Titel: Die Anwendung des Chlorkupfer-Spiritus und der Chlorkupfer-Räucherungen gegen die Rinderpest; von Dr. Theodor Clemens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 17 (S. 541–542)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_17
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Die Anwendung des Chlorkupfer-Spiritus und der Chlorkupfer-Räucherungen gegen die Rinderpest; von Dr. Theodor Clemens.

Ich habe bereits im Jahr 1865 in Nr. 44 der „Deutschen Klinik“ die kräftige luftreinigende Wirkung meiner seit mehr als einem Jahrzehnt von mir vielfach in Anwendung gebrachten Chlorkupferlauge besprochen, und seitdem ist dieses von mir in die Medicin eingeführte und zuerst dargestellte Mittel in vielen Fällen mit sichtbarem Erfolg zur Anwendung gebracht worden. Bei dem dießmaligen Auftreten der Rinderpest sind nun so viele Anfragen über Bereitung und Anwendung meines Mittels theils von Regierungen, theils von Privaten an mich ergangen, daß ich noch einmal die Methode der Anwendung sowie die Bereitung meines Chlorkupfer-Spiritus den Hülfesuchenden in Kürze vorführen will.

Der Chlorkupfer-Spiritus wird einfach bereitet, indem man auf 2 Pfund gewöhnlichen brennbaren Spiritus 2 Drachmen Chlorkupfer (Cuprum chloratum) und eine halbe Unze Chloroform gibt. Das Chlorkupfer löst sich in dem Spiritus durch Umschütteln und den Chloroformzusatz sehr schnell, und ist es deßhalb nicht nöthig einen liquor cupri perchlorat. concentrat. zuerst zu bereiten, wie ich im Jahr 1865 in besagtem Aufsatz lehrte. Reines und sehr gutes Chlorkupfer erhält man in dem berühmten chemischen Laboratorium des Hrn. Merck in Darmstadt das Pfd. zu 1 Thaler, und ebendaselbst das Pfund Chloroform zu 1 fl. 27 kr. Man kann mithin mit der Summe von etwa 3 Thalern inclusive den Spiritus schon ein ganzes Fäßchen zum Gebrauch fertigen Chlorkupfer-Spiritus darstellen.

Die Anwendung meines Chlorkupfer-Spiritus bei der Rinderpest ist nun einfach folgende. Die Thiere bekommen täglich als Präservativ gegen die Krankheit einen Theelöffel voll Chlorkupfer-Spiritus im Getränk, welche Quantität man auf zwei oder drei Tagesgaben vertheilen kann. Die Ställe werden täglich zweimal, und zwar Morgens und Abends, mit Chlorkupfer-Spiritus ausgeräuchert, wobei man sich am besten der weiten Räume wegen nicht der Chlorkupfer-Lauge bedient, sondern ganz einfach die zu verbrennende Quantität des Chlorkupfer-Spiritus auf ein Stück festgedrehte Baumwolle gießt, die auf einen Teller gelegt, an die Erde gesetzt und nun angezündet wird. In allen Fällen ist es immer am besten die Räucherungen an der Erde zu machen, da die schweren Chlorkupfernebel, welche sich bei dem Verbrennen des Chlorkupfer-Spiritus bilden, sich allmählich so am dichtesten in den zu desinficirenden Räumen von unten nach oben lagern. Die Thiere dürfen bei der Entwickelung der Chlorkupferdämpfe nicht aus den Ställen entfernt werden,106) und die Verbrennung des Chlorkupfer-Spiritus muß wo möglich so eingerichtet werden, daß solche bei geschlossenen Ställen und am Kopfende der Thiere geschehen. Man könnte also die Thiere einfach umdrehen und dann die Chlorkupferflammen auf den Mittelgang des Stalles stellen; etwa für je drei Thiere eine Flamme. Außerdem besprenge man täglich mittelst eines in Chlorkupfer-Spiritus getauchten Flederwisches die Streu jedes einzelnen Thieres, sowie das Pflaster der Gänge. Dabei brenne in der Mitte des Stalles oder am Eingang die ganze Nacht hindurch ein kleines Chlorkupferflämmchen in einer Laterne, die statt der Fenster nach Art der Davy'schen Sicherheitslampe dichte Drahtnetze hat. Der Schornstein dieser Chlorkupferlaterne, in welche man jede beliebige mit Chlorkupfer-Spiritus gefüllte gläserne Spirituslampe setzen kann, bleibt entweder oben offen, oder wird mit einem weiteren Drahtnetz geschlossen. Diese langsamen und andauernden Nachträucherungen desinficiren am besten und sichersten die oft bei kalter Nachtluft so massenhaft an Decke und Wänden sich niederschlagenden feuchten Dämpfe in geschlossenen Rindviehställen. (Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 1. Juni 1867.)

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Die Einathmung der mit der Luft gemischten Chlorkupferdämpfe ist nach meinen langjährigen Erfahrungen mit diesem Mittel weder für Menschen noch für Thiere schädlich, ja sogar in vielen Lungenkrankheiten sehr heilsam. Auch werden die Chlorkupferdämpfe selbst von reizbaren und kranken Personen gut vertragen, und ich habe bei schweren Typhuskranken die kleinen Krankenzimmer oft acht Tage lang und länger mit dem besten Erfolg mit Chlorkupferdämpfen gesättigt erhalten.

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