Titel: Die pneumatische Communication zwischen der Börse und dem Grand-Hôtel zu Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 1 (S. 276–277)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi03_1

Die pneumatische Communication zwischen der Börse und dem Grand-Hôtel zu Paris.

Anstatt der Anwendung von Luftpumpen, wie dieß für solche Zwecke in London (auch in Berlin) geschieht, hat der Telegraphen-Ingenieur Baron in der letzten Zeit eine ausreichende und nicht kostspielige Kraft zur Benutzung gebracht; durch das den Reservoiren der Stadt Paris zugeführte Wasser, dessen Steighöhe noch mehr als 15 Meter beträgt, wird nämlich in eigenen Behältern die Luft comprimirt, so daß hierdurch die nothwendige Quelle der bewegenden Kraft erzeugt wird. Zu dem Ende benutzt man drei Kufen aus Eisenblech, jede von 4500 Liter Inhalt, von welchen die erste das Wasser empfängt, durch dessen Druck die Luft in den beiden anderen comprimirt wird. Durch einen großen Hahn gelangt das Wasser aus den unterirdischen Leitungen in den ersten Behälter, und in demselben Maaße, in welchem dieser sich anfüllt, wird die Luft durch Verbindungsröhren in die beiden anderen Behälter hineingedrückt; der Rücktritt der Luft wird durch ein an der gemeinschaftlichen Ausgangsstelle der beiden zu den Luftbehältern führenden Röhren eingesetztes Ventil gehindert. Ist nun die erste Kufe ganz mit Wasser angefüllt, also die vorher in derselben vorhanden gewesene Luft in die beiden anderen Kufen gepreßt worden, so kann man dieselbe, |277| wenn die mit ihr verbundenen Wasserstandszeiger das eingetretene Füllen anzeigen, zunächst entleeren und gleichzeitig dafür wieder mit Luft anfüllen. Wird nämlich ein zweiter Hahn geöffnet und gleichzeitig ein an ihrem Deckel angebrachtes und von Außen nach Innen sich öffnendes Ventil gelüftet, so wird dieser Zweck erreicht, denn durch jenen Hahn kann das Wasser ausfließen, während dafür ein gleiches Volumen Luft durch die Ventilöffnung in die erste Kufe einströmen kann. Wird hierauf letztere zum zweitenmale mit Wasser angefüllt, und hierdurch von Neuem die Luft in den beiden anderen Behältern comprimirt, so kann durch Benutzung der letzteren eine Kraftquelle von beiläufig zwei Atmosphären erhalten werden.

Die beiden Bureaux sind unter sich durch eine Röhre von Gußeisen verbunden, deren Länge beiläufig 1060 Meter beträgt, und die einen inneren Durchmesser von 65 Millimetern hat; sie mündet auf beiden Seiten in eine hermetisch geschlossene Kammer, welche an einer Klappe den Depeschen-Kolben einzusetzen oder herauszunehmen gestattet. Letzterer besteht in einem kleinen, hohlen Cylinder aus Messing von 14 Centimeter Länge; derselbe ist an einem Ende verschlossen, am anderen aber mit einem Deckel versehen, welcher bloß geöffnet wird, wenn die im Kolben befindlichen Depeschen herausgenommen oder neue eingesetzt werden sollen; es können etwa 40 Depeschen unter vorgeschriebenem Verbande in den Kolben gebracht werden. Das luftdichte Anschließen des letzteren an die Wände des Communicationsrohres wird dadurch bewerkstelligt, daß derselbe an seinem geschlossenen Ende geliedert ist. Es ist natürlich dafür gesorgt, daß, während der Kolben auf der Reise sich befindet, an der Kammer der Empfangsstation die Luft aus dem Leitungsrohre ausströmen, hingegen in die Kammer der absendenden Station die comprimirte Luft einströmen kann.

Vor dem Absenden der Depeschen (und vermuthlich auch beim Eintreffen derselben) wird die Empfangsstation mittelst eines elektromagnetischen Läutewerkes hiervon in Kenntniß gesetzt, und diese hat sodann den Anruf zu quittiren. Wird der Depeschen-Kolben in gehöriger Weise in die Leitungsröhre eingesetzt, und hierauf der luftdichte Verschluß, sowie die Communication der mit comprimirter Luft gefüllten Cylinder mit der Kammer und dem Communicationsrohre hergestellt, so wird der Kolben rasch fortgetrieben und legt sodann seinen Weg innerhalb 60 bis 80 Secunden zurück. Durch den Lärm, welchen er bei der Ankunft hervorbringt, wird der expedirende Beamte schon auf das Eintreffen der Depeschen aufmerksam gemacht.

Dieser Depeschenverkehr erfordert wenig Zeit und Kostenaufwand, und es handelt sich dabei also hauptsächlich nur um die erste sachgemäße Anlage. Zum Füllen der ersten Kufe sind beiläufig 3 Minuten nothwendig, während der Depeschencylinder kaum 2 Minuten zum Zurücklegen seines Weges bedarf; da aber, während an der einen Station das Füllen der beiden Luftbehälter stattfindet, die andere Station gleichzeitig ihre Depeschen befördern kann, so könnte man innerhalb 5 Minuten den Hin- und Hergang des Depeschen-Kolbens ausführen lassen. Abgesehen davon, daß nicht für jede Sendung der oben angegebene volle Druck nothwendig ist, und daß ferner das vorher schon benutzte Wasser auch von Neuem nutzbar gemacht werden kann, so betragen die Ausgaben zum einmaligen Füllen der ersten Kufe nur 21 Centimes. Das eben besprochene, sehr einfache Communications-System kann von wesentlichen Folgen werden, wenn das in Aussicht genommene unterirdische Netz von Paris vollständig durchgeführt seyn wird. (Les Mondes, t. XIII p. 365; März 1867.)*

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Hr. Prof. C. Brunner hat i. J. 1858 in seiner Abhandlung „über den Aspirator als bewegende Kraft“ (polytechn. Journal Bd. CXLVII S. 241) eine Idee mitgetheilt, welche dahin geht, durch das Entleeren von Wasserbehältern einen luftverdünnten Raum in einem Communicationsrohre zu erzeugen, und durch den äußeren Luftdruck einen Stempel von einem Ende des Rohres zum anderen zu führen. Diese Bewegung empfahl er zur Herstellung einer pneumatischen Briefpost.

A. d. Red.

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