Titel: Ueber die magnetische Polarität der gezogenen Gewehrläufe; von J. Spiller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 4 (S. 278–279)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi03_4

Ueber die magnetische Polarität der gezogenen Gewehrläufe; von J. Spiller.

Es wäre interessant zu erfahren, ob auch von Anderen schon ähnliche Erfahrungen gemacht worden sind – sagt der Verfasser – nach welchen, wie meine Beobachtungen dieß kürzlich herausstellten, die Gewehrläufe in Folge des Abfeuerns unter gewissen Umständen magnetische Polarität annehmen. Bei den sämmtlichen langen Enfield-Büchsen, welche meine Freiwilligen-Compagnie besitzt, hat sich wenigstens gezeigt, daß bei wiederholtem Schießen mit denselben, wenn das Rohr in der Richtung des magnetischen Meridians gehalten wird, jede in einen permanenten Magneten verwandelt wird. Der Raum des königl. Arsenales ist nämlich in seiner längsten Richtung nahezu von Nord nach Süd gebaut, und beim Schießen wird der Lauf unserer Gewehre nahezu in die Richtung der magnetischen Declination gebracht, nämlich gegen Norden gerichtet und etwa einige Grade gegen Westen hin gehalten; es scheint also, daß die wiederholten Erschütterungen, welche durch die Explosion der Ladung im Rohre hervorgebracht werden, einen ähnlichen Erfolg haben, als ob man in der erwähnten Lage dem Rohre einige Hammerschläge beibringt, da auf diese Weise bekanntlich Eisen- und namentlich Stahlstäbe permanenten Magnetismus annehmen. Auch bei grobem Geschütze aus Eisen findet zuweilen sich dieselbe Erscheinung, in der Nähe des Aufsatzes werden sie gewöhnlich nordpolarisch; wenn sie aus dem besten Schmiedeeisen bestehen würden, so könnten sie wohl keinen (?) permanenten Magnetismus annehmen. Es muß sich nun zeigen, ob die Richtung allein – nämlich der Magnetismus der Lage – bei jenen Geschützen die genannten Wirkungen hervorbringt, ob also die Polarität die entgegengesetzte wird, wenn man von Norden gegen Süden schießt, oder ausbleibt, wenn die Schußrichtung von Ost nach West geht. Es muß übrigens bemerkt werden, daß die gezogenen Armstrong-Kanonen vom größten Kaliber, welche aus so bedeutenden Massen von Schmiedeeisen construirt sind, und ebenso die alten gußeisernen Geschütze unter ähnlichen Umständen bis jetzt nicht dieselbe Erscheinung erkennen ließen. Es ist mir wohl bekannt, daß kaum ein Stab aus gehärtetem Eisen oder Stahl gefunden werden kann, der nicht wenigstens eine Spur von magnetischer Polarität zeigt; es müssen aber dennoch nach meinem Dafürhalten bei den beschriebenen Erscheinungen noch andere Umstände von Einfluß seyn, deren Quelle noch aufzufinden seyn dürste.

Hierher mag auch die Erfahrung gehören, daß das königl. Schiff „Northumberland,“ welches im vorigen Jahre in Millwall gebaut wurde, ähnliche Erscheinungen, wie die Enfield-Rohre zeigte. Dieses mit Eisen bekleidete Schiff hat während seiner Ausführung die Richtung Nord-Süd gehabt, und es scheint, daß die vielen Erschütterungen, |279| denen die Molecüle des Eisens in dieser Lage des Schiffes ausgesetzt waren, die bleibende magnetische Polarität zur Folge hatten: eine Wiederholung derselben Operationen (in welcher Weise?) war erforderlich, um das Schiff wieder zu entmagnetisiren. Bei dem eisernen Dampfschiffe „Great-Eastern,“ welches in demselben Yard gebaut wurde, kam dieser Uebelstand nicht vor; der Schiffskörper vom „Great Eastern“ hatte bei seiner Ausführung nahezu die Richtung von Ost gegen West. (Chemical News, Januar 1867, S. 15.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: