Titel: Walzwerke mit vor- und rückwärts rollenden Walzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185, Nr. LXXIV. (S. 268–270)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/ar185074

LXXIV. Ueber englische Walzwerke mit vor- und rückwärts rollenden Walzen.

Aus dem Engineering, Januar 1867, S. 1.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Walzwerke, bei denen die Bewegungsrichtung der Walzen nach jedesmaligem Durchgange der Packete etc. umgekehrt werden kann, sind in der letzten Zeit in England vielfach eingerichtet worden und ihre Anwendung ist für einzelne Zwecke, z.B. für starke Panzerplatten, wegen dem großen Gewichte der Massen, womit man zu thun hat, und wegen der Möglichkeit bei einer Hitze mehr Durchgänge und somit eine nicht unbeträchtliche Brennmaterialersparniß zu erzielen, zur Nothwendigkeit geworden.

In den London und North-Western Stahlwerken zu Crewe wird die Umsteuerung der Walzenbewegung durch die Umsteuerung der gekuppelten Betriebsmaschinen selbst bewerkstelligt. Diese Maschinen haben 28 zöllige Cylinder mit 4 Fuß Hub und machen 3 1/2 Umdrehungen auf eine Umdrehung der Walzen. Sie haben entlastete Schieber und werden durch eine hydraulische Vorrichtung umgesteuert, ohne daß der Dampf abgesperrt wird. Diese Anordnung arbeitet so leicht, daß man in einer Minute 73 Durchgänge erzielt hat. Die angewendeten Walzen sind 6 Fuß 10 Zoll lang, haben 24 Zoll Durchmesser und bearbeiten eine Luppe von der gewöhnlichen Stärke in 11 Durchgängen auf die Dicke einer Locomotivrahmenplatte. Das Zuspannen der Walzen geschieht bei jedem Durchgange ebenfalls durch hydraulischen Druck.

Bei dem Walzwerke der HHrn. W. H. und G. Dawes in Elsecar bei Barnsley, sowie bei dem Panzerplatten-Walzwerke der HHrn. John Brown und Comp. in Sheffield, und bei einigen anderen wird die Umkehrung der Bewegung durch eine verstellbare Kuppelung bewerkstelligt.

Der Plattenwalzen-Train zu Elsecar ist einer der vollkommensten |269| in England und zugleich einer der ersten, bei welchem das Princip der Umkehrung Anwendung gefunden hat.

Fig. 57 stellen die ganze Anordnung in Grundriß, Vorder- und Seitenansicht dar. Auf der Schwungradwelle A der Betriebsmaschine sitzt ein Getriebe B von 2 Fuß Durchmesser, 15'' Breite und 15 Zähnen. Dieses Getriebe greift in ein Zahnrad C von 8 Fuß Durchmesser mit 60 Zähnen, welches auf einer Vorgelegwelle D befestigt ist und in ein anderes Rad E von gleichen Dimensionen eingreift, das lose auf seiner Welle F sitzt. Auf der Vorgelegwelle D ist ferner ein zweites Rad G mit 30 Zähnen von 4 Fuß Durchmesser befestigt, welches in ein zweites Zahnrad H von derselben Größe eingreift, das auf einer besonderen Welle sitzt und zur Uebertragung der Bewegung auf ein drittes, auf der Welle F lose sitzendes Zahnrad J von denselben Dimensionen dient.

An den Naben der Zahnräder E und J sind Klauen K angegossen. Zwischen diesen Rädern sitzt auf der Welle F, welche zugleich die Betriebswelle des Walzwerkes bildet, ein verschiebbarer Klauenmuff L, welcher durch eine in die Welle eingeschliffene Feder in der gewöhnlichen Weise am Umdrehen gehindert wird, und mittelst eines Hebels M seitlich verschoben werden kann; je nachdem der Muff L mit dem Rade E oder J verbunden ist, muß daher die Welle F der Bewegung des einen Rades in einer Richtung, oder derjenigen des anderen, welches durch die Anwendung des Zwischenrades H sich in entgegengesetzter Richtung bewegt, folgen.

Was die Verhältnisse und Dimensionen des erwähnten Walzentrains betrifft, so wird man aus dem Obengesagten ersehen, daß das Schwungrad vier Umdrehungen macht, während die Walzen eine Umdrehung zurücklegen. Die Schwungradwelle hat einen Durchmesser von 16 Zoll, das Schwungrad selbst einen solchen von 18 Fuß. Sein Kranz hat 12 Zoll Breite und 10 Zoll Höhe: das Rad hat acht Arme, die mit der Nabe aus einem Stück gegossen und mit dem Ringe durch schwalbenschwanzförmige Ansätze verbunden sind. In gleicher Weise sind auch die großen Zahnräder construirt. Die Vorgelegwelle D hat 14 Zoll Durchmesser; ihre Lagerschenkel sind 15 Zoll lang und haben 12 Zoll im Durchmesser.

Die Art, in welcher die Bewegung von dem Räderwerke auf die Walzen übertragen wird, ist aus der Zeichnung klar ersichtlich. Die unteren Walzen des Trains sind direct mit einander verbunden, während zwischen den Luppen- und den Streckwalzen ein paar Getriebe N angebracht sind, welche die Bewegung auf die oberen Walzen übertragen. Diese Getriebe, welche in einem festen Rahmen sitzen, sind 20 Zoll breit |270| und haben einen Durchmesser von 2 Fuß. Die Kuppelmuffe, welche diese Getriebe mit den oberen Walzen verbinden, sitzen etwas lose auf den Verbindungsstücken.

Die dem Räderwerke zunächst gelegenen Walzen haben eine Länge von 7 Fuß bei 31 Zoll Durchmesser; das nächste Paar ist 6 Fuß lang und hat 21 Zoll Durchmesser, während das dritte Paar, dessen obere Walze lose mitläuft, nur 5 Fuß lang ist und 20 Zoll Durchmesser hat. Die Ständer der Walzen sind von der gebräuchlichen Stärke.

Die Plattenwalzen werden behufs größerer Dauerhaftigkeit in dicken eisernen Schalen gegossen. Die in denselben zu walzenden Packete werden im Allgemeinen breiter, kürzer und dünner gehalten, als die Packete für Stabeisen. Die Platten werden abwechselnd der Längen- und Seitenrichtung nach durch die Walzen gelassen und wenn Bleche für Dampfkessel gefertigt werden, soll die Länge und die Breite des Packetes den Dimensionen des fertigen Bleches proportional seyn, so daß dieselben durch die Walzen in jeder Richtung gleichmäßig gestreckt werden können. – Die einzelnen Stäbe sollen auch beim Bilden der Packete theils der Länge, theils der Quere nach gelegt werden, und wenn dann beim Walzen die entsprechende Vorsicht nicht außer Acht gelassen wird, so werden so gebildete Platten nach der Vollendung in beiden Richtungen gleiche Widerstandsfähigkeit darbieten. – Bei Herstellung der langen für den Schiffbau erforderlichen Platten findet beim Walzen die größte Ausdehnung der Packete nach der Längenrichtung statt, weßhalb auch die Fasern größtentheils in dieser Richtung laufen müssen. Um diesem Uebelstand möglichst abzuhelfen, werden die Packete für solche Platten so angeordnet, daß sie eine große Anzahl querliegender Stäbe enthalten, wodurch eine größere Uebereinstimmung in der Stärke der Bleche nach den beiden Richtungen erzielt wird.

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