Titel: Einige Notizen über Ozokerit (Erdwachs); von B. Hoffmann, Director der Paraffinfabrik in Neupesth bei Pesth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 12 (S. 378–379)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi04_12

Einige Notizen über Ozokerit (Erdwachs); von B. Hoffmann, Director der Paraffinfabrik in Neupesth bei Pesth.

Schon seit mehreren Jahren findet man in dem durch Steinölquellen und Bergtheer so gesegneten Galizien ein Bitumen, welches sich vor allen anderen besonders wegen der Menge des darin enthaltenen Paraffins auszeichnet. Es bildet eine dem Bienenwachs sehr ähnliche Masse und wird deßhalb „Erdwachs“ oder des angenehmen Geruches wegen Ozokerit genannt.

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Am zahlreichsten wird dasselbe an der Abdachung der Karpathenkette zur Ebene gefunden, besonders in der Nähe von Drobrobiltz, wo es oft erst über 20 Klafter tief, in dem bituminösen Thone große Nester bildend. vorkommt. Auf bergmännische Art gewonnen, wird es in offenen eisernen Kesseln geschmolzen, nach einigem Absetzen von den verunreinigenden erdigen Substanzen abgegossen und in hölzerne Fässer gefüllt. Nach dem Erkalten löst man das Faßholz ab und bringt es in dieser Form in den Handel. Bei dem Einkaufe von Erdwachs muß man sehr vorsichtig seyn, da dasselbe sehr häufig betrügerischer Weise mit Erde, Wasser u. dgl. absichtlich verfälscht wird. Eine gute Waare bildet harte compacte Massen von grüner, etwas in's Schwarze gehender Farbe und darf durchgespalten weder Erde, noch Steine oder Wasser enthalten. Bei niederer Temperatur ist das Erdwachs spröde und hart, es wird jedoch schon durch die Handwärme weich und knetbar; die Flächen sind fettglänzend, der Geruch nicht unangenehm, sondern ätherisch süßlich. Sein Schmelzpunkt ist 62 bis 63° C.

Man gewinnt aus dem Ozokerit durchschnittlich 40 bis 45 Procent zur Beleuchtung taugliche Oele, sowie 30 bis 33 Procent Paraffin, dessen höchster Schmelzpunkt 60 bis 62° C. ist; daneben enthält er noch besonders harzige Bestandtheile, vorzugsweise Chrysen und Pyren. Kreosot findet sich in nur so geringen Mengen vor, daß eine Bearbeitung mit Natronlauge behufs der Entfernung desselben überflüssig ist. Ebenso wie in den meisten Braunkohlentheeren, sind von Leucolin und Anilin nur Spuren vorhanden, und würde eine Gewinnung derselben aus den sauren Abfällen nicht lohnend seyn.

Für Galizien ist das Erdwachs ein bedeutender Handelsartikel geworden, da mehrere Fabriken, besonders in und um Wien, Pesth, sowie in Mähren, dasselbe verarbeiten. Der Preis desselben ist ein gewöhnlich zwischen 8 bis 10 fl. österr. W. loco schwankender.

Die Gewinnung der genannten Beleuchtungsmaterialien aus dem Erdwachs ist ähnlich der Darstellung derselben aus dem Braunkohlen- oder Torftheere, nur bei weitem einfacher, da man die Phenylverbindungen nicht abzuscheiden braucht. Durch zweimalige Destillation der Rohöle über Kalk (am besten Chlorkalk) nach vorhersger Entfernung der Harze durch Schwefelsäure, erhält man ein beinahe geruchloses weißes Photogen vom spec. Gewicht 0,790 bis 0,810, sowie ein lichtgelbes, geruchloses Petroleum von dem spec. Gewicht 0,80 bis 0,825. Beide Oele sind unentzündbar. Durch diese Eigenschaften zeichnen sie sich sehr vortheilhaft vor den Oelen aus Braunkohle und Torf, sowie vor denjenigen aus dem galizischen Rohpetroleum aus. Das Paraffin reinigt man am zweckmäßigsten durch wiederholtes Behandeln mit Benzol und Auspressen der Masse, wodurch die aufgelösten Harze entfernt werden. (Polytechnisches Centralblatt, 1867 S. 288.)

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