Titel: Ueber die färbenden Eigenschaften des Alizarins; von Camille Köchlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 9 (S. 376–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi04_9

Ueber die färbenden Eigenschaften des Alizarins; von Camille Köchlin.

Das Alizarin kann nicht als der beim Krappfärben verwendete Farbstoff betrachtet werden, weil der Farbstoff des Krapps, nachdem er der Sublimation oder der bei derselben stattfindenden Temperatur von 280° C. unterworfen worden ist, nicht mehr die Nüancen gibt, welche man beim Färben mit dem Krapp oder dessen Extracten erhält. Obgleich das Alizarin (gehörig wieder aufgelöst oder mit Alkohol imprägnirt) beim Färben 170 Mal so ergiebig ist wie der Krapp, so besitzen doch das mit demselben dargestellte Roth und Rosenroth nicht den Carminton, welcher den Krappfarben eigenthümlich ist; seine Farben haben weniger Gelb; sie sind, mit Thonerdebeizen gedruckt, weinroth, veilchenblau geworden. Die eingetretene Veränderung ist hingegen für die Eisenbeizen günstig, welche ein reineres, mehr bläuliches Violett bilden.

Ist dieser Unterschied einer ähnlichen Umwandlung zuzuschreiben, wie diejenige der Gallussäure in Pyrogallussäure, oder wird er bloß dadurch veranlaßt, daß ein fremdartiges gelbes Element dem Alizarin bei seiner Sublimation nicht zu folgen vermag? Nach letzterer Hypothese würde das Alizarin durch die Sublimation selbst keine Veränderung erleiden, sondern bloß von einer es begleitenden, noch nicht näher bekannten gelben Substanz befreit, welche zum Rothfärben unumgänglich nöthig ist. Hiernach würden die Farben, welche man beim Färben mit Krapp (sowie dessen nicht sublimirten oder nicht überhitzten Extracten) erhält, nicht ausschließlich mit dem Alizarin erzeugt, – ganz abgesehen von der Rolle des Purpurins, welches nicht mehr einen Bestandtheil des avivirten Krapproths bildet, weil es sogar den kochenden Seifenbädern nicht widersteht.

Die noch immer angestrebte Synthese des Alizarins hätte also für die Industrie nur dann eine Wichtigkeit, wenn sich der vollständige Farbstoff des Krapps erzeugen ließe.

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Haben der auf nassem Wege dargestellte Farbstoff des Krapps und das sublimirte Alizarin die gleiche Zusammensetzung und identische färbende Eigenschaften? Hierüber werden gegenwärtig von Hrn. Schützenberger in Mülhausen (Elsaß) Versuche angestellt. (Moniteur de la teinture, Mai 1867, S. 97.)

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