Titel: Ueber Harrison'schen gußeisernen Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185, Nr. LXXI. (S. 253–262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/ar185071

LXXI. Ueber den Harrison'schen gußeisernen Dampfkessel; Bericht eines Comité's des Franklin Institute in Philadelphia.

Aus dem Journal of the Franklin Institute, Februar 1867, S. 131.

Mit einer Abbildung.

Das mit einer eingehenden Prüfung des Harrison'schen Dampfkessels79) beauftragte Comité besuchte am 30. October 1866 die Gießerei des Erfinders, des Hrn. Joseph Harrison jun. in Philadelphia (Rittenhouse Square), und hatte Gelegenheit derartige Kessel in verschiedenen Stadien ihrer Fabrication, sowie mehrere derselben in Thätigkeit zu sehen. In Gegenwart des genannten Comité's wurden verschiedene Versuche zum Beweise für die Festigkeit und die Dauerhaftigkeit dieser Kessel bei außergewöhnlich anstrengender Benutzung abgeführt.

Diese gußeisernen Kessel bestehen aus einer Combination von Hohlkugeln oder kugelförmigen Kammern, deren jede bei acht Zoll äußerem Durchmesser drei Achtelzoll Wandstärke besitzt. Diese Hohlkugeln sind mittelst gekrümmter Zwischenstücke oder Hälse von drei und einem viertel Zoll Durchmesser mit einander verbunden und werden durch schmiedeeiserne Schraubenbolzen zusammengehalten; in einer Richtung sind sie zu |254| zwei und zwei oder zu vier und vier an einander gegossen, so daß jede Kugel mit entgegengesetzten seitlichen Oeffnungen versehen ist; solche Kugeln bezeichnet der Erfinder als Zweikugel-, bez. Vierkugel-Einheiten.

Der Kessel kann, wie Harrison annimmt, in seiner kleinsten Form als eine einzige dieser Kugeln betrachtet werden, deren einander gegenüberliegende Seitenöffnungen mit Deckeln, die durch Bolzen festgehalten werden, verschlossen sind. Zwei solche, durch ein Zwischenstück oder einen Hals verbundene Kugeln mit ihren vier durch Deckel verschlossenen Seitenöffnungen bilden einen größeren, und vier, gleich beim Gießen mit einander verbundene Kugeln einen noch größeren Kessel. Auf diese Weise kann jede beliebige Anzahl von dergleichen Kugeln oder Elementen mittelst hindurchgehender Schraubenbolzen zu einem großen Kessel verbunden werden, dessen Festigkeit oder Widerstandsfähigkeit der Festigkeit der schwächsten in der gedachten Art verbundenen Kugel entspricht.

Bei dem Baue solcher Kessel für gewöhnliche Zwecke wird in der Regel eine Anzahl dieser Elemente so angeordnet, daß sie Sectionen oder Batterien bilden, welche der Länge nach aus zwölf bis dreizehn und in der Breite aus fünf bis sechs Kugeln bestehen, wie aus unten stehender Figur A ersichtlich ist. Diese Batterien werden zur Probe dem bedeutenden hydraulischen Drucke von dreihundert Pfund per Quadratzoll unterworfen, bevor sie zur Ablieferung an die Besteller kommen. Die Comitémitglieder waren Augenzeugen, daß bei einer Gewaltprobe einer solchen Batterie eine der Kugeln zerbarst, nachdem der Druck sechshundert Pfund per Quadratzoll erreicht hatte; eine zweite zersprang bei einem Drucke von sechshundertfünfundzwanzig Pfund. Es wurde ihnen ferner eine Batterie vorgezeigt, bei welcher ein Element bei neunhundert Pfund Druck per Quadratzoll zerbarst und die Beschädigung durch Einziehen eines neuen Elementes ausgebessert war, worauf die Batterie einen Druck von elfhundert Pfund per Quadratzoll auszuhalten vermochte, ehe sie wieder an einer anderen Stelle barst. Da die ausnutzbare Festigkeit der Batterie in allen Fällen der Festigkeit des schwächsten ihrer Elemente entspricht, so behauptet der Erfinder, daß sein Kessel an Sicherheit alle anderen gebräuchlichen Constructionen übertrifft und daß bei der Anwendung desselben jede Gefahr einer verderblichen Explosion wegfällt.

