Titel: Ueber Neumeyer's Schieß- und Sprengpulver.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 6 (S. 163–164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi02_6

Ueber Neumeyer's Schieß- und Sprengpulver.

Seit etwa einem Jahre haben deutsche und ausländische Zeitungen vielfach Berichte über Versuche mit einem von G. A. Neumeyer in Taucha bei Leipzig |164| erfundenen Schieß- und Sprengpulver gebracht, welches die merkwürdigen werthvollen Eigenschaften in sich vereinigen soll, bei Zutritt von Luft zwar zu verbrennen, aber nicht zu explodiren, dagegen in geschlossenem Raum mit gleicher, ja noch stärkerer Wirkung wie gewöhnliches Pulver zu explodiren, weniger Rückstand und weniger Rauch zu geben als letzteres und endlich billiger zu seyn.24) Dieses Pulver besteht nach dem englischen Patent aus 75 Th. Salpeter, 18 3/4 Th. Kohle und 6 1/4 Th. Schwefel, ist also im Vergleich mit dem gewöhnlichen Pulver ärmer an Schwefel und reicher an Kohle. Wir wollen es dahin gestellt seyn lassen, ob seine eigenthümlichen Eigenschaften allein durch die Zusammensetzung bedingt sind, soviel scheint aber nach den vielfachen Versuchen competenter Persönlichkeiten, an deren Unparteilichkeit zu zweifeln wir keine Ursache haben, außer Zweifel zu stehen, daß N.'s Pulver die werthvolle Eigenschaft, nur unter Druck zu explodiren, wirklich besitzt, also in Transport und Handhabung ungefährlich ist. Ob die Praxis vielleicht andere Uebelstände ergeben wird, wie sich namentlich die Kosten im laufenden Betrieb stellen werden, und ob das neue Pulver in Bezug auf Sprengwirkung wirklich dem gewöhnlichen gleich kommen wird, bleibt freilich abzuwarten; wenn man bedenkt, wie viele als Epoche machend begrüßte und wirklich werthvolle Erfindungen in Folge von Uebelständen, die sich im Lauf der Zeit herausstellten, die gehegten Erwartungen täuschten, wird man diese Zweifel nicht als unberechtigt bezeichnen. Doch davon für jetzt absehend, halten wir es für gerechtfertigt, auf einen Artikel in einer geachteten technischen englischen Zeitschrift, dem Mechanics' Magazine kurz hinzuweisen, welche in der Nummer vom 18. Jan. d. J. N.'s Pulver gegen eine ungünstige Beurtheilung in der Pall Mall Gazette vertheidigte; letztere Zeitschrift hatte dieses Pulver bezeichnet als „eine sehr schwache, geringe Pulversorte, welche fast jedes theoretische und praktische Princip verletze, nach welchem die besten Pulversorten fabricirt werden, und als bewegende Kraft ohne allen Werth sey.“ Nach dem Mechanics' Magazine, sind dagegen Versuche im Großen mit N.'s Pulver in Granitbrüchen bei Leicester und Schieferbrüchen in Nordwales völlig befriedigend ausgefallen: die öffentlich im Krystallpalast angestellten, ziemlich unvollkommenen Versuche haben wenigstens die Nichtexplodirbarkeit des Pulvers an freier Luft unzweifelhaft bewiesen. Unter Druck entzündet sey N.'s Pulver bei gleichem Gewicht entschieden stärker als das gewöhnliche, und ebenso lasse es entschieden weniger Rückstand als dieses. Schließlich wird die Ansicht ausgesprochen, es habe dasselbe die besten Aussichten, das gewöhnliche Pulver zu verdrängen. (Deutsche Industriezeitung, 1867. Nr. 8.)

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Man s. über Neumeyer's Pulver polytechn. Journal Bd. CLXXXII S. 248 und 345.

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