Titel: Fell's Verfahren zur Bleiweißfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 13 (S. 539)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_13

Fell's Verfahren zur Bleiweißfabrication.

Die HHrn. Fell zu New-York ließen sich ein neues Verfahren zur Bleiweißfabrication patentiren, nach welchem aus Bleierzen oder aus metallischem Blei zunächst schwefelsaures Bleioxyd dargestellt und dann mittelst einer besonderen Behandlung letzteres in Bleiweiß umgewandelt wird. Bei der Benutzung von Bleierzen zu diesem Zwecke werden dieselben sein gemahlen und in einem Flammofen abgeröstet; das dadurch gebildete Bleioxyd, welches von Kieselsäure, Eisen, Kupfer und andern fremdartigen Beimengungen möglichst frei seyn soll, wird in passend geformten Gefäßen, welche mit gewalztem Hartbleiblech ausgefüttert sind, oder aus Glas, Porzellan, Steinzeug oder einem anderen dem Zwecke entsprechenden Materiale bestehen, mit verdünnter Salpetersäure (1 Thl. Salpetersäure von 36° Baumé auf 3 Thle. Wasser) behandelt, wodurch man lösliches salpetersaures Bleioxyd erhält. Dieses Salz wird in besonderen Gefäßen mit einer hinreichenden Menge Schwefelsäure behandelt, wodurch das Blei zum größeren Theile als Schwefelsäuresalz niedergeschlagen wird, während ein kleiner Theil desselben noch in Lösung bleibt, um die Gegenwart von freier überschüssiger Schwefelsäure zu vermeiden, welche nachtheilig auf den Proceß wirken würde, wohingegen die frei gewordene Salpetersäure wieder als Lösungsmittel für eine neue Portion Bleioxyd angewendet wird, nachdem das schwefelsaure Bleioxyd sich auf dem Boden des Gefäßes abgesetzt hat – was ziemlich rasch von statten geht – und dann zu weiterer Verarbeitung aus dem letzteren entfernt worden ist. Die frei gewordene Salpetersäure wird, wie so eben bemerkt wurde, zu einem frischen Antheile Bleioxyd hinzugesetzt und löst eine der durch die Schwefelsäure niedergeschlagenen gleiche Bleioxydmenge auf.

Bei der directen Behandlung von metallischem Blei wird dieses mit Vortheil erst geschmolzen und in kaltes Wasser gegossen, wodurch es in eine Art von Metallschwamm verwandelt wird, welcher dem Lösungsmittel eine größere Oberfläche darbietet als das compacte Metall; dann wird es auf die für das Oxyd angegebene Weise in Salpetersäure gelöst und mit Schwefelsäure niedergeschlagen. Auch kann man das metallische Blei zunächst auf die gewöhnliche Weise (durch oxydirendes Schmelzen) in Glätte verwandeln und diese mit Salpetersäure und Schwefelsäure behandeln.

Um aus dem niedergeschlagenen schwefelsauren Bleioxyd (gleichviel ob es aus Erzen, aus metallischem Blei oder aus Oxyd dargestellt worden) ein schönes, feinkörniges Bleiweiß zu erhalten, kochen die Patentträger dasselbe in Kesseln mit einer caustischen Alkalilösung zwei bis drei Stunden lang und nehmen auf 100 Thle. Schwefelsäuresalz etwa 3 Thle. reines Alkali. Durch letzteres wird dem Sulfate ein Theil seiner Schwefelsäure entzogen und dadurch ein neues Product erzeugt, welches sich als basisch-schwefelsaures Bleioxyd bezeichnen läßt und bezüglich seiner Eigenschaften als Farbstoff die besten im Handel vorkommenden Bleiweißsorten noch übertreffen soll. Diese Substanz wird in Kufen gehörig ausgewaschen, dann gesammelt und in flachen Pfannen oder auf Bretern in eigens dazu eingerichteten, durch heiße Luft geheizten Räumen getrocknet.

Man kann auch das schwefelsaure Bleioxyd erst durch Behandlung mit kohlensaurem Alkali in kohlensaures Bleioxyd verwandeln und dann schließlich mit einer Alkalilauge kochen, oder man kann es nur mit kohlensaurem Alkali behandeln und das Kochen mit Aetzlauge unterlassen, indem man auch mittelst dieses Verfahrens dieselben Resultate erhält. Zur Bereitung der Alkalilösung oder Aetzlauge kann man ebenso gut Kali als Natron anwenden. (Mechanics' Magazine, März 1867, S. 183.)

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