Titel: Bischof, Untersuchung des feuerfesten Thones von Grünstadt.
Autor: Bischof, Carl
Fundstelle: 1867, Band 185, Nr. XVII. (S. 39–42)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/ar185017

XVII. Analyse nebst pyrometrischer Werthbestimmung des bekannten und zu Glashäfen vorzüglich gesuchten feuerfesten Thones von Grünstadt; von Dr. Carl Bischof.

Die Fundstätte dieser ausgezeichneten „Hafenerde“ befindet sich zwischen den Dörfern Tiefenthal, Eisenberg und in unmittelbarer Nähe von Hettenleidelheim, welches letztere, circa 1 1/2 Stunde S. W. von Grünstadt in der bayerischen Rheinpfalz entfernt, in dem dort vorhandenen kleinen Thale liegt.

Das Vorkommen kann wohl als Diluvialbildung betrachtet werden, die den Tertiärkalk überlagert, der seinerseits auf dem in den großartigen Steinbrüchen bei Tiefenthal bekannten und für Bauten sehr geschätzten Buntsandstein ruht.

In der über diesem Thonlager befindlichen Sandschicht wurde ein wohl erhaltener Mahlzahn eines Mammuth (Elephas primigenius) sowie verschiedene Knochenbruchstücke gefunden.

In der Thonschicht selbst wurden bis jetzt nur verkohlte Holzstücke und Wurzeln, mitunter in recht großer Menge, angetroffen; auch enthält der Thon stellenweise größere Stücke derben und sehr reinen Graphits. Diese beiden Materialien dürften dem Thone seine öfters schwärzliche oder dunkelblaue Färbung verleihen.

Was die Entstehungsweise angeht, so scheint die Thonablagerung hier ein Zersetzungsproduct von Porphyr und Porphyrmandelstein zu seyn, die den nur wenige Stunden entfernten Gebirgszug des Donnersbergs größtentheils bilden.

Die Verbreitung des Thones scheint auf eine sehr geringe Fläche beschränkt, etwa auf eine Erstreckung von 600 Metern in der Richtung von N. nach S. und von 280 Metern in jener von O. nach W., und selbst innerhalb dieser Ausdehnung finden sich häufig ganz taube Stellen, während die bis jetzt an den Grenzen des bekannten Bassin's abgeteuften Schächte einen weit geringeren, mageren und sandreichen Thon ergeben. Das Vorkommen ist somit als ein nesterweises zu bezeichnen.

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Das Thonlager liegt, je nach dem mehr oder minder von dem darüber liegenden Alluvium weggeschwemmt, 30–80 Fuß tief unter der Oberfläche und wird angebohrt, nachdem man die Dammerde, gelben Letten, eine viel Wasser führende Sandschicht und schließlich grünlichen und gelben Thon durchteuft hat. Die Mächtigkeit des brauchbaren feuerfesten Thones wechselt zwischen 6–13 Fuß, wovon jedoch die 3–6 Fuß starke, mittlere Schicht die thonreichste, fetteste und reinste ist, während die obere und untere an Reinheit und Thongehalt etwas nachstehen.

Die Gewinnung geschieht vermittelst Schächten in ganzer Schrotzimmerung, wobei die wasserführende Sandschicht durch den, das Dach des Lagers bildenden gelben fetten Thon abgedämmt wird; dann durch Strecke- sogen. Kammern-Bau. – Da der das Hängende bildende gelbe Thon meistens sehr gut trägt, so wird vom Schachte aus, allmählich weitergreifend, eine sogenannte Kammer, von 12–16 Fuß Breite, in der ganzen Höhe des brauchbaren Lagers herausgeschlagen und dieser Raum nur nothdürftig verzimmert. Sobald diese Zimmerung nicht mehr tragfähig, was gewöhnlich der Fall ist, wenn man auf diese Weise 30 bis 40 Fuß vorwärts gegangen, wird das noch brauchbare Holz herausgerissen, worauf die ganze taube Masse allmählich bis zur Oberfläche nachstürzt. Hierauf wird in den übrigen Schachtstößen nach und nach derselbe Abbau ausgeführt und nachdem so die ganze Umgebung des Schachtes abgebaut worden, wird letzterer verlassen, das Holz herausgerissen und in einer Entfernung von 30–40 Metern ein zweiter Schacht abgeteuft.

Der Thon wird bereits in der Grube vermittelst einer Art von Axt, in circa 1 Ctr. schwere, längliche, viereckige Stücke gehauen und kommt so in den Handel.

Die Preise des Thons differiren je nach seiner Güte und Reinheit.

Die erste Sorte, auserlesene Stücke, von allem sichtbaren Schwefelkiese frei, kostet loco Grube 30 Kreuzer per Ctr. Diese Qualität wird bereits seit längerer Zeit ausschließlich und mit dem besten Erfolge von den bedeutendsten Glasfabriken Preußens und Frankreichs angewendet.

