Titel: Ein vorzügliches Mittel gegen den Hausschwamm; von G. Juncker, Fabrikdirector in Saarau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 18 (S. 542–544)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_18
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Ein vorzügliches Mittel gegen den Hausschwamm; von G. Juncker, Fabrikdirector in Saarau.

Der sogenannte Hausschwamm ist jedenfalls ein großes Uebel für ein Bauwerk, und es ist nicht zu verwundern, daß man schon vielerlei Vorschriften ertheilt hat, um theils seine Entstehung zu verhindern, theils bereits entstandenen zu beseitigen.

Um dieß auf rationelle Weise zu thun, muß man die Naturgeschichte des Hausschwammes kennen. Der Hausschwamm (merulius lacrymans) ist ein Pilz, der in den Intercellulargängen des Holzes wuchert und sich aus den Bestandtheilen des Holzes nährt, welches er somit durch sein Wachsthum zerstört. Anfänglich erscheint er als ein kleiner weißer, zarter Anflug, durchdringt allmählich das Holzwerk und verbreitet sich von demselben auch über andere Körper, z.B. Mauern etc., doch entsteht er nie zuerst auf diesen, sondern gelangt immer erst von anstehendem Holzwerk dahin. Entsteht auf Mauern, Steinen etc., ohne daß Holzwerk in der Nähe ist, ein ähnlicher Anflug, so wird dieser entweder von ganz unschädlichen Schimmelpilzen gebildet, oder von auswitternden Salzen.

Der Schwamm entsteht aus Samen, die dem Auge fast unsichtbar sind, den sogenannten Pilzsporen. Er gedeiht hauptsächlich in feuchter, abgeschlossener, stockender Luft unter Mithülfe von Wärme und Dunkelheit. Nicht jede Holzart ist für seine Entstehung gleich günstig, am wenigsten gedeiht er im Holze der Eiche und der harzreichen Kiefer, am besten bei Tanne und Fichte.

Es ergibt sich hieraus, daß man, um die Entstehung und Ausbreitung des Schwammes zu vermeiden, hauptsächlich zweierlei zu thun hat:

1) Dafür zu sorgen, daß wo möglich die Sporen nicht zum Holze gelangen.

Der Same des Schwammes, die Pilzspore, findet sich, wohl durch Winde verbreitet, hauptsächlich im Boden. Die meisten Füllmassen der Gebäude, selbst wenn Sand, Schlacke etc. zur Füllung verwendet werden, sind nicht frei von erdigen Bestandtheilen, in denen sich fast immer der Keim des Hausschwammes birgt. Am meisten ist dieß natürlich bei den Zimmern im Erdgeschoß der Fall, da hier beim Hereinfahren der Füllmasse ein Einschleppen von Erde fast nicht zu vermeiden ist, und da nun in den unteren Zimmern auch die Feuchtigkeit leicht Zugang gewinnen kann, so ist es nicht zu verwundern, daß man die Entstehung des Schwammes fast stets zuerst im untersten Theile der Gebäude beobachtet. Auch wird nicht selten der Kalk mit Sand gemengt, der oft mit vielen erdigen Theilen versetzt ist, so daß der Keim zum Schwamm auch leicht durch die Bindemittel der Mauern in's Gebäude eingeschleppt wird.

Man hat aber noch 2) dafür zu sorgen, daß vom Holze Feuchtigkeit abgehalten und trockene Luft zugeführt wird.

Man muß also feuchten Baugrund vermeiden, oder wenn dieß unmöglich ist, für Ableitung der Feuchtigkeit sorgen, in einer angemessenen Jahreszeit bauen, die Mauern gut austrocknen lassen, besonders die Steine zu den Grundmauern gut aussuchen und sie, wenn möglich, in Cement mauern, gut ausgetrocknetes Holz anwenden, Anstriche darauf nicht eher vornehmen lassen, als bis die Feuchtigkeit gut ausgezogen ist, kein Holzwerk auf feuchten Boden legen, dafür sorgen, daß kein Wasser in Zapfenlöcher, Krümmungen etc. eindringen kann, und vorzüglich darauf achten, daß eine gute Circulation in recht trockener Luft in allen Theilen des Gebäudes, besonders unter den Fußböden stattfindet.107)

Wer auf diese beiden Punkte sorgfältig achtet, wird in den meisten Fällen den Schwamm gewiß vermeiden. Indessen wollte ich die Leser dieser Zeitschrift noch auf ein Mittel hinweisen, welches dazu dient, den erstrebten Zweck um so gewisser erreichen zu lassen.

Es besteht dieß darin, zur Füllung eine Masse anzuwenden, welche das Entstehen des pflanzlichen Lebens verhindert, oder bereits vorhandenes vertilgt. Man hat Aehnliches schon öfter empfohlen, z.B. Mengungen der Füllmasse mit Eisenvitriol, Schwefelabbrände u.s.w. Aber theils sind diese Mittel verhältnißmäßig theuer, theils kommen sie nur in beschränktem Maaße vor.

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Dagegen ist sehr billig und kann in großen Mengen geschafft werden der Sodakalk, dem sich zunächst der Gaskalk anschließt. Die sichersten Resultate erhält man unstreitig mit dem Sodakalk.

