Titel: Ueber technische Verwendung des Acaroïd- oder Xanthorhöaharzes; von C. H. Worlée in Hamburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 11 (S. 377–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi04_11

Ueber technische Verwendung des Acaroïd- oder Xanthorhöaharzes; von C. H. Worlée in Hamburg.

In dieser Zeitschrift wurde ein kleiner Artikel über die Verwendung des Acaroïdharzes (Xanthorhöaharz) mitgetheilt,54) zu dessen Ergänzung ich noch einige weitere Bemerkungen machen möchte. Die alkoholische Lösung der rothen Gattung, welche im Handel den Namen black boy Gum führt, ist von schön rother Farbe und ersetzt die in manchen Gewerben verwendeten Auflösungen von Drachenblut, sowie in größerer Verdünnung die von Gummigutt und Safran, deren man sich bedient, um Schellacklösungen zu sogenanntem Goldfirniß für Metallarbeiter und Vergolder zu färben. Der gewöhnliche Goldfirniß, dessen man sich zum Ueberziehen von Messingarbeiten bedient, hat den Nachtheil, am Licht zu bleichen, die hellere unschöne Messingfarbe tritt z.B. bei optischen Instrumenten sehr bald wieder hervor, da man, um den zu rothen Ton des Drachenblutes zu dämpfen, in der Regel vegetabilische gelbe Farbstoffe, als Safran, Curcuma u. dgl. hinzusetzt; eine Lösung des black boy Gum's |378| gibt dagegen bei völliger Lichtbeständigkeit, soweit die Erfahrung reicht, einen schönen Goldton, ohne eine Beimischung von anderen Farbstoffen.

Man nimmt mit Vortheil, um den Lack härter zu machen, ein Gemisch von Schellack und dem genannten Harze und setzt etwas Copaivabalsam hinzu, welcher das Reißen des Lacks verhindert, unter Umständen auch ein ätherisches Oel, Terpenthinöl oder Lavendelöl. Eine concentrirte Auflösung des Harzes, ohne weitere Zusätze als etwas Copaivabalsam oder Ricinusöl (um das Abspringen des Lacks zu verhindern), auf Glas ausgebreitet, hinterläßt eine völlig klare orangefarbene Schicht, und ein so behandeltes Glas kann mit Vortheil zur Beleuchtung der Dunkelkammer der Photographen dienen, da es fast nicht mehr kostet, als weißes Fensterglas und die Eigenschaft hat, keine chemisch wirkenden Lichtstrahlen durchzulassen. Es bietet außerdem den Vortheil, von jedem Photographen selbst angefertigt werden zu können, und zwar in beliebiger Farbentiefe.

Polirte Metallflächen mit der Lösung bestrichen, brauchen nicht, wie bei schellackhaltigen Lösungen, erwärmt zu werden um einen glänzenden durchsichtigen Firnißüberzug zu erhalten; das Auftragen des Lacks ist also bequemer und leichter gleichmäßig zu bewerkstelligen. Zinnkapseln zu Weinflaschen, Stanniol zu unecht vergoldeten Rahmen und dergleichen, ebenfalls kalt behandelt, bekommen dadurch eine schöne Goldfarbe und blassen nicht ab. Für weiches helles Holz, welches polirt werden soll, bildet ein Ueberzug der alkoholischen Harzlösung eine passende Beize, deren Farbe angenehmer als die gewöhnliche mit Farbhölzern oder Orlean gegebene, leichter und rascher aufzutragen sowie dem Verbleichen nicht ausgesetzt ist.

Die wässerige alkalische Lösung des Harzes (in Soda oder Potasche) ist ohne Zweifel ebenfalls noch mancher weiteren nützlichen Verwendung fähig, als sie bisher fand; man sagt, daß sie in den Vereinigten Staaten in großem Maaße in der Lederfabrication, wahrscheinlich zum Gelbfärben der Felle gebraucht werde; gewiß ist, daß häufig so große Quantitäten des Harzes in New-York für den Gebrauch im Lande zum Verkauf kommen, daß eine ausgedehnte Verwendung desselben in der Technik daselbst stattfinden muß, außer der für Pikrinsäure-Erzeugung, zu welcher man bekanntlich auch in der Regel die gelbe Varietät, die wirklich den Handelsnamen Acaroïdharz oder Acaroidgummi führt, vorzieht.

Mit größerer Sicherheit bekannt, ist, den Mittheilungen New-Yorker Häuser zufolge, daß man das rothe Harz, vielleicht auch das gelbe, massenhaft in der Papierfabrication verwendet, und zwar nicht allein zum Leimen, sondern auch zur Erzeugung des braunen Packpapiers für den Eisenwaarenhandel, eines ähnlichen Fabricats, wie man es sonst durch Zusatz von Theer herstellt.

Eine weitere Verwendung genannten Harzes geschieht in der Fabrication von feineren, sogenannten englischen Seifen; man scheint eine braune Farbe, verbunden mit einem angenehmen vanilleartigen Geruch damit zu erzeugen, und ohne Zweifel verdient der Artikel gerade für diesen Industriezweig alle Beachtung.

Auch für die Siegellackfabrication scheint das Harz nicht ohne Werth zu seyn, namentlich um selbst ganz geringen billigen Sorten einen angenehmen Geruch beim Schmelzen zu ertheilen, zumal es noch zu sehr niedrigen Preisen, circa 5 bis 6 Thalern per Centner, verkauft wird, mithin nur wenig theurer ist als Fichtenharz.

Das Xanthorhöaharz in beiden Varietäten ist, im Allgemeinen, erst zu kurze Zeit in Europa bekannt, bisher in so wenigen Händen gewesen, seine Eigenschaften von technischen Chemikern so wenig geprüft, daß es sehr wünschenswerth wäre, die Aufmerksamkeit der letzteren ihm mehr zugewendet zu sehen, als bisher geschehen. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1867, Nr. 8.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXXXI S. 79.

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