Titel: Ueber das Gewicht des Brennholzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 11 (S. 537–538)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_11

Ueber das Gewicht des Brennholzes.

In diesem Betreff enthält die badische Gewerbezeitung, 1867 Nr. 3, folgende ausführliche Angaben von Hrn. Forstrath Dr. Klauprecht:

„1 Klafter (gleich 144 Kubikfuß badisch, oder 3,888 Kubikmeter), wie es im Wald von starkem Scheiterholz zugemessen wird (einige Zoll über Vollmaaß belegt), enthält gerade 100 Kubikfuß Derbmasse, d.h. die Lufträume zwischen den Scheitern nehmen den Raum von 44 Kubikfuß ein. Wie das Holz beim Verkauf an den Consumenten abgemessen wird, der Maaßrahmen nur gestrichen voll gemacht, hat 1 Klafter den Raum von nicht mehr als 90 bis höchstens 95 Kubikfuß Derbmasse. Nach den Untersuchungen der badischen Militärverwaltung (Dr. Vogelmann 1853) wiegt die Klafter in der Stadt zugemessenes Hartholz 3700 Pfd., weiches Holz 2780 Pfd., trocken, wie es nach einjährigem Lagern in den Casernen verwendet wird. Mit Benutzung obiger Zahl 95 ergibt sich daraus das Gewicht von 1 Kubikf. Hartholz 3700/95 = 37 Pfd. und von Nadelholz = 29,2 Pfd. – Dr. König hat das Gewicht der deutschen Holzarten in seiner „Forst-Mathematik“ folgendermaßen angegeben:


1 Kubikfuß

Grün
im Walde

Trocken
nach 1 Jahr
Ausgetrocknet nach
mehreren Jahren,
unter Dach,
d.h. lufttrocken
Eiche 55,5 40,8 33,4
Buche 52,1 38,6 31,8
Hainbuche 53,2 40,8 34,6
Esche 50,6 37,5 31,0
Birke 47,3 34,2 27,2
Aspe 41,0 27,8 21,2
Erle 44,5 29,9 22,5
Fichte 44,5 31,3 22,2
Kiefer 46,5 31,8 24,5

Hartholz (Buche, Hainbuche, Eiche) wiegt also im Mittel:

grün nach 1 Jahr lufttrocken
1 Kubikfuß 52 39 32,5
1 Klafter à 95 Kubikfuß 4930 3700 3088
1 „ à 100 „ 5200 3900 3250
|538|

Nadelholz (Fichte, Kiefer) wiegt im Mittel:

grün nach 1 Jahr lufttrocken
1 Kubikfuß 45,5 31,5 23,3
1 Klafter à 95 Kubikfuß 4323 2992 2213
1 „ à 100 „ 4550 3150 2330

Die entsprechenden Zahlen stimmen nahe überein mit den von der badischen Militärverwaltung angegebenen. Buchenholz, wie wir es gewöhnlich brennen, wiegt also im Klafter 37 Centner. Lufttrocken hingegen, in welchem Zustande es noch immer mindestens 18 Proc. Wasser enthält (Nadelholz etwa 15), wovon es ohne künstliche Wärme, das Dörren, nichts weiter verlieren kann, besitzt es das Gewicht von nur etwas mehr als 30 Centner.

Solches Holz wurde aber benutzt bei den wissenschaftlichen Versuchen, um die vollständige Brennwärme des Holzes ausfindig zu machen. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir noch, daß die Zahlen 40 und 70 als Verhältnisse der Heizkraft von Holz und Kohlen nur runde Zahlen sind, welche für das Holz etwas zu günstig lauten. Genau genommen ist für Buchenholz (auch Eichenholz) die Zahl 37 und für Kiefernholz 40 zu setzen, wohingegen für Steinkohlen die Zahlen zwischen 70 und 75, ja selbst 80 schwanken. Das harzreiche Kiefernholz ist also etwas werthvoller als Buchenholz, was sich auch im Marktpreis beim Verkauf nach dem Gewicht ausspricht. Die Kohle im Allgemeinen läßt sich aber auf doppelt so heizkräftig als das Holz annehmen. Sollte das Holz auch den niedrigen Preis dieses Jahres, wo der Centner mit 48 kr. (Buchen, klein gespalten) bezahlt wird, ferner beibehalten, so wird doch kaum das Verhältnis des ökonomischen Werthes 1 : 3 verändert, wenn wir berücksichtigen, daß das verkaufte Brennholz nicht lufttrocken ist, sondern statt 18 Proc. den hohen Betrag von 33 Proc. Wasser hat, wie die obigen Zahlen zeigen. Während 100 Theile lufttrockenes Holz 82 brennbare Theile haben, so besitzt das gewöhnliche Buchenholz deren nur 66, somit ist auch die Heizkraft desselben bloß durch die Zahl 66/82 × 37 = 30 ausgedrückt, gegen 70 als geringsten Werth der Kohlen. Der ökonomische Werth beider Brennstoffe stellt sich hiernach dieses Jahr in Carlsruhe (Kohlen im Detailverkauf der Centner 36 kr., Holz 48 kr.): (Holz 30 × 36)/(Kohlen 70 × 48) = 108/336', also so gut wie 1 zu 3. Vergangenes Jahr, bei dem hohen Preis von 1 fl. für den Centner Holz, war in Wirklichkeit das Verhältniß 1 zu 4.

Die in der obigen Tabelle mitgetheilten Zahlen zeigen noch, von welcher Wichtigkeit es bei der Verwendung des Holzes zu baulichen, sowie technischen Zwecken überhaupt ist, dasselbe nur nach langjährigem Lagern, wenn nicht künstlichem Trocknen, anzuwenden. So lange das Holz noch Wasser abgibt, zieht es sich zusammen; es kann deßhalb nicht Wunder nehmen, daß frisch verarbeitetes Holz sich wirft, die Dielen der Stubenböden klaffende Spalten erhalten etc.

Die Fähigkeit des Holzes, so außerordentlich große Mengen Wassers – bis zu seinem gleichen Gewichte – auf längere Zeit aufgesaugt zu erhalten, erklärt auch die Unthunlichkeit, dasselbe im Großen nach dem Gewicht zu verkaufen, indem man dabei Irrthümern leicht ausgesetzt ist, die sich bis auf 30 Procent des Werthes vom Holz belaufen können.

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