Titel: Das französische Infanterie-Geschütz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 184/Miszelle 5 (S. 534–535)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj184/mi184mi06_5

Das französische Infanterie-Geschütz.

Wenn der horizontale Arm einer sogenannten Rotationsmaschine, mit einer der Längenrichtung dieses Armes nach frei aus ihm beweglichen Kugel versehen, durch irgend eine mechanische Vorrichtung in genügend starke Rotation um seinen Pivotpunkt |535| versetzt wird, so schreitet die an letzterem liegende Kugel vermöge der ihr auf diese Weise tangential und somit nach der Kreisbewegungs-Theorie auch radial ertheilt werdenden Geschwindigkeit bekanntlich von diesem Pivotpunkte aus in einer logarithmischen Spirale gegen den anderen Endpunkt dieses horizontalen Hebels vor, und nimmt dort eine Tangentialgeschwindigkeit an, welche im Verhältniß des Längenmaaßes dieses Hebels zur Einheit größer ist als die Winkelgeschwindigkeit desselben in der Entfernung gleich „Eins“ vom Pivotpunkte desselben.

Dieses Princip, welches schon im Jahre 1832 durch die Steinheil'sche sogen. Fugalmaschine (1848 scherzweise auch wohl als Kugelspritze bezeichnet) zur Forttreibung von Wurfgeschossen in Anwendung gebracht wurde, von deren zerstörender Wirkung vor einer Militär-Commission Proben abgelegt worden sind, ist in Frankreich neuerdings wieder zur Herstellung von sogenannten Infanterie-Kanonen verwendet worden, deren Construction nach der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 1. Mai 1867 in Folgendem besteht:

„In der Oberfläche der drehenden Scheibe ist eine radiale Rinne von etwas mehr als der Hälfte des Kugeldurchmessers ausgearbeitet. – Wenn man in die vertiefte Mitte Kugeln rollen läßt, so müssen sie in Folge des Fugalschwunges an der Rinne der drehenden Scheibe hinausgleiten und verlassen die Scheibe mit 12mal der Randgeschwindigkeit (soll wohl heißen Winkelgeschwindigkeit der Scheibe). Damit aber alle Kugeln in derselben Richtung entweichen, ist über der drehenden Scheibe eine Eisenplatte mit ganz kleinem Abstande von der drehenden Scheibe angebracht. – In dieser Platte ist nun zur Aufnahme der oberen Hälfte der Kugel eine Curve eingearbeitet (die logarithmische Spirale), durch welche alle Kugeln bei allen Geschwindigkeiten ohne Zwang zu erleiden entweichen müssen. – An der Platte ist ein Rohr in der Verlängerung der Seitencurve angebracht, das allen Kugeln (2 bis 4 Pfd. schweren Langgeschossen) genau dieselbe Richtung gibt.“

Berlin, im Juni 1867.

Darapsky,
Major.

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