Titel: Ueber die Krystallisation des Glycerins; von William Crookes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 10 (S. 165–166)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi02_10
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Ueber die Krystallisation des Glycerins; von William Crookes.

Von einem Londoner Hause wurde eine größere Quantität Glycerin in Fässern, die je 8 Centner enthielten, aus Deutschland bezogen. Als dasselbe in London ankam, war es in eine feste Krystallmasse verwandelt, die so hart war, daß zum Zerbrechen Hammer und Meißel erforderlich waren.25) Ein großer Block dieses festen Glycerins von mehreren Centnern Gewicht brauchte in einem ziemlich warmen Raume mehrere Tage, bevor er vollständig schmolz, und ein in die Masse eingetauchtes Thermometer zeigte constant die Temperatur von 7,2° Cels. In kleineren Quantitäten schmelzen die Krystalle rasch, wenn das Gefäß, in welchem sie enthalten sind, in warmes Wasser gesetzt wird. Das ursprüngliche Glycerin war hellbraun, die Krystalle dagegen waren fast weiß und die von ihnen abgegossene Flüssigkeit dunkelbraun. In größeren Quantitäten sieht das feste Glycerin wie eine Masse von Candiszucker aus. Die einzelnen Krystalle, wie es scheint Oktaeder, sind zuweilen so groß wie eine kleine Erbse, sie sind glänzend, stark lichtbrechend, sehr hart und knirschen zwischen den Zähnen. Von der Mutterlauge so viel wie möglich getrennt und dann geschmolzen, bilden die Krystalle eine klare und nahezu farblose Flüssigkeit, etwas dickflüssiger als gewöhnlich, welche alle physikalischen und chemischen Eigenschaften des reinen Glycerins besitzt. Sie war mit Wasser und Alkohol vollständig mischbar, enthielt weder Rohr- noch Traubenzucker (gewöhnliche Verfälschungen), kein Blei und nur Spuren von Chlor. Der Verfasser glaubt, daß sie chemisch reines, wasserfreies Glycerin war. Die geschmolzene Masse erstarrte bei – 18° C. nicht wieder. – Der Verfasser glaubt, daß die beständigen Vibrationen auf der Eisenbahnfahrt durch Deutschland in Verbindung mit der starken Kälte die Veranlassung zum Krystallisiren des Glycerins gewesen seyen, und verspricht Versuche anzustellen, bei welchen die Verhältnisse nachgeahmt werden. (Aus der Chemical News, durch die Zeitschrift für Chemie, 1867 S. 70.)

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Hr. Fabrikant Sarg in Wien hat nach einer brieflichen Mittheilung an Prof. Wöhler vom 26. Januar 1867 ebenfalls die Beobachtung gemacht, daß das Glycerin unter gewissen Umständen schon bei wenigen Graden unter Null erstarrt. Die Krystalle schmolzen bei + 20° C. sehr rasch zu einer vollständig klaren Flüssigkeit von 30° Baumé. Da dieses Glycerin, welches noch nicht chemisch rein war, länger als ein Jahr in einem eisernen Reservoir aufbewahrt worden war, glaubt Hr. Sarg, daß ein Gehalt an Eisen dem Glycerin die Fähigkeit ertheile, bei niedriger Temperatur zu erstarren.

Dr. Fittig.

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