Zum Beweise für diese Behauptung hatte er eine Batterie von sechs Pferdekräften, von der Art, wie er sie gewöhnlich liefert, und ähnlich der einen in Gegenwart des Comité's mittelst hydraulischen Druckes probirten, in einem zu diesem Zweck in eine Thonbank eingebauten Ofen in der bei derartigen Kesseln üblichen Weise aufgestellt. Der Kessel wurde bis zu |255| der gewöhnlichen Höhe – zu etwa zwei Drittheilen – mit Wasser gefüllt, ohne daß ein Auslaß- oder Sicherheitsventil irgend einer Art angewendet wurde, indem ein enges Rohr die oberste Kugel mit einem in sicherer Entfernung (von etwa 200 Fuß) von dem Kessel angebrachten Hochdruckmanometer dicht verband; dann wurde mit trockenem Fichtenholze ein Feuer unter dem Kessel und um ihn herum angezündet, dessen Flammen, da der Wind gerade recht stark aus Westen direct in den Ofen blies, bald zu einer intensiven Hitze angefacht wurde.

Textabbildung Bd. 185, S. 255

Bald waren am Monometer Zeichen von Dampfbildung wahrzunehmen und der Druck vermehrte sich stätig bis auf vierhundertfünfzig Pfund per Quadratzoll, als plötzlich ein Entweichen von Dampf wie durch eine entstandene kleine Oeffnung stattzufinden schien; doch währte dieß nur wenige Secunden und die Comitémitglieder vermögen nicht mit Sicherheit zu entscheiden, ob diese Erscheinung wirklich vom Kessel selbst herrührte, weil ebensogut aus der feuchten Erdbank, in welche der Ofen hineingebaut war, eine geringe Wassermenge in das Feuer gekommen seyn konnte. Der Druck stieg nun in gleichförmiger Weise, bis er die enorme Höhe von achthundertfünfundsiebzig Pfund per Quadratzoll erreichte. Plötzlich entwich wiederum Dampf, dessen Volum |256| anscheinend nicht bedeutender war, als aus einem Sicherheitsventile von dritthalb Zoll Durchmesser entweichen konnte, wodurch sich der Druck auf vierhundertfünfzig Pfund verminderte, auf welcher Höhe er sich noch befand, als man behufs der näheren Untersuchung des Kessels das Feuer abgehen ließ. Während man zu diesem Zwecke den Kessel bloßlegte, ward ein anderer aus zwei Batterien von derselben Art, wie die vorher probirten, bestehender Kessel von ungefähr zwölf Pferdekräften geheizt, in welchem der Dampfdruck auf einhundertfünfundzwanzig Pfund stieg. Dieser Kessel hatte kein Sicherheitsventil, war aber mit einem Kugelventil von einem Zoll Querschnitt versehen, welches als Auslaßventil zur Regelung des Druckes im Kessel diente. Als das Comité diesen Kessel während des Heizens untersuchte, zeigten sich beide Manometer mit Wasser gefüllt. Das Ventil wurde so geöffnet, daß der Dampfdruck auf einhundert Pfund per Quadratzoll verringert wurde und von Zeit zu Zeit regulirt, um den Druck gleichförmig auf diesem Punkte zu erhalten. Nun wurde geschürt und dem Kessel kein Wasser weiter zugeführt. Nach Verlauf der gehörigen Zeit entwich beim Oeffnen des unteren Manometerhahnes kein Wasser. Bald darauf zeigte sich an der Batterie links an einer Verbindungsstelle ein kleiner Leck, welcher sich nach wenigen Minuten wieder schloß; eine ähnliche undichte Stelle machte sich an der rechts liegenden Batterie bemerkbar, doch schloß sich auch diese bald darauf, wornach im Laufe des Versuches sich weiter kein Leck zeigte. Indem das Wasser wegkochte, begann von den oberen Kugeln der Batterien, das heißt von den oberen Kugeln der untersten Reihe, welche durch ein über der Heizthür angebrachtes Schauloch sichtbar war, der Ruß wegzubrennen. Der Kessel gerieth nun allmählich in's Rothglühen und selbst als alles Wasser verdampft zu seyn schien, und der Druck langsam sich verminderte, stand das Manometer einige Minuten lang noch auf dreißig Pfund, als ob in den unteren Kugelreihen der Batterien noch etwas Wasser verdampfte – ein Beweis, daß der Kessel selbst in diesem rothglühenden Zustande dicht genug war, um Druck zu halten. Nachdem das Feuer abgegangen und der Kessel erkaltet war, zeigte sich, daß die die Elemente zusammenhaltenden Schraubenbolzen lose geworden waren, wie wenn sie sich in Folge der ungewöhnlichen Erhitzung des sie umgebenden Gußeisens gestreckt hätten. Während der Zeit, wo bei diesem Versuche der gedachte niedrige Wasserstand im Kessel stattfand, wurde der Ventilhahn öfters geschlossen, um den Druck zu erhöhen und dann rasch geöffnet, um den Druck auf die angenommene Norm von einhundert Pfund zu reduciren; auch dieß blieb ohne nachtheilige Folgen. Als das Manometer auf dreißig Pfund stand, waren sämmtliche, durch das Schauloch |257| und die Feuerthüren wahrnehmbaren Theile des Kessels bis zur Feuerbrücke des Ofens, hellrothglühend. Es konnte hierüber kein Zweifel bestehen, weil der Kessel, nachdem man das Feuer entfernt hatte, noch so heiß war, daß daran gehaltenes Holz sich entzündete.

