Titel: Das neue Riesenobjectiv von Emil Busch in Rathenow.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 6 (S. 279–280)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi03_6

Das neue Riesenobjectiv von Emil Busch in Rathenow.

In der Sitzung des photographischen Vereins zu Berlin vom 15. Februar 1867 stellte Hr. Carl Suck ein Porträt aus, welches mir dem von Hrn. Emil Busch in Rathenow für die Pariser Ausstellung bestimmten colossalen Objectiv aufgenommen worden war.

Das Bild hatte eine Dimension von 23 1/2 : 29 1/2 Zoll und zeigte ein Damenporträt, dessen Kopf 3 3/4 Zoll hoch war, während die ganze sitzende Figur 20 Zoll einnahm Das Bild war in allen Theilen scharf und durchgearbeitet, und zeigte die Vortrefflichkeit jenes großen Instrumentes, über dessen Herstellung und Eigenschaften wir einige Notizen folgen lassen wollen:

An dem Objectiv wurde im Ganzen von Anfang September v. J. bis Februar ununterbrochen gearbeitet. Die erste Operation verrichtete der Glasschmelzer, welcher das rohe Glas, aus einer unförmigen, viereckigen Platte bestehend, im Schmelzofen in die erforderliche runde Form mit den den Schleifschalen entsprechenden Flächen gebracht hat. Diese roh geformte Masse erhielt der Formschleifer, welcher den Linsen die annähernd richtige Form gab, so daß nur noch das genaue Schleifen auf den richtigen Schalen und schließliches Poliren nothwendig war, welches der Objectivschleifer ausführte. Zu dieser Arbeit brauchte derselbe 50 Tage, und wurde dieselbe, ohne irgend eine Maschine in Anwendung zu bringen, nur durch die Geschicklichkeit der Hande ausgeführt.

Ferner waren an der Herstellung des Objectivs thätig: ein Rohrmacher, ein Gelbgießer, zwei Mechaniker. Von letzteren übernahm der Eine die Dreharbeit, welche indeß nur mit Dampfkraft auf einer Leitspindelbank ausgeführt werden konnte.

Zu dem Objective winden 306 Pfd. Messingguß und Blech verwendet; die Fassungen wurden mit Bajonett-Verschluß in das große Hauptrohr eingesetzt. Dieses wog vor dem Löthen 101 Pfd., wurde dann auswendig und innen vollkommen richtig abgedreht, so daß nicht die geringste Lothstelle daran sichtbar blieb, und wog dann nach dem Abdrehen noch 45 Pfd. Die ganze Fassung wiegt fertig complett 114 Pfd., die acht Centralblenden 10 Pfd. – Zu den zwei Crown- und zwei Flintglas-Linsen sind 45 Pfd. Glas erforderlich gewesen; jetzt wiegen die fertigen Linsen noch 30 Pfd., mithin das ganz vollständige Objectiv 154 Pfd.

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Die Höhe der Fassung, wenn das Ganze aufrecht gestellt wird, beträgt 2 Fuß 6 Zoll rhein. Die Oeffnung der vorderen Sonnenblende beträgt 13 1/2 Zoll; die Oeffnung der vorderen Linse 10 Zoll, die der hinteren Linse 10 1/4 Zoll Paris. Maaß.

Die Brennweite des Doppel-Objectivs, von der hinteren Fläche ab gemessen, beträgt 33 3/4 Zoll, die des vorderen Objectivs (zur Aufnahme von Landschaften und Reproductionen zu verwenden) 68 Zoll.

Die Bildgröße für das Doppelobjectiv ist 24 : 30 Zoll, die für das Landschafts-Objectiv 45 Zoll im Quadrat oder 36 : 48 Zoll im Rechteck.

Das Objectiv gibt auch ein kleines Bild ebenso scharf, wie es ein entsprechend kleineres Objectiv in gleicher Größe herstellen würde.

Das zu dem Objectiv verwendete Crownglas ist besonders ausgewählt und gibt dieses ein sehr geringes, secundäres Spectrum, in Folge dessen denn auch das Austreten der Contouren von hellen Gegenständen auf dunklem Grunde nicht stattfindet.

Hr. Suck exponirte bei ziemlich trübem Himmel 2 Minuten und erhielt ein völlig ausexponirtes Negativ; die Distanz vom Objectiv bis zur sitzenden Person betrug 14 Fuß. Paul Bette. (Berliner photographische Mittheilungen, März 1867, S. 312.)

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