Titel: Poitevin's Darstellung farbiger Lichtbilder auf Papier.
Autor: Poitevin,
Fundstelle: 1867, Band 184, Nr. CXV. (S. 501–503)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/ar184115

CXV. Poitevin's Verfahren, um mittelst der Photographie die natürlichen Farben auf Papier zu erhalten.

Poitevin verlas vor der französischen photographischen Gesellschaft folgende Notiz über die Art, wie er die violette Chlorsilberschicht präparirt, auf der er seine farbigen Photographien erhält.94)

„Wenn ich nicht gleich Anfangs diese Bereitungsart angegeben habe, so geschah dieß aus dem Grunde, weil nur eine einzige Methode mir gelang, und weil ich nach anderen, vielleicht besseren suchte. Nach einer großen Menge von Versuchen sehe ich mich veranlaßt zu glauben, daß |502| meine erste Präparirung noch immer den Vorzug verdient, und daß sie die natürlichen Farben am besten wiedergibt. Folgendes ist nun diese Darstellungsmethode; sie datirt vom 10. August 1865. Ich bilde auf der Oberfläche des nicht albuminirten photographischen Papiers eine gewöhnliche Chlorsilberschicht, indem ich jedes einzelne Blatt nur mit einer Seite auf ein Chlornatriumbad lege, das auf 100 Wasser 10 Theile Salz enthält; nach dem Trocknen lege ich es auf ein 8procentiges Bad von salpetersaurem Silber; zu demselben Ziele gelange ich, wenn ich mittelst eines großen Pinsels die eine Seite des Papiers mit einer Schicht von einer Mischung überziehe, die aus gleichen Theilen von gesättigter Lösung von chromsaurem Kali und 10procentiger Kupfervitriollösung besteht; ich lasse das Blatt in der Dunkelheit trocknen und bringe es dann mit der präparirten Oberfläche auf das Silberbad. Es bildet sich nun chromsaures Silber; ich wasche mit vielem Wasser, um den Auszug von salpetersaurem Salz zu entfernen und bringe zu dem letzten Waschwasser tropfenweise gewöhnliche Chlorwasserstoffsäure, bis das rothe chromsaure Salz sich in weißes Chlorsilber verwandelt hat.

Diese beiden Methoden, die Chlorsilberschicht zu präpariren, sind gleich gut. Um nun das violette Subchlorid zu erhalten, gieße ich in das Gefäß, welches das in Wasser getauchte Papierblatt enthält, eine kleine Menge von 5procentiger Zinnchlorürlösung; man gebraucht etwa 20 Kubikcentimeter auf ein ganzes Blatt. Nun setze ich das Blatt, ohne es aus dem Bade zu nehmen, der Einwirkung des Lichtes aus, und zwar lieber im Schatten als in der Sonne; seine Oberfläche färbt sich schnell, und nach fünf bis sechs Minuten hat es die gewünschte dunkelviolette Färbung erlangt. Es ist nicht rathsam, das Licht noch länger einwirken zu lassen, denn man würde alsdann einen gräulich schwarzen Ton erhalten, der sich zur Heliochromie nicht eignet. Nach der Einwirkung des Lichtes wasche ich das Blatt mit mehrmals erneutem Wasser und lasse es dann im Dunkeln trocknen. In diesem Zustande ist es für die Einwirkung des Lichtes sehr wenig empfindlich und kann sehr lange aufbewahrt werden. Dieß gestattet, eine gewisse Anzahl im Voraus zu machen, vorausgesetzt, daß man sie im Dunkeln verwahrt.

Als ich mein heliochromisches Verfahren beschrieb, gab ich an, wie ich die violette Subchloridschicht geeignet machte, den Eindruck der natürlichen Farben aufzunehmen; ich werde daher nicht noch einmal darauf zurückkommen. Ich brauche nur zu sagen, daß die zahlreichen Erfahrungen, welche ich seitdem gemacht habe, mir gezeigt haben, daß die haltbarsten gefärbten Bilder (ich habe solche, die seit länger als einem Jahre liegen), diejenigen sind, für welche ich nur die Mischung aus doppelt-chromsaurem |503| Kali und Kupfervitriol als Sensibilisator in Anwendung gebracht habe. Das Chlorkalium oder jedes andere Chlorsalz erlaubt schnelleres Arbeiten, aber es hat das Unangenehme, daß es in den weißen Stellen wieder gewöhnliches Chlorsilber entstehen läßt, das sich während der Operation mehr oder weniger färbt und nachher nicht wieder entfernt werden kann. Ferner erkannte ich als bestes Fixirmittel leicht mit Schwefelsäure angesäuertes Wasser oder auch eine sehr verdünnte Lösung von Quecksilberchlorid, die gleichfalls mit Schwefelsäure angesäuert ist. Das Sauerwasser löst gewisse Silberverbindungen, die sich an den besonnten Stellen gebildet haben, auf, und nach dem Waschen und Trocknen im Dunkeln ist das gefärbte Bild kaum noch empfindlich für das Licht; man kann es, ohne daß es sich verändert, in einem Carton oder Album aufbewahren und es selbst bei zerstreutem, oder besonders bei künstlichem Lichte ohne Gefahr betrachten.“ (Bulletin de la Société française de Photographie; Berliner photographische Mittheilungen, April 1867, S. 11.)

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Man s. Poitevin's frühere Mittheilung im polytechn. Journal Bd. CLXXIX S. 455.

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