Am 13. November 1866, Nachmittags vier Uhr, begab sich das Comité zur weiteren Untersuchung der probirten Kessel wiederum in die Harrison'sche Fabrik. Der einem Dampfdrucke von achthundertfünfundsiebzig Pfund per Quadratzoll ausgesetzt gewesene Kessel war, behufs der genaueren Besichtigung in das Fabrikgebäude gebracht worden. Der Werkführer sagte aus, daß, als der Kessel vom Ofen abgenommen wurde, nachdem das in ihm enthaltene Wasser (auf die in dem obigen Berichte angegebene Weise) durch Verdampfen ausgetrieben worden war, die drei unteren Bolzen anfänglich ganz locker waren, daß sich jedoch am anderen Morgen, nach vollständigem Erkalten des Kessels, einer derselben wieder fest gezogen hatte. Die beiden anderen schlössen zwar nicht wieder ganz dicht, doch bedurfte es zu ihrer Befestigung nur eines geringen Anziehens der Muttern um eine einzige Drehung. Das Comité wurde durch diese Thatsachen in seiner anfänglichen Annahme bestätigt, daß bei dieser außerordentlich strengen Probe der Druck von achthundertfünfundsiebzig Pfund hinreichend gewesen war, einige der Bolzen zu strecken, so daß die betreffenden Stoßflächen sich von einander zogen und auf diese Weise undichte Stellen entstanden, welche als Sicherheitsventile wirkten und eine Verminderung des im Kessel stattfindenden Dampfdruckes verursachten.

Der Kessel, dessen Wasser bei dem früheren Versuche vollständig verdampft und der dann bis zum Hellrothglühen erhitzt worden war, erwies sich als ganz unverletzt und vollkommen diensttüchtig; er lieferte nämlich reichlich Dampf, zeigte keinen Leck, und blies bei fünfundsechzig Pfund Druck durch das Sicherheitsventil ab. Aeußerlich hatte er an verschiedenen Stellen durch Oxydation etwas gelitten; nach den Mittheilungen der Arbeiter war er seit dem Versuche einer Veränderung oder Reparatur irgend einer Art nicht unterworfen worden und nur einige von den Schraubenbolzen hatten etwas angezogen werden müssen.

