Titel: Ueber einige Anwendungen des Glycerins; von Justus Fuchs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 16 (S. 541)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_16

Ueber einige Anwendungen des Glycerins; von Justus Fuchs.

1) Anwendung des Glycerins bei Holzgefäßen. – Holzgebinde aller Art, einige Minuten in heißes Glycerin getaucht oder wiederholt damit überstrichen und während des ganzen Sommers leer oder gefüllt der Luft und Sonnenhitze ausgesetzt, blieben vollständig dicht, zeigten nicht das geringste Schwinden des übrigens ganz frischen Holzes, und die Reifen, sowohl Eisen- wie Holz-Band, saßen noch eben so fest wie zu Anfang. Mit Glycerin getränkte Holzreifen waren nach dreimonatlicher Einwirkung von Luft und Sonne noch ebenso biegsam und geschmeidig wie neue, frische Reifen. Da indessen Glycerin in Wasser und Alkohol löslich ist, so beschränkt sich seine Anwendung hauptsächlich auf Gefäße für Fettstoffe, Oele (Petroleum, Terpenthinöl etc.) und trockene Substanzen, wobei noch zu bemerken ist, daß Glycerin durch Einwirkung der atmosphärischen Luft gar nicht oder doch nur in kaum nennenswerther Weise verändert wird und somit eine nachtheilige Einwirkung auf Geschmack und Geruch der damit in Berührung kommenden Stoffe nicht zu befürchten ist. Im Gegentheil scheint dasselbe z.B. auf Fettstoffe conservirend zu wirken, wie dieß bei Butter beobachtet wurde, welche längere Zeit in mit Glycerin getränktem Holzgefäß aufbewahrt war. Besonders vortheilhaft zeigte sich die Anwendung des Glycerins bei Holzgefäßen und Reifen, welche längere Zeit unbenutzt auf Bodenräumen untergebracht werden mußten.

2) Glycerin gegen Brandwunden – Die ausgezeichnete Wirkung des Glycerins bei Brandwunden, welche ich bei einem mich selbst betreffenden Unfalle zu beobachten Gelegenheit hatte, läßt den Vorzug desselben gegen fast alle hier gebräuchlichen Mittel gerechtfertigt erscheinen. Durch die Explosion einer Spirituslampe wurde die größere Hälfte meines Gesichts mit meist ziemlich tiefgehenden Brandwunden bedeckt. Sofortiges und täglich öfter wiederholtes Bepinseln mit Glycerin verhinderte jede Blasen- und Eiter-Bildung und vermittelte binnen acht Tagen vollständige Heilung ohne eine Spur von Narben zu hinterlassen. Die seitdem zur Regel gewordene Anwendung von Glycerin bei Brandwunden hat mich wiederholt vor den unangenehmen Folgen derselben bewahrt.

3) Glycerin gegen katarrhalische Beschwerden. – Gegen nervösen Husten, Entzündungen des Schlundes, besonders gegen den mit reichlichem Schleimauswurf verbundenen Katarrh zeigt das Glycerin, theelöffelweise genommen, äußerst günstige Wirkung. Der Schleim löst sich sofort leicht und der Reiz zum Husten wird fast unmittelbar nach dem Einnehmen gehoben oder doch bedeutend gemildert. Die Anwendung desselben besonders bei Kindern wird überdieß durch den süßen syrupartigen Geschmack des Glycerins sehr erleichtert. Eine irgendwie nachtheilige innere Einwirkung desselben bei kleineren Dosen ist nach den bisher bekannten medicinischen Erfahrungen in keiner Weise zu befürchten. (Breslauer Gewerbeblatt, Mai 1867, Nr. 4.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: