zum zweiten Male nicht gern wieder, weil durch die unvermeidliche Abkühlung beim Herausholen die nächsten Proben zurückbleiben und nicht die wahre Beschaffenheit des Brandes selbst zeigen. Auch hat man zu bedenken, daß Steinkohlenöfen wenigstens noch eine Viertelstunde nachbrennen, was indessen nicht leicht ein Ueberbrennen und Eingehen der Stöße herbeiführen kann, weil die Hitze bei Steinkohlenfeuerung, wenn auch intensiver als die bei Holzfeuerung, doch weniger zerstörend auf die Kapseln einwirkt und nicht so leicht einschaliges und dickes Geschirr und Glasurrisse veranlaßt. Wenn leichtflüssiges Porzellan in kleineren Oefen gebrannt wird, so dürfen die Proben nicht ganz vollkommen gaar seyn, wenn abgebrannt wird, weil bei diesen das Nachbrennen mehr einwirkt als bei großen Oefen und hartem Porzellan.

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Wenn die Probekapsel so steht, daß sich an einer der Kanten die Flamme stößt und in die Kapsel eindringt, und wenn der Probescherben darin frei steht, so werden in diesem Falle die Proben stets schwärzlich oder bräunlich gelb erscheinen. Das hat durchaus nichts zu sagen und lasse man sich dadurch nicht zu der Ansicht bringen, als wäre der Brand kein gelungener. Ist bei der Probe der Scherben nur gut durchscheinend und die Glasur sonst schön geflossen, so wird auch der Brand ein in jeder Beziehung befriedigender seyn.

Das Abbrennen.

Es ist gut, wenn beim Abbrennen die Feuerungen gleichmäßig mit Kohlen gefüllt sind, um ein thunlichst gleichzeitiges Schließen der verschiedenen Oeffnungen und Regulirungsthüren möglich zu machen.

Zunächst wird die Kohle in der Weise nachgerückt, daß sie etwa 5–6 Zoll über der Trageplatte k steht und dabei 1/3 bis die Hälfte der schiefen Ebene des Fülltrichters bedeckt, und etwa 2–2 1/2 Zoll hoch auf derselben liegt. Auch wird sie ganz gleichmäßig auf dem Roste vertheilt.

Man schließt die Zuführungsöffnungen für die Verbrennungsluft, und verstreicht die Schlußsteine gut. Nun läßt man die Kohlen ruhig fortbrennen, hilft allenfalls mit dem Räumeisen nach, wo dieß unregelmäßig geschieht, wobei man sich aber hütet, die Oeffnung zwischen der Trageplatte und den Köpfen der Roststäbe von Kohlen zu entblößen – bis sie vollständig abgebrannt sind und die kurze Flamme derselben im unteren Theile des Fülltrichters nicht den geringsten Rauch mehr sehen läßt. Wo in einem Fülltrichter dieß der Fall ist, nimmt man den Blechdeckel von demselben, bedeckt die Oeffnung mit Thonplatten oder Backsteinen und verstreicht alle Fugen sehr sorgfältig.

So läßt man die Kohlen zu Kohks, welche durchaus nicht mehr dampfen, abbrennen. Man beobachtet hierbei sehr genau den Schein, welchen die Roste auf die Sohle der Feuerkästen werfen. So lange ein noch so wenig gelbliches Licht darin wahrzunehmen ist, bleiben die unteren Thüren offen, so wie aber die Sohle der Feuerkästen eine graue Färbung angenommen hat und todt aussieht, werden auch die unteren Thüren geschlossen, aber ja nicht früher. Dieses Schließen geschieht ohne alle Reihenfolge, ganz nach Erforderniß.

Sind die Thüren bei allen Feuerungen geschlossen, so ist auch das Abbrennen als beendet zu betrachten. Man überläßt ganz ruhig den Ofen dem Abkühlen, wobei die mit gefritteter Asche und Kohksstückchen überdeckten Roste das Einziehen kalter Luft verhindern und wesentlich |426| zur besseren Erhaltung der Kapseln beitragen, wie überhaupt diese bei einer richtig construirten Steinkohlenfeuerung und entsprechendem Brennen länger als bei Holzfeuerung brauchbar bleiben und nicht so stark verglasen, also zur Chamotte besser zu verwenden sind.

