Titel: Lugo's Destillirapparat für Petroleum.
Autor: Ott, Adolph
Fundstelle: 1867, Band 185, Nr. LVII. (S. 194–196)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/ar185057

LVII. Lugo's Destillirapparat für Petroleum; von Adolph Ott, Techniker in New-York.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Dieser Apparat, welcher sowohl in Nordamerika als in mehreren europäischen Staaten patentirt ist, gründet sich auf die Anwendung überhitzten Dampfes zur Erwärmung der Blasenfüllung, sowie auf diejenige eines Luftstromes zum Uebertreiben der aus der letzteren sich entwickelnden Dämpfe. Die Vortheile, welche hierdurch erzielt werden, sind namentlich folgende: Es wird dem so häufig vorkommenden Durchbrennen der Kesselböden, gewöhnlich die Ursache der Zerstörung von Petroleumraffinerien, gänzlich vorgebeugt; die Anwendung von Wärme ist vollkommen |195| unter der Controle des Destillateurs; es werden die aus der zu destillirenden Flüssigkeit aufsteigenden Gase (durch die Lufteinströmung) in demselben Maaße fortgeleitet als sie sich bilden, ein Umstand, welcher ebensowohl Brennmaterialersparniß veranlaßt, als auch ihrer weiteren Zersetzung durch die heißen Kesselwände und sonach der Bildung leicht explodirbarer Oele entgegentritt. Diese findet vornehmlich dann statt, wenn die leichteren Dämpfe, wie es bei der gewöhnlichen Destillation der Fall ist, hinlänglich Zeit haben, sich mit den nachdringenden, schwereren zu vermischen und nicht wie hier mit der Luft fortgetragen werden. Auch gewährt die Anwendung von Luft eine bedeutende Zeitersparniß.

Figur 18 stellt einen in Wirklichkeit bestehenden Apparat im senkrechten Längendurchschnitt dar.

A Luftpumpe, B Dampfkessel, C Kühlfaß mit Schlange, D Drosselventil, F Ofen zur Dampfüberhitzung; T ist ein Thermometer zum Ablesen der Temperatur der in die Blase gepumpten Luft und T' ein solches zur Temperaturbestimmung der Blasenfüllung.

R ist eine rotirende Dampfmaschine; S ist die aus Kesselblech gefertigte Blase mit Füllung bis S'; S'' ist ein Dampfmantel.

V ist ein Dampfgefäß mit der Spirale a² zum Vorwärmen der durch dieselbe nach a³ strömenden Luft. V² ist ein Behälter, welcher eine Auflösung gewisser (mir von dem Erfinder nicht näher bezeichneter) Chemikalien enthält. a⁴ ist eine daselbst hineintauchende Röhre, welche die Verlängerung von a³ bildet; a⁵ ist ein in den Kesselinhalt hineintauchendes und a⁶ ein über das Niveau desselben hervorragendes Rohr. V³ und V⁴ sind Hähne zur Dampfregulirung, und x¹ bis x⁶ (mit Ausnahme von x⁴) Hähne zur Luftregulirung.

Der Betrieb dieses Apparates ist im Wesentlichen der folgende:

Sobald der Dampf einen Druck von 25 bis 30 Pfd. per Quadratzoll erreicht hat, wird der Hahn V³ geöffnet. Der Dampf tritt durch den Ueberhitzer in den durch die Wand der Blase S und den dieselbe umgebenden Mantel gebildeten Raum, dort seine Wärme an die zu destillirende Flüssigkeit mittheilend. Zeigt das Thermometer T' dann 38° Cels. an, so wird die Pumpe A in Thätigkeit gesetzt. Zu dem Ende wird der Hahn V⁴ der vom Dampfgefäße V aufsteigenden Röhre geöffnet, jedoch nur so weit, um ungefähr 50 Kolbenhübe per Minute zu erzeugen. Gleichzeitig werden die Hähne x¹ und x⁶ geöffnet; x² und x³ bleiben indessen geschlossen. Nun muß die Temperatur rasch erhöht werden; indessen muß dafür gesorgt werden, daß die in die Blase gepumpte Luft mindestens die Wärme des Oeles habe; sie darf auch um 14 bis 16° C. heißer seyn.

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Ungefähr drei Stunden nach dem Beginne der Destillation wird die übergehende Flüssigkeit circa 50° Baumé anzeigen; die Temperatur des Oeles ist dann 149° Cels. In diesem Zeitpunkte soll nach dem Erfinder gern die Bildung ammoniakalischer Gase stattfinden und diese verhütet werden können, indem man die Luft durch eine Auflösung von in den Behälter V² einzuführender Chemikalien streichen läßt (!). Es wird dann der Hahn x¹ geschlossen, x² und x³ aber geöffnet. Von hier an wird die Temperatur sehr allmählich gesteigert. Am Ende der Operation findet der Erfinder es vortheilhaft, um die sonst regelmäßig eintretende Bräunung des Destillats zu verhüten, einen Strom von Kohlensäuregas in das Petroleum streichen zu lassen.

Die beliebtesten Kerosinöle sind diejenigen, welche ähnlich den Kohlenöldestillaten einen gewissen bläulichen Schimmer zeigen; wie dieser erzeugt wird, ist vielfach noch Geheimniß. Dasselbe besteht einfach darin, daß man eine geringe Menge Salmiak in die Destillirblase gibt; über die nähere Wirkungsweise dieses Salzes während der Destillation fehlt uns aber jede Erklärung.

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