Titel: Verbesserung in der Erzeugung der Gelatine; von Carl Simeons und Comp.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 7 (S. 459–460)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi05_7

Verbesserung in der Erzeugung der Gelatine; von Carl Simeons und Comp.

Die Fabricationsmethode ist folgende: Knochen aller Art werden in Massen von 100 Centnern der Luft und Sonne während der Dauer von 6 Wochen bis 2 Monaten ausgesetzt und bei trockener Witterung täglich öfter mit Wasser übergossen. Hierauf kommen selbe in Quantitäten von 10 bis 15 Centnern in Bottiche, in welchen ihnen eine verdünnte Salzsäure von 4° Baumé zugesetzt wird. Nachdem diese Säure ihre Kraft verloren, wird solche abgelassen und durch frische ersetzt, welches Verfahren so lange wiederholt wird, bis die Knochenmassen eine vollständige Erweichung erlangt haben. Die so erweichten Knochenmassen werden dann in reinem Wasser ausgewaschen und hierauf in einer ganz leicht verdünnten Kalkmilch während 14 Tagen liegen gelassen. Ist das geschehen, dann werden sie abermals in reinem Wasser ausgewaschen und auf großen Gurten an freier Luft getrocknet. Auf diese Weise ist die sogenannte „Rohgelatine“ hergestellt.

Die Erzeugung der fertigen Gelatine geschieht nach unserer neuen Erfahrung auf folgende Weise: Wir nehmen 300 Pfund „Rohgelatine,“ legen solche 24 Stunden in ein fließendes Wasser, wodurch die Masse ganz erweicht – und bleichen sie hierauf einige Tage an freier Luft. Hierauf bringen wir das Quantum gebleichter Rohgelatine in einen großen Kessel, der mit 45 Eimern Flußwasser ausgefüllt ist. Darnach lassen wir eine leichte Kochung eintreten, während welcher von einer halben Stunde zur anderen ein Zusatz von 4 Loth Alaun gemacht wird. Dieser Alaunzusatz bewirkt die vollständige Reinigung von sämmtlichen Fetttheilen, die sich in der Rohgelatine noch befinden. Nach dieser Kochung, welche 8 bis 10 Stunden dauert, wird die Flüssigkeit in kochendem Zustande durch feine Leinwandtücher so lange filtrirt, bis sie eine vollständige Reinheit zeigt. Hierauf kommt die Gelatinbrühe in einen großen Bottich, erhält einen Zusatz von 3 Eimern frischen Wassers, welches noch durch schweflige Säure vollständig gesättigt ist, worauf nach gehörigem Umrühren ein weiterer Zusatz von 2 Maaß Essigsäure gemacht wird. Wenn dann diese Masse eine Stunde in dem Bottich gestanden, wird sie abermals durch Leinwand filtrirt und in kleinere Holzkästen ausgegossen. In diesen kühlt sich die Masse zu fester Gallerte ab und wird hierauf auf den betreffenden Schneidmaschinen in dünne Blättchen geschnitten, von den Arbeitern auf Rahmen gelegt und an der freien Luft getrocknet. Auf diese Weise wird eine Gelatine von ausgezeichneter Qualität gewonnen.

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Um die farbigen Gelatinen darzustellen, wird bei der oben beschriebenen letzten Filtration ein betreffendes kleines Quantum flüssiger Gallerte von der Hauptmasse getrennt und mit den bezüglichen Farben, je nach den Nüancen, die man erzielen will, mehr oder weniger vermischt. Unsere Farben sind außer Carmin, den wir in Salmiakgeist lösen, noch die Anilinfarben, welche wir im aufgelösten Zustande beziehen. Das durchschnittliche Mischungsverhältniß ist: 1 Loth Farbe auf 4 Pfund flüssige Gelatine. Ist diese Farbenmischung durch wiederholte Filtrationen vollständig gereinigt, dann wird die Masse auf geschliffene und mäßig erwärmte Spiegelglasplatten ausgegossen und an einem kühlen staubfreien Orte aufbewahrt, bis die vollständige Trocknung stattgefunden. Hierauf wird die Waare von den Platten abgenommen. (Hager's pharmaceutische Centralhalle, 1867 S. 105.)

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