Die zweite Sorte, von fast gleicher Güte, jedoch nicht mehr sortirt oder ausgelesen, findet in massenhaftester. Weise Verwendung in den Fabriken feuerfester Artikel zur Darstellung derartiger Fabricate erster Qualität, sowie in Gußstahlfabriken und Eisenwerken. Dieselbe kostet 24 Kreuzer per 50 Kilogr.

Die dritte Sorte endlich, zu welcher die obere und untere Schicht |41| des feuerfesten Thonlagers genommen wird, findet ihre Vernutzung zur Anfertigung der gewöhnlichen feuerfesten Fabricate. Ihr Preis beträgt 14 Kreuzer per Ctr.

Die Fracht nach dem Rheine oder der nächsten Eisenbahnstation, stellt sich incl. Einladegebühren, auf 9 Kreuzer per 50 Kilogr.

Physikalische Eigenschaften.

Ist völlig lufttrocken, von hellbläulicher Farbe mit nur vereinzelt dunkelgefärbten, kohlehaltigen Stellen. – Hat ein sehr gleichmäßiges Ansehen und ist ein Hauch von schmutziggelber Eisenfärbung nur höchst selten zu bemerken. – Fühlt sich recht fettig an. – Schneidet sich glatt und sehr zart, die Schnittfläche ist ein wenig glänzend. – Zeigt einen unebenen Bruch, doch besteht die Masse aus durchaus fettig glänzenden, geglätteten, gleichsam verkneteten Eindrücken und Ablösungen. – Haftet stark an der Zunge. – Zerfällt in Wasser unter Entweichen zahlreicher Bläschen mit singendem Zischen; gibt damit angefeuchtet eine recht bindende, klebende und plastische Masse, welche die Feuchtigkeit lange zurückhält.

Knirscht beim Reiben in dem Achatmörser kaum fühlbar. – Braust nicht beim Uebergießen mit Säure. – Schwärzt sich beim Glühen über der Spirituslampe und brennt sich nach und nach zur gelblichgrauweißen Masse.

Chemische Analyse.15)

In einer aus mehreren Pfunden dargestellten Durchschnittsprobe des bei 100° C. getrockneten Thones wurde gefunden:

35,05 Thonerde
47,33 Kieselsäure 39,32 chemisch gebunden
8,01 als Sand
2,30 Eisenoxyd
0,16 Kalk
3,18 Kali (vorherrschend)
1,11 Magnesia
10,51
–––––
Totalglühverlust (Wasser, Kohle und sehr
wenig Schwefel)
99,64

Hygroskopisches Wasser enthielt der lufttrockene Thon 5,80 Proc.

Der bei 100° C. völlig ausgetrocknete Thon zog, unter eine Glocke mit Wasser gebracht, im Maximum 7,43 Proc. Wasser ein.

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Schwefel wurde gefunden 0,084 Proc.

Von Titansäure waren nur undeutliche Spuren nachzuweisen.

Eine Quantität von 2 Grm. wiederholt mit Flußsäure behandelt, blieb eine in Schwefelsäure wie auch rauchender Salzsäure unlösliche Menge von 2,83 Proc.

Die Analyse erweist somit den vorstehenden Thon als einen reichlich thonerdehaltigen. Die Eisenmenge ist ziemlich beträchtlich, während die des Kalkes höchst gering ist.

Der größere Alkaliengehalt in Verbindung mit dem relativ ansehnlichen an Thonerde wie relativ geringen an Kieselsäure, läßt den Thon in die Classe der Kaoline, wenn auch auf secundärer Lagerstätte, einreihen.

Pyrometrische Werthbestimmung.

Die nach der in diesem Journal Bd. CLIX S. 54 etc. beschriebenen Methode vorgenommene pyrometrische Bestimmung des Thones, – den besten schottischen Thon, den Garnkirker, versetzt mit der einfachen Menge Quarzpulver, als maaßgebende Einheit gesetzt – gibt die Feuerfestigkeit = mehr als 2.

Das Bindevermögen, in der a. a. O. beschriebenen Weise bestimmt, ist = nahe 8.

Wird der vorher vollkommen getrocknete Thon in geringerem Hitzegrade, gewöhnlicher Ofenrothglühhitze, geglüht, so verhält er sich sehr günstig. Er sintert alsdann gleichmäßig, ohne äußere Risse oder Sprünge, zur dichten bläulich-weißen Masse zusammen und schwindet dabei von 100 auf circa 92.

Der somit recht bindende Thon verdient demnach mit Recht seinen Ruf: als hervorragend feuerfester.

Wiesbaden, den 15. April 1867.

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Den bei meinen Thonanalysen befolgten speciellen Gang werde ich demnächst näher beschreiben.

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