Derselbe ist im Wesentlichen ein Gemenge von kohlensaurem, schwefelsaurem, schwefligsaurem und unterschwefligsaurem Kalke und Schwefelcalcium. Die drei letzten Bestandtheile sind es hauptsächlich, welche jedes pflanzliche Leben unmöglich machen. Wenn man nun die Füllmasse einige Zoll setzt, besonders da, wo sie mit dem Holze in Berührung kommt, mit dem Sodakalke bestreut und letzteren dann festschlägt, so ist es nicht möglich, daß Schwammkeime zur Entwickelung kommen. Das Material bindet sehr leicht Wasser, mit dem es zu einer Art Cement erhärtet und wirkt dadurch ebenfalls sehr günstig, indem es die Feuchtigkeit vom Holze abzieht. Es hat durchaus keinen übeln Geruch und schadet dem Holze nicht. Wenn keine Luft zutritt, wie es bei richtiger Anwendung desselben der Fall ist, so bleibt es unverändert, bei Luftzutritt aber wandelt es sich allmählich fast ganz in schwefelsauren Kalk (Gyps) um, der wegen seiner Wasserentziehung als ausgezeichnetes Mittel gegen Schwamm längst bekannt ist.

In der hiesigen Fabrik sind über die Wirksamkeit des betreffenden Mittels gegen Schwamm verschiedene, sehr interessante Erfahrungen gemacht worden, welche das, was man theoretisch darüber urtheilen muß, praktisch auf glänzende Weise bestätigen.

In einem Zimmer des Laboratoriums zeigte sich vor ungefähr 5–6 Jahren der Schwamm in bedeutendem Maaße, die Schwellen und Unterlagsbalken, sowie fast die ganzen Dielbretter waren fast zerstört. Ein Schrank, der in einer Ecke stand und wenig benutzt wurde, war gleichfalls davon erfaßt, der Schwamm hatte einen Theil der unteren Breter zerstört, war in das Innere gedrungen und hatte dort einen Haufen Gummischläuche mit unentwirrbaren Umschlingungen erfaßt. Man ließ nach Wegnehmen der Dielen und Unterlagsbalken die alte Füllmasse größtentheils entfernen, dafür den Sodakalk einschütten und feststampfen, legte nun Balken (ohne Luftzuführung etc.), ersetzte die alten Dielen durch frische, legte jedoch des Versuchs halber auch einige noch mit Schwamm behaftete Dielen wieder mit auf. Seit jenen fünf Jahren ist keine Spur von Schwamm wieder sichtbar geworden, und auch an den erwähnten, bereits inficirten Dielbretern ist jede Spur verschwunden, sie sind aber natürlich morsch.

Kurz darauf übernahm die Fabrik ein bereits einige Jahre vorher erbautes Haus, bei dessen Besichtigung sich herausstellte, daß in einigen nicht unterkellerten, aber mit Luftcirculation versehenen Parterrezimmern, die etwas feucht lagen, der Schwamm in ziemlich starkem Maaße vorhanden war, so daß z.B. die Thürbekleidungen bis in die Höhe von 4 Fuß ganz zerstört waren. Es wurde hier eben so verfahren, wie beim Laboratorium und seit vier Jahren ist nicht das geringste Symptom von Schwamm wieder zum Vorscheine gekommen.

In einem Anbau desselben Hauses befanden sich im Souterrain zwei gewölbte, zu einer Art Keller bestimmte Localitäten, die später schnell gedielt wurden. Da wir uns von der Vortrefflichkeit des Sodakalkes bereits genügend überzeugt hatten, so wurde beschlossen, denselben als Füllmasse zu verwenden, zumal bei der Lage der Locale das Auftreten des Schwammes stark zu befürchten war. Durch ein Mißverständniß wurde aber nur das eine mit jenem Material ausgefüllt, das andere dagegen mit guter, trockener Schlacke. Bald zeigte sich in diesem der Schwamm, in jenem durchaus nicht, trotzdem es ganz nahe dabei lag. Nachdem auch das inficirte Local mit Sodakalk unterfüllt war, ist seit zwei und einem halben Jahre nichts mehr vom Schwamme gespürt worden.

Bei anderen Localitäten, z.B. den Comptoirs, die von vornherein mit Sodakalk unterfüllt wurden, hat sich trotz der oft für Schwammbildung sehr geeigneten Lage derselben, und trotzdem aus zwingenden Gründen die Herstellung in einer etwas ungünstigen Jahreszeit erfolgte, überhaupt keine Spur von Schwamm gezeigt.

Es ist durchaus nicht meine Absicht, den Sodakalk als eine Art Universalmittel marktschreierisch anzupreisen, ich mache vielmehr wiederholt darauf aufmerksam, daß überhaupt alle die oben angegebenen Rücksichten beim Bau streng beobachtet werden müssen, bin aber überzeugt, daß, wenn dieß geschieht, bei Anwendung von Sodakalk als Füllmasse Schwamm nicht entstehen kann. Der Sodakalk ist sehr billig von der chemischen Fabrik Silesia in Saarau zu beziehen. (Breslauer Gewerbeblatt, Mai 1867, Nr. 4.)

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Wer sich genau über den Hausschwamm und die Maaßregeln gegen denselben unterrichten will, vergleiche das empfehlenswerthe Preisschriftchen: Vollständige Abhandlung über den Hausschwamm von Dr. H. Fritzsche. Dresden 1866. (10 Sgr.)

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