Titel: Grüne's eingebrannte Photographien auf Porzellan, Glas und Email.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 6 (S. 458–459)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi05_6

Grüne's eingebrannte Photographien auf Porzellan, Glas und Email.

In der norddeutschen Ausstellung zu Paris befindet sich die Exposition von W. Grüne, Firma: Eduard Grüne in Berlin.

Seit Jahren fertigt Hr. Grüne bereits seine eingebrannten Photographien auf Porzellan, Glas und Email, und Tausende von Porträts, Kupferstichen u.s.w. sind seit jener Zeit aus seiner Anstalt hervorgegangen und in den verschiedensten Formen: auf Tassen, Seideldeckeln, Streichholzbüchsen und Pfeifenköpfen in die Welt gewandert. Jener merkwürdige Proceß, worauf das Einbrennen beruht, die Umwandlung eines Silbercollodiumpositivs in eine andere Metallcombination, hat Hrn. Grüne nun auf eine neue, ganz eigenthümliche Anwendung der Photographie geführt, die eine sehr große Bedeutung hat für die Industrie, namentlich für die Glas- und Porzellanfabrication, das ist die Herstellung eingebrannter Goldverzierungen und Silberverzierungen auf photographischem Wege.

Man ermißt die Wichtigkeit dieses Processes leicht, wenn man an die Tausende von vergoldeten Tassen, Gläsern u.s.w. denkt, die sich in den Haushaltungen vorfinden. Bisher wurden diese Ornamente entweder mit der Hand aufgetragen oder mit lithographischem Golddruck zunächst auf dünnes Papier gedruckt und dann auf Porzellan abgeklatscht. Letzteres Verfahren ist auf krummen Flächen höchst mißlich, ebenso auf Glas. Dazu sind jene lithographischen Verzierungen verhältnißmäßig theuer |459| und roh, sie lassen sich an Feinheit mit einem photographischen Product nicht entfernt vergleichen. Hr. Grüne vermeidet nun alle diese Mängel durch sein neues Verfahren. Er hat keinen Porzellanmaler nöthig, er photographirt irgend ein vorhandenes Muster, eine Buchdruckkante, er wandelt das Bild in eine Goldverbindung um, transportirt das elastische Collodiumhäutchen auf Glas oder Porzellan und schmilzt es ein. Mit der größten Leichtigkeit läßt sich das elastische Häutchen in jede Form bringen, und so hat Hr. Grüne Gläser, Tassen und Schalen ausgestellt, die Goldverzierungen von einer Feinheit zeigen, wie man sie unter den Ausstellungen der Luxusgläser in dem Expositionspalaste vergeblich sucht. Natürlich kann man auf diesem Wege jedes Muster beliebig verkleinern und dadurch Zeichnungen in außerordentlicher Feinheit, die Loupenvergrößerung aushält, herstellen. Merkwürdig sind in dieser Hinsicht mehrere Goldreproductionen von Deckenplafonds auf Tellern, ferner ganz zarte Kanten à la grecque auf Gläsern. Das Verfahren erlaubt sogar Doppeldrucke zu machen. So findet sich in Grüne's Repositorium ein Teller, wo Golddruck- und Silberdruckverzierungen durcheinander gehen, beide in tadelloser Feinheit. Merkwürdig ist noch bei diesem Proceß der außerordentlich geringe Goldverbrauch, sowie seine Anwendbarkeit auf Fayence, deren Vergoldung immer Schwierigkeiten gemacht hat.

Wir sehen hier eine neue Anwendung der Photographie vor uns, die allem Anschein nach eine große Zukunft hat, und vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo zahlreich junge intelligente Photographen Beschäftigung durch dieses Verfahren in Glas- und Porzellanfabriken finden werden. Das Verfahren selbst ist allenthalben patentirt. (Berliner photographische Mittheilungen, 1867 S. 41.)

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