Titel: Ueber das Spectrum der Bessemerflamme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 7 (S. 280–281)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi03_7

Ueber das Spectrum der Bessemerflamme.

Unter diesem Titel übergab Hr. Prof. Liellegg in der vierten Sitzung d. J. der k. k. Akademie der Wissenschaften eine ausführliche Abhandlung, welche wir nachstehend in kurzem Auszuge mittheilen.

„Die Flamme, welche während einer Charge dem Bessemerosen entströmt, gibt, wenn sie auch nur mit einem ganz einfachen Spectralapparat betrachtet wird, verschieden helle Linien, die sich von dem continuirlichen Spectrum, welches gleichsam den Hintergrund bildet, deutlich ablesen.

Außer den dem Natrium, Lithium und Kalium zukommenden Linien, die schon zu Ende der Schlackenbildungsperiode sichtbar sind, erscheinen während der Kochperiode Liniengruppen, die ihre größte Lichtintensität zu Anfang der Frischperiode erreichen. Sie erstrecken sich von der Natriumlinie bis zur blauen Strontiumlinie oder nur wenig darüber hinaus, und theilen diesen Raum in vier gleich große Felder. Das Ende des ersten unmittelbar neben der Natriumlinie liegenden Feldes ist durch eine helle, gelbe Linie kenntlich; andere Linien konnten wegen des außerordentlichen Lichtglanzes in diesem nicht wahrgenommen werden. Das zweite anstoßende Feld liegt im grünlich-gelben Theile des Spectrums, und enthält in seiner mehr abgelenkten Hälfte drei gleich breite grünliche Linien, deren dritte am hellsten ist, und zugleich das Ende des Feldes markirt. Das dritte nun folgende Feld enthält vier grünlichblaue Linien, von welchen die vorletzte am hellsten ist und die letzte das Feld begrenzt; die Linien sind gleich weit von einander entfernt und nehmen zwei Drittel des Feldes ein, so daß zwischen der dritten Linie des zweiten Feldes und der ersten Linie des dritten Feldes ein Zwischenraum bleibt, der den dritten Theil des Ganzen zur Breite hat. Bei nahezu gleicher räumlicher Vertheilung sind im vierten Felde vier blaue Linien von gleicher Breite und Helligkeit sichtbar; im violetten Theile wurden mit Ausnahme der Kaliumlinie keine anderen Linien beobachtet. Bei großer Lebhaftigkeit des Spectrums erschienen die Räume zwischen den Linien des dritten und vierten Feldes dunkel, und gewannen das Aussehen von Asorptionsstreifen, deren Entstehen übrigens bei der Bessemerflamme erklärbar wäre. Jenseits der Natriumlinie, ungefähr in der Lage der orangerothen Calciumlinie Ca α waren zwei naheliegende, nicht scharf begrenzte Linien sichtbar, welche das Aussehen hatten, als ob ein breiter heller Streifen durch ein in seiner Mitte liegendes dunkles Band in zwei Theile getheilt würde.

Zu Ende der Frischperiode nahm die Lichtintensität der Liniengruppen ab, und kurz vor Beendigung der Charge waren nicht mehr alle Linien des dritten und vierten Feldes zu sehen: das Spectrum hatte nahezu denselben Charakter wie zu Anfang der Kochperiode.

Da die Bessemerflamme vorzugsweise durch Kohlenoxydgas gebildet wird, so sind auch die verschiedenen Liniengruppen auf dieses zu beziehen; ihr regelmäßiges Erscheinen während der Kochperiode, den Beginn der eigentlichen Entkohlung bezeichnend, ihr Zunehmen an Intensität bis zum Eintritte der Frischperiode und deren merkliche |281| Abnahme zu Ende derselben, dürften für die Beurtheilung des Bessemerprocesses brauchbare Anhaltspunkte liefern.

Diese Beobachtungen wurden in der Bessemerhutte der k. k. priv. Südbahn-Gesellschaft in Graz angestellt.“

Auch wenn man sich in der Anwendung des Spectralapparates beim Bessemern nicht allzu großen Hoffnungen hingeben will, so ist doch sicherlich jedes Mittel zur Klärung der Frage über das Ende des Processes, – bekanntlich die Achilles-Ferse des Bessemerns, – beachtenswerth. Inwieferne jedoch diese Methode für die Erzeugung der verschiedenen Härtenummern einen Anhalt bieten wird, ist ebenfalls eine noch sehr offene Frage. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1867, Nr. 12.)

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