Titel: Zur Prüfung des Glycerins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 15 (S. 540–541)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_15

Zur Prüfung des Glycerins.

Die Wirkung des Glycerins auf die Haut, wunde Hautstellen, in Wunden, soll eine milde seyn; es kommen jedoch häufig Klagen vor, daß das auf die Haut wiederholt eingeriebene Glycerin Pusteln erzeuge, in Wunden heftig brenne, sogar Entzündung hervorrufe, selbst wenn das Glycerin stark wasserhaltig oder vor der Anwendung mit Wasser verdünnt war. Es erwuchsen aus diesem Verhalten des Glycerins schon für manche Apotheker unangenehme Vorwürfe von Seiten der Aerzte, und dem Apotheker mangelte jede Vertheidigung, da er weder ein Reagens hatte, dieses erhitzende Glycerin von dem mild wirkenden zu unterscheiden, noch den Grund dieses abweichenden Verhaltens kannte. Obgleich der Verf. sich schon vor einem Jahre mit der Untersuchung dieser verschieden wirkenden Glycerine beschäftigte, konnte er doch nicht den geringsten Anhaltspunkt gewinnen, und nur erst durch die unangenehmen Erfahrungen, welche Hr. Apotheker Stelzner in Frankfurt a. d. O. mit dem erhitzenden Glycerin machte, und durch die Liberalität in Darreichung verschieden dargestellter und gereinigter Glycerinsorten von Seiten des Hrn. Apotheker Scheering in Berlin gelang es ihm, mit Sicherheit das erhitzende Glycerin unter den verschiedenen Sorten heraus zu finden und für dasselbe ein Erkennungsmittel zu erlangen.

Wenn man gleiche Volumina rectificirte Schwefelsäure von 1,83 spec. Gewicht und käufliches reines Glycerin in einem Probirglase mischt, so findet eine Temperaturerhöhung statt; selten tritt auch gleichzeitig eine schwache oder lichte Bräunung des Gemisches ein. Die Mischung ist klar und höchstens bemerkt man einige wenige in Folge des Schüttelns hinein gekommene Luftbläschen. Ein Glycerin, welches sich in dieser Art verhält, ist das milde und für den medicinischen Gebrauch geeignete. Das erhitzende und daher verwerfliche Glycerin zeigt ein entschieden anderes Verhalten, indem im Augenblicke des Zusammenschüttelns mit der Schwefelsäure eine Gasentwickelung stattfindet, ähnlich einer Kohlensäureentwickelung in einer klaren Flüssigkeit. Nach Entweichung des Gases und Beruhigung des Gemisches entsteht die Gasentwickelung auf's Neue, sobald man wiederum schüttelt. Diese Erscheinung läßt sich mehrere Male in dieser Art wiederholen. Eine Glycerinsorte gewährt eine stärkere Gasentwickelung als die andere. Aus 100 Grm. Glycerin sammelte der Verf. circa 8 Kubikcentimeter Gas, welches bei näherer Prüfung als aus Kohlensäure und Kohlenoxydgas bestehend sich erwies. Da nach Entfernung der Kohlensäure durch Aetzkali etwas mehr als die Hälfte des Gasvolumens Kohlenoxydgas zurückblieb, so war anzunehmen, daß in dem erhitzenden Glycerin nicht nur ein oxalsaures Salz, sondern auch |541| etwas von einer ameisensauren Salzverbindung vorhanden seyn müsse. Das oxalsaure Salz ergab sich dadurch, daß eine nicht zu kleine Probe des Glycerins, mit Chlorcalciumlösung und Aetzammoniakflüssigkeit gekocht, sich trübte und oxalsaure Kalkerde absetzte. Das ameisensaure Salz ließ sich in einem kalten und längere Zeit stehenden Gemische aus Glycerin und Silberlösung an dem reducirten schwarz ausgeschiedenen Silber erkennen. In einigen Sorten des erhitzenden Glycerins waren neben Oxalsäure auch starke Spuren von Ammoniak vorhanden. Alle Sorten des erhitzenden Glycerins waren, wie der Verf. durch Fragen und Erkundigungen erfuhr, auf chemischem Wege gereinigt und als purum in den Handel gebracht. Die Sorten des milden Glycerins waren sämmtlich durch Destillation gereinigt. Jedes der untersuchten Glycerine war indifferent gegen Reagenspapier.

Hieraus ergibt sich die Nothwendigkeit, für den medicinischen Gebrauch stets nur das durch Destillation gereinigte Glycerin in Anwendung zu bringen. (Hager's pharmaceutische Centralhalle, 1867 S. 18.)

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