Die Essenklappe oder der Schieber wird bei Oefen ohne Trockenraum geschlossen, sobald die stärkste Hitze nachläßt.

Bei den mit einem Trockenraume versehenen Oefen werden während des Brandes die Gestelle mit kleineren Formen besetzt. Nach dem Abbrennen zieht man die Schlußsteine bei u, und besetzt hierauf den noch leeren Raum mit größeren Formen, öffnet die Abzuglöcher x, schließt die Thüre oder Thüren und hierauf nach und nach den Schieber. Würde man diesen plötzlich ganz schließen, so würde die Hitze im Trockenraume eine zu große werden, die hölzernen Gestelle verbrennen und die Formen verderben.

Der Verglühbrand.

Bei den von mir construirten Oefen gibt der wie gewöhnlich besetzte Verglühofen auch stets ein gutes Verglühgeschirr, wenn der Glattofen abgebrannt hat.

Bemerkt man indessen, daß der Verglühofen beim Beginn des Scharffeuers noch zurückgeblieben ist, so braucht man nur die Zuführungsöffnungen für die Verbrennungsluft theilweise oder nach Umständen ganz zu schließen. Hierdurch wird die Flamme länger und die Hitze im Verglühofen stärker. Es wird aber nicht selten Veranlassung vorhanden seyn, in der oben angeführten Weise die Hitze des Verglühofens verstärken zu müssen, weil die Verhältnisse der einzelnen Theile der Oefen, wie ich sie früher angegeben habe, derartig erprobt sind, daß in einem darnach eingerichteten Ofen der Verglühbrand mit dem Glattbrande ohne weiteres Zuthun gleichzeitig gut wird. Ist dieß indessen bei Oefen, wo nur die Feuerungen für Steinkohlenbrand umgeändert worden sind, nicht der Fall, und bleibt der Verglühbrand zurück, so müssen die quadratischen Füchse in der Sohle des Verglühofens oder der Kappe des Glattofens sehr wenig vergrößert werden, dagegen der Fuchs in der Kappe des Verglühofens einen um etwa 1/2–1 Zoll geringeren Durchmesser erhalten. Man streicht ihn mit magerer, recht feuerfester Kapselmasse so viel in seiner ganzen Höhe aus. – Im entgegengesetzten Falle, oder wenn der Glattofen unten mehr Hitze als oben hat, wird der Durchschnitt der Füchse des Glattofens etwas kleiner gemacht – durch Ausschmieren – und der Durchmesser des Fuchses in der Kappe des Verglühofens |427| wird etwas vergrößert, wenn eine quadratische Esse dieß gestattet.

Die Zeitdauer der Brände und den Steinkohlenverbrauch anlangend, so haben sich bei Oefen von den verschiedenen Dimensionen die nachstehenden Resultate ergeben:

In einem Ofen, dessen Glattofen 5' 8'' rhn. Durchmesser und 5' Höhe im Scheitel hatte, dauerten die Brände 8 3/4 Stunden und war der Steinkohlenverbrauch 14 Ctr.; zu den Holzbränden brauchte man bis 18 Stunden Zeit und 5 1/2–6 Klafter à 108 Kubikfuß rhn. halb Scheit- und halb Stockholz, ersteres fein gespalten und getrocknet.

Bei einem Ofen von 10' Weite dauerten die Brände bis 10 Stunden und war der Steinkohlenbedarf bis 38 1/2 Ctr. Der Holzverbrauch war sonst 5 Klafter Stock- und 5 Klafter kleingespaltenes und getrocknetes Scheitholz.

Bei 11füßigen Oefen ist die Brennzeit bis 11 Stunden, der Kohlenverbrauch 45 Ctr., und bei Oefen von 12' Durchmesser erstere 15 1/2 Stunden, letzterer 46 Ctr. – In letzteren Oefen waren die Holzbrände sehr ungleich, dauerten 30 Stunden und mehr, und war der Holzverbrauch ein sehr großer. Einer dieser Oefen ist auch wegen schlechter Brände längere Zeit nicht benutzt und ein zweiter, jetzt ebenfalls für Steinkohlenbrand eingerichteter, ist gar nicht ausgebaut worden.

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