Titel: Ergebniß der auf der preußischen Ostbahn mit den selbstthätigen Schmierapparaten von Keßler gemachten Versuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 2 (S. 161–162)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi02_2

Ergebniß der auf der preußischen Ostbahn mit den selbstthätigen Schmierapparaten von Keßler gemachten Versuche.

Hinsichtlich der mit den Keßler'schen Schmierapparaten für Kolben und Schieber (beschrieben im polytechn. Journal Bd. CLXXXIII S. 340) erzielten Resultate lasse ich nachstehend eine Zusammenstellung der von den mit diesen Apparaten versehenen Locomotiven verbrauchten Oelquanta, sowie derselben Angaben für eine Locomotive ohne jene Schmiervorrichtungen folgen.

1) Die mit den Keßler'schen Apparaten versehene Locomotive verbrauchte pro zurückgelegte Locomotivmeile:

im Monat Juli 1866 1,587 Loth Oel,
August 0,970
September 0,635
October 0,585
November 0,483
December 0,469
Januar 1867 0,468

2) Die Concurrenz-Maschine ohne diese Apparate verbrauchte pro zurückgelegte Locomotivmeile:

im Monat Juli 1866 2,119 Loth Oel,
August 2,483
September 2,456
October 2,180
November 2,342
December 2,179
Januar 1867 2,647

Der größere Oelverbrauch der Maschine ad 1 in den Monaten Juli und August v. J. gegen die nachfolgenden Monate findet seine Begründung in einigen, jetzt vermiedenen Mängeln der zuerst beschafften Patent-Schmierapparate, und andererseits auch darin, daß die Führer nur nach längerem Gebrauch der Apparate die Stärke der einzulegenden Dochte bestimmen konnten. Die erwähnten Mängel bestanden in einer zu schwachen Spiralfeder, wodurch die Ventile nicht dicht geschlossen wurden, und in der Anwendung baumwollener Dochte, deren Fäden in den Ventilsitz bei der Dampfabsperrung hineingezogen wurden und ebenfalls das Ventil undicht machten.

Der Zustand der Schieberflächen sowie der Kolbenringe ist bei Maschinen mit diesen Apparaten ein ungleich besserer wie bei anderen Maschinen, wodurch Reparaturen und Nacharbeiten dieser Theile viel seltener werden wie bisher. Um für die Abnutzungen der Kolbenringe und Schieber einen Vergleich zu erhalten, wurden bei beiden Maschinen ad 1 und 2 vor deren Inbetriebstellung mit den verschiedenen Schmierapparaten Kolbenringe und Schieber gewogen, und dasselbe in gewissen Zeiträumen wiederholt. Die erhaltenen Resultate sind folgende:

1) Die mit den Keßler'schen Apparaten versehene Maschine: Wägung am 5. October v. J.

Kolbenringe rechts 31 Pfd. – links 33 Pfd. 10 Loth.

Schieber rechts 34 Pfd. 17 Loth – links 35 Pfd. 12 Loth.

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Wägung am 3. November v. J.

Kolbenringe rechts 30 Pfd. 8 Loth – links 32 Pfd. 25 Loth.

Schieber rechts 34 Pfd. 17 Loth – links 35 Pfd. 12 Loth.

Verlust:

Kolbenringe rechts 22 Loth – links 15 Loth.

Schieber rechts 0 – links 0.

2) Die Concurrenz-Maschine ohne diese Apparate:

Wägung am 5. October v. J.

Kolbenringe rechts 34 Pfd. – links 31 Pfd. 15 Loth.

Schieber rechts 36 Pfd. 8 Loth – links 37 Pfd.

Wägung am 3. November v. J.

Kolbenringe rechts 32 Pfd. 15 Loth – links 30 Pfd. 10 Loth.

Schieber rechts 36 Pfd. 6 1/2 Loth – links 37 Pfd.

Verlust:

Kolbenringe rechts 45 Loth – links 35 Loth.

Schieber rechts 1 1/2 Loth – links 0.

An der Maschine ad 1 sind seit der Wägung am 3. November 1866 keinerlei Reparaturen an Kolbenringen und Schiebern vorgekommen, und es zeigte sich, da diese Maschine behufs Kesselprüfung am 3. Februar zur Werkstatt genommen wurde, daß Kolbenringe und Schieber vollständig glatt und noch fettig waren. Dagegen mußten an der Concurrenz-Maschine ad 2 nicht allein schon am 13. December 1866 die Kolbenringe nachgespannt und die Schieber ausgegossen werden, sondern am 8. Januar 1867 die Kolbenringe wegen Abnutzung abermals nachgespannt werden.

Hinsichtlich sämmtlicher Neubeschaffungen an Locomotiven für die preußische Ostbahn sind die resp. Fabrikanten angewiesen, für Kolben und Schieber nur selbstthätige Keßler'sche Schmierapparate (bezogen von den HHrn. Wirth und Comp. in Frankfurt a. M.) zur Anwendung zu bringen.

Bromberg, den 9. März 1867.

Der stellvertretende Ober-Maschinenmeister.
Gräf.

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