Ein dritter Kessel, eben so groß wie der vorige, von zwölf Pferdekräften, wurde nun ebenfalls, und zwar auf folgende Weise probirt. Nachdem er bis zur oberen Wasserlinie mit Wasser gefüllt worden, wurde er geheizt, bis der Druck auf neunzig Pfund gestiegen war, wobei er reichlich abblies. Dann wurde alles Wasser durch den Ausblashahn ausgetrieben; während dem sank der Druck auf sechzig Pfund, und blieb auf diesem Punkte bis Dampf das Ausblasrohr erreichte, wornach |258| der Druck auf Null herabgieng. Der Kessel ward nun drei Minuten hindurch leer gelassen, während das Feuer noch brannte; dann wurde er rasch mit kaltem Wasser gefüllt. Nach dreißig Minuten hatte der Dampf einen Druck von einhundert Pfund erreicht, und blies bei diesem Drucke ab; der Kessel zeigte sich ganz unverletzt und vollkommen dicht.

Am 17. November 1866 wiederholte Hr. Harrison im Beiseyn mehrerer Mitglieder des Comité's einen Versuch, welchen er am Tage zuvor schon zweimal und bereits zwei Tage vorher einmal, und zwar stets mit demselben Kessel abgeführt hatte.

Es wurde nämlich der zu den Proben vom 13. November benutzte Kessel geheizt; der Druck des erzeugten Dampfes stieg bis zu einhundertzehn Pfund. Das Feuer brannte gut – es war ein „recht helles“ Feuer – und schien zu einer reichlichen Dampferzeugung wohl geeignet; auch wurde es lange genug unterhalten, um die Ofenwandungen ganz durchzuheizen. Durch das Sicherheitsventil blies reichlich Dampf aus. Auf ein gegebenes Zeichen wurde plötzlich der Ausblashahn geöffnet und alles Wasser ausgeblasen, bis der Druck auf Null gefallen war und durch den Hahn weder Dampf noch Wasser entwich, so daß sich annehmen ließ, der Kessel sey vollständig trocken geworden. Nachdem nun der Ausblashahn wiederum geschlossen worden, ward aus einer Cisterne rasch kaltes Wasser in den Kessel gepumpt, dessen Wandungen, da er während der ganzen Zeit ununterbrochen einem kräftigen Feuer ausgesetzt geblieben war, eine sehr hohe Temperatur angenommen hatten. Mit dem Eintreten des Wassers in den Kessel stieg der Druck nach Angabe des Manometers etwa drei Minuten hindurch langsam, bis der Wasserspiegel den stärker erhitzten Theil des Kessels über der Feuerbrücke des Ofens erreicht haben muhte, was sich dadurch zu erkennen gab, daß der Druck anscheinend augenblicklich auf einhundertzehn Pfund stieg und durch das Sicherheitsventil eine reichliche Dampfmenge abblies.

Dieser Druck und dieses Entweichen von Dampf hielt einige Minuten ohne Schwankung an, als plötzlich im Ofen ein Entweichen von Dampf aus dem Kessel bemerkbar wurde und beim Oeffnen der Schaulochthür deutlich zu sehen war, wie aus einer der Stoßfugen des Kessels ein Wasserstrahl hervordrang. Ebenso schnell, in nicht ganz einer Minute, verstopfte sich der Leck von selbst. Dann, als das Wasser im Kessel stieg, entstand an der nächst höheren Verbindungsstelle ebenso plötzlich ein gleicher Leck und dichtete sich in derselben Weise, hernach ein dritter; worauf, nachdem erst durch das untere und bald darauf durch das zweite Manometer die Höhe des Wasserstandes ersichtlich geworden war, die |259| Pumpe außer Thätigkeit gesetzt wurde. In diesem Momente war der Druck auf einhundertzehn Pfund gestiegen und durch das Sicherheitsventil blies viel Dampf ab. Das Feuer war ebenso kräftig als beim Anfange des Versuches, und der Kessel erschien vollkommen dicht. Dieser Versuch war, wie schon bemerkt, dreimal angestellt worden, bevor er in Gegenwart des Comité's wiederholt wurde, und Harrison's Bericht über seine früheren Versuche stimmte mit den von den Comitémitgliedern beobachteten Thatsachen in jeder Beziehung überein.

Diese Probe ist sicherlich so streng als sie ein Kessel in Folge zufälliger Umstände wohl jemals auszuhalten hat und ist jedenfalls diejenige, welche wegen Nachlässigkeit der Arbeiter am leichtesten eintreten kann. – Während der Versuche verriethen Harrison's Leute bei den Manipulationen mit den Kesseln nicht die mindeste Befürchtung einer Explosion, sondern Zeigten ein wahrhaft merkwürdiges Vertrauen auf ihre Sicherheit. Mit Ausnahme des einen ganz geschlossenen Kessels, welcher dem enormen Drucke von achthundertfünfundsiebzig Pfund unterworfen ward, wurden sämmtliche Versuche in dem Gebäude abgeführt, in welchem die Kessel fabricirt werden, wo also jede Explosion bedeutende Verluste an Eigenthum, wenn nicht auch an Menschenleben, hätte herbeiführen müssen. Wäre ein gewöhnlicher schmiedeeiserner, vom besten Material und in der einfachsten Form angefertigter Kessel diesen Proben unterworfen worden, so würde er, aller Wahrscheinlichkeit nach, durch irgend eine derselben zerstört worden seyn.

In Bezug auf die Steinanhäufung in derartigen Kesseln können wir nur sagen, daß die Industriellen, welche solche Kessel bis jetzt am längsten im Gebrauche, haben, die Versicherung geben, daß durch gelegentliches Ausblasen des Kesselwassers unter vollem Dampfdrucke und darauf folgendes mäßiges Erwärmen des leeren Kessels durch die Ofenhitze, Wiederanfüllen mit Wasser und Ausspülen, der Kesselstein sich vollständig ablöst und durch den Ausblashahn fortgeht.

Das Comité hat das Verfahren bei der Fabrication dieser Kessel in der Harrison'schen Fabrik inspicirt und gefunden, daß die größte Sorgfalt aufgeboten wird, um recht vollkommene Arbeit zu liefern. Die Eigenthümlichkeiten des Kessels, sowie seine Anfertigungsweise sind aber auch der Art, daß durch die vorhandenen maschinellen Vorrichtungen, abgesehen von der Gewandtheit und Geschicklichkeit der Arbeiter, ein hoher Grad von mechanischer Vollendung erreicht wird. – Die Modelle für den Guß der Kugeln bestehen sämmtlich aus Gußeisen und sind der Länge nach mittelst einer durch den Mittelpunkt des Elementes gehenden, zu den Seitenöffnungen rechtwinkligen Ebene getheilt, indem diese |260| Oeffnungen den aus grünem Sande angefertigten Kernen, welche innerhalb des Modelles selbst und nicht in einem besonderen Mantel geformt werden, zur Stütze dienen, wodurch eine absolut gleichmäßige Metallstärke gesichert, überdieß dem Kerne mehr Nachgiebigkeit bei der Zusammenziehung des erkaltenden Eisens gegeben wird, als dieß bei Anwendung von Kernen aus trockenem Sande möglich ist. Die Stoßflächen der seitlichen, zur Verbindung der Elemente zu Batterien dienenden Verbindungsstücke werden mittelst einer höchst sinnreich construirten Maschine so abgerichtet, daß sie auf das Genaueste zusammenpassen, indem jene Flächen an der einen Seite Vertiefungen haben, denen an der anderen Seite befindliche Hervorragungen entsprechen, welche nebst den langen Schraubenbolzen dazu dienen, die Elemente in ihrer Lage fest zu erhalten.

Zerah Colburn bemerkte in einem Vortrage, welchen er im Jahre 1864 in der Versammlung des Instituts of Mechanical Engineers hielt80), „daß, wenn auch die absolute Festigkeit des Gußeisens nicht so groß als die des Schmiedeeisens ist, dem Harrison'schen Kessel durch die Kugelform eines jeden seiner Elemente doch eine ebenso große Festigkeit gesichert ist, denn die Widerstandsfähigkeit einer Hohlkugel gegen inneren Druck ist genau doppelt so groß als die eines hohlen Cylinders von demselben Durchmesser, bei gleichem Materiale und gleicher Wandstärke; es läßt sich nachweisen, daß sogar eine gußeiserne Hohlkugel von sieben Fuß Durchmesser und sieben Sechzehntelzoll Wanddicke dieselbe Festigkeit besitzt wie ein Cornwalliser Dampfkessel von gleichen Dimensionen.“ „Die Ebene, sagt Colburn, in welcher bei einer Hohlkugel ein Zerreißen oder ein Bruch stattfinden kann, ist die größte Ebene, welche sich durch dieselbe legen läßt, und die Metallmasse, welche dem das Zerreißen veranlassenden Drucke Widerstand leistet, ist der ganze Querschnitt des jene Ebene begrenzenden Metalles.“„Bei einem hohlen Cylinder wird die Fläche, auf die der Druck ausgeübt wird, welcher das Zerreißen herbeizuführen strebt, durch das Product der Länge des Cylinders in den Durchmesser des Cylinders repräsentirt.“ „Die Enden eines solchen Cylinders tragen zu einer größeren Festigkeit des cylindrischen Theiles, wenn ein Bruch an letzterem Theile beginnt, nichts bei; denn die Metallmasse, welche dem Bruche im Cylinder effectiv Widerstand leistet, entspricht nur der Länge desselben.“

Die sphärische Form aller Theile dieses Kessels bildet einen Hauptvorzug desselben, nicht allein was die Festigkeit anbetrifft, sondern auch weil in Folge dieser Form der Einwirkung des Feuers eine größere |261| Fläche dargeboten wird als bei jedem combinirten Cylinder. Der Erfinder schreibt der sphärischen Form mit den gebogenen Hälsen oder Verbindungsstücken ferner die bereits erwähnte Eigenschaft des Kessels zu, im wasserleeren Zustande sich des Kesselsteines durch Zertrümmerung desselben zu entledigen, indem derselbe keinen Haltpunkt mehr findet.

Der Werth des Gußeisens in Bezug auf Dauerhaftigkeit ist längst anerkannt worden. Je reiner das Eisen ist, desto leichter wird es corrodirt, während selbst ein geringer Kohlenstoffgehalt die Widerstandsfähigkeit des Metalles gegen Corrosion vermehrt. Schmiedeeiserne Röhren werden im Erdboden bekanntlich sehr bald durch Rostbildung unbrauchbar; gegossene Eisenröhren dagegen bleiben, selbst wenn sie von derselben Dicke sind, nach langjährigem Gebrauche gut; in der Praxis betrachtet man sie sogar als einer solchen Zerstörung gar nicht unterworfen. Das Metall der aus Schmiedeeisen angefertigten Dampfkessel wird an den Innenseiten zerstört – am raschesten an den Stellen, wo Feuchtigkeit und atmosphärische Luft vereint einwirken, während diese Kessel häufig an der äußeren Seite in Folge unbedeutender Lecke und des fortwährenden Herabtröpfelns von Wasser über ihre Oberfläche durchgefressen werden. Nach den Resultaten der von Fairbairn und Anderen abgeführten Versuche werden schmiedeeiserne Kessel durch das Nieten etc. so geschwächt, daß sie dadurch eine Verminderung ihrer Festigkeit von etwa vierzig Procent erleiden. Der Harrison'sche Kessel besteht aus systematisch mit einander verbundenen Elementen von möglichst gleichmäßiger Festigkeit, welche durch die Vereinigung der einzelnen Elemente zu einem Ganzen durchaus nicht abgeschwächt wird. Bei Beschädigung irgend eines Theiles des Kessels läßt sich das verletzte Element beseitigen, und anstatt wie bei den schmiedeeisernen Kesseln reparirt werden zu müssen, durch ein neues Element ersetzen. Das Flicken eines beschädigten schmiedeeisernen Kessels macht denselben schwächer; die Erneuerung eines Elementes des Harrison'schen Kessels dagegen gibt diesem seine frühere Festigkeit zurück.

