Titel: Neue patentirte Cylinder-Tuch-Rähm- und Trockenmaschine, gebaut von Carl Körner in Görlitz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 4 (S. 162–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi02_4
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Neue patentirte Cylinder-Tuch-Rähm- und Trockenmaschine, gebaut von Carl Körner in Görlitz.

Bisher gehörte das Rahmen und Trocknen der Tuche in Rähmhäusern zu den zeitraubendsten, ungesundesten und kostspieligsten Manipulationen in der Tuchfabrication und man darf daher mit Freuden eine Erfindung begrüßen, welche diese Uebelstände in so vollkommenem Maaße beseitigt, wie dieß durch die in der Maschinenfabrik von Hrn. Carl Körner gebaute und ihm patentirte Cylinder-Tuch-Rähm- und Trockenmaschine geschehen ist.

Um das aus dem Tuche mittelst Wärme zu verdampfende Wasser auf ein Minimum zu beschränken, läßt Hr. Körner das Tuch von der Rauhmaschine herab zunächst auf eine Ausschleudermaschine bringen.

Beim Aufwickeln auf die Trommel dieser Maschine passirt das Tuch eine Bürste, die bei der jetzt noch vorhandenen großen Nässe den Strich des Tuches bedeutend befestigt.

Beim Verlassen der Ausschleudermaschine wird das Tuch auf eine hölzerne Trommel gewickelt und berührt hierbei eine Maaßwelle, an deren Zählscheibe man die Länge des Tuches abliest, um die Langstreckung auf der Rähmmaschine darnach zu bestimmen. Die Rolle mit dem Tuche wird nun an die Rähmmaschine gelegt und nachdem diese auf die gewünschte Breite gestellt ist, werden die Leisten des Tuches von zwei Knaben auf zwei Ketten ohne Ende einclavirt, um zunächst lang gespannt, dann breit gereckt und so getrocknet zu werden. Während der Trocknung kann man in jedem Moment das Tuch genau beobachten und überall, wo es nöthig erscheint, schnell und leicht schlechte Leisten oder schwache Stellen während des Ganges besetzen. Durch eine zweckmäßige Form der Kette werden auch die Leisten nicht bloß durch Stifte, wie bisher bei allen bekannten Ketten, sondern besonders durch die Reibung auf einer vorspringenden Kante gehalten, wodurch es möglich ist, auf dieser Cylinder-Maschine selbst die allerschlechtesten Tuche ohne Schwierigkeit zu rähmen.

Die Arbeiter befinden sich in einem von den Trockenkammern getrennten und vollständig kühlen Raum, so daß sie von der Hitze in keiner Weise und unter keinen Umständen belästigt werden.

Der Dampfverbrauch der Maschine ist in Folge der zweckmäßigen, durchaus neuen Anordnung der Trockenkammern außerordentlich gering. Der Kraftbedarf der Maschine ist so unbedeutend, daß sie von einem Menschen bequem betrieben werden kann.

Die Leistungsfähigkeit der Maschine kann je nach ihrer Größe beliebig gesteigert werden. Die bei den Herren Gevers und Schmidt in Görlitz aufgestellte Maschine hat einen Trockencylinder von circa 12 Fuß Durchmesser und werden auf demselben stündlich circa 105 berl. Ellen Dicktuchwaare fertig. Die Tuche gewinnen durch die Behandlung auf der Rähmmaschine in so hohem Grade, daß auch die in Rähmhäusern schon fertig gerähmten Stücke noch schnell durch die Maschine gelassen werden, um sie den auf der Maschine fertig gerahmten Stucken an Gute nicht nachstehen zu lassen. Sind beim Anschlagen der Tuche an gewöhnlichen Nähmen irgend welche Versehen in Betreff der Breite öder Länge der Waare vorgekommen, so können diese Fehler auf der Rähmmaschine innerhalb weniger Minuten corrigirt werden.

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