Titel: Donnet's neue Art von Pumpenbrunnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 1 (S. 453–454)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi05_1

Donnet's neue Art von Pumpenbrunnen.

A. Donnet, Ingenieur und Professor des Maschinenzeichnens an der Centralschule zu Lyon, hat sein neues Verfahren der Herstellung von Pumpenbrunnen in einem Schriftchen veröffentlicht, nach welchem [...]as Gewerbeblatt für Hessen das Nachstehende im Auszug mittheilte.

Die Wassermenge, die eine Pumpe irgend welcher Construction einem Brunnen zu entziehen vermag, hängt von der Ergiebigkeit des Brunnens oder von seiner Fähigkeit ab, das verlorene Wasser wieder durch anderes zu ersetzen.

Es wird durch das in der Tiefe aus der Umgebung sich hereinziehende Wasser ersetzt. Den Höhenunterschied zwischen dem Niveau beim höchsten Wasserstand, der eintritt, wenn die Pumpe längere Zeit in Ruhe sich befindet, und dem Niveau beim tiefsten Wasserstand, wenn die Pumpe von anhaltender Thätigkeit ist, nennt der Verfasser die Depression des Brunnens.

Um einen Brunnen recht ergiebig zu machen, ist es nöthig, eine große Depression in demselben zu erzeugen, denn die Kraft, mit welcher das umgebende Wasser von unten in den Brunnen eindringt und darin steigt, wird durch das Gewicht einer Wassersäule von der Höhe der Depression und dem Durchmesser des Brunnens bedingt. Eine große Depression kann dadurch hergestellt werden, daß man den Brunnen viel tiefer als das Niveau des umgebenden Wassers macht. Wenn aber der Brunnen nicht aus der umgebenden Wassermenge gespeist wild, sondern seinen Zufluß durch Quellwasser, das aus dem festen Grunde von unten in den Brunnen tritt, erhält, so gibt es nach Donnet kein anderes Mittel zur Vermehrung der Ergiebigkeit, als die Anwendung seines Systems. Um einen Brunnen ohne Depression sehr ergiebig zu machen, genügt es, denselben in der Höhe des höchsten Wasserstandes, welcher eintritt, wenn die Pumpe längere Zeit nicht in Thätigkeit ist, luftdicht abzuschließen, und hierin besteht das Princip der Erfindung Donnet's.

Er stellt solche Brunnen nach zwei Arten her. Nach der einen wird die Brunnenmauer aus Beton oder Steinen, die innen mit Cement bestricken werden, hergestellt. Auf der Oberfläche des Wassers wird der Brunnenraum durch eine Metallplatte abgeschlossen, die auf die hier angesetzte Brunnenmauer gelegt und durch Cement mit derselben verbunden wird. – Nach der zweiten Art construirt man eine cylindrische Glocke von Metall und versenkt dieselbe in die Brunnengrube. Die Glocke wird mit einer Betonmauer umgeben. Sie wird so niedergesenkt, daß ihr oberer Theil unter das Wasserniveau kommt, damit sich dieselbe ganz füllen kann, wodurch die Luft daraus entfernt wird. Die Saugröhre der Pumpe sitzt auf dem Deckel der Glocke oder der vorerwähnten Platte auf; der Saugkorb ragt durch eine Oeffnung in das Innere des Wasserraumes hinein; bei beiden Constructionsarten entnimmt daher die Saugröhre das Wasser dem oberen Theile des Behälters.

Solche Brunnen brauchen nicht zu tief und von nicht so großer Weite zu seyn als Brunnen gewöhnlicher Art, die eine große Wassermenge liefern sollen.

Die Metallglocke des Brunnens in der Färberei der Herren Villet und Reuard hat 0,8 Meter Durchmesser und 1,3. Meter Höhe. Dieser Brunnen ergab während des Monats Juli 1864 beim allerniedrigsten Wasserstand der Rhone 2500 Liter Wasser per Minute. Die Herstellungskosten dafür betrugen 650 Fr. Der Erfinder hat an den Ufern der Saone für dieselben Herren einen zweiten geschlossenen Brunnen, der |454| 3000 Liter per Minute ergibt, hergestellt. Die Metallglocke hat 1,6 Meter Durchmesser bei eben so viel Höhe.

Der Brunnen des Hrn. A. Schrimpf in Vaise ist in gleicher Art hergestellt. Er kann 800 Liter Wasser per Minute liefern. Sein Durchmesser beträgt 0,8 Meter. Brunnen für eine Ergiebigkeit von 2000 Liter erhalten am besten einen Durchmesser von 1 bis 1,6 Meter.

Während der Trockenheit des Jahres 1864 wurde noch ein anderer geschlossener Brunnen in dem Besitzthum der HHrn. Milliand und Decluzel, Färber zu Valberoite, unter sehr ungünstigen Verhältnissen in Felsen ausgeführt. Die drei denselben speisenden Quellen ergaben 25 Liter per Minute, als der Brunnen noch nicht geschlossen war. Nachdem der Brunnen geschlossen wurde, war das Ergebniß 400 Liter per Minute. Während des Jahres 1865 blieb die Wassermenge constant dieselbe.

Die Glocke bei diesen Brunnen ist als die Fortsetzung der Saugröhre unter einem größeren Durchmesser zu betrachten und dadurch, daß die Saugröhre nicht so tief in das Wasser eintaucht, wie bei gewöhnlichen Pumpenbrunnen, resultirt eine Ersparniß an Betriebskraft für die Pumpe.

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