Die im Vorstehenden beschriebenen Versuche wurden zu dem Zwecke abgeführt, die Sicherheit und Dauerhaftigkeit des Harrison'schen Kessels bei ungewöhnlich strengem Gebrauche zu erproben, oder vielmehr zu bestimmen, ob Gefahr damit verbunden ist, wenn diese gußeisernen Kessel Umständen ausgesetzt werden, welche gewöhnliche schmiedeeiserne Kessel voraussichtlich zum Explodiren bringen oder doch schwer beschädigen würden.

Das Comité hegt die Ueberzeugung, daß der Harrison'sche Kessel |262| vollkommen zuverlässig und selbst bei fahrlässiger Behandlung von jeder Explosionsgefahr frei ist. Schon dieser Vorzug allein muß denselben, vom Standpunkte der Humanität aus, der Gunst des Publicums in hohem Grade empfehlen. Bei Abführung der mitgetheilten Versuche machte sich seine Dampferzeugungsfähigkeit auf eine sehr günstige Weise bemerklich; ebenso schienen die in Gebrauch stehenden derartigen Kessel, welche das Comité zu untersuchen Gelegenheit hatte, in Bezug auf Brennmaterialverbrauch zur Zufriedenheit zu arbeiten; doch ist das Comité, da in dieser Beziehung unter seiner unmittelbaren Aufsicht keine Versuche angestellt wurden, nicht im Stande hinsichtlich dieses Punktes mit gleicher Entschiedenheit sich auszusprechen, wie in Bezug auf das Dampferzeugungsvermögen des Kessels.

Hinsichtlich der Wärme-Transmission sind bekanntlich Gußeisenplatten im Vergleich zu geschmiedeten Platten von gleicher Stärke im Vortheil; daher ist ersteres Material, wenn es eine angemessene Form erhält, zu einer billigen Dampferzeugung geeigneter als Schmiedeeisen. Gewöhnliches Kesselblech ist selten unter einem Viertelzoll, meistens drei Achtelzoll stark, besonders für Hochdruckkessel. Bei den zu den mitgetheilten Versuchen benutzten Kesseln hatten mehrere von den gußeisernen Elementen eine Stärke von nur drei Sechzehntelzoll, und arbeiteten mit gutem Erfolge bei einem Dampfdrucke von einhundert Pfund per Quadratzoll, welcher zum Betriebe der sämmtlichen Maschinen in der Harrison'schen Fabrik hinreichte.

Durch Hinzufügung von mehr Elementen kann man den Harrison'schen Kessel beliebig vergrößern, und andererseits läßt sich seine Form den Erfordernissen jedes einzelnen Falles anpassen.

Aus den angeführten Gründen sieht sich das Comité veranlaßt, dieser Erfindung seinen vollsten Beifall zu spenden und sie dem betheiligten Publicum auf das Angelegentlichste zu empfehlen.81)

|253|

Ueber diese Dampfkessel vergleiche man die Mittheilungen im polytechn. Journal Bd. CLXXIV S. 99, Bd. CLXXVI S. 329, Bd. CLXXXIII S. 115.

|260|

Engineering Facts and Figures, by A. Betts Brown, for 1864 (page 12).

|262|

Unterzeichnet ist der vorstehende Bericht von den Mitgliedern des mit der Untersuchung beauftragten Subcomité's: Coleman Sellers, Vorsitzenden, John Agnew, John F. Frazer, H. Morton, J. C. Cresson.

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