Titel: Ueber die Existenz einer stärkmehlartigen Substanz im Eigelb; von Camille Dareste.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 17 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi01_17

Ueber die Existenz einer stärkmehlartigen Substanz im Eigelb; von Camille Dareste.

Im Eigelb existirt eine sehr beträchtliche Menge mikroskopischer Körnchen, welche sich unter dem Einflusse des Jods blau färben und deren Form und Structur sehr genau mit derjenigen des Stärkmehls übereinstimmt. Ihr Volumen ist sehr verschieden. Meistens sind sie außerordentlich klein, aber man trifft auch einige, welche das Volumen der größten Weizen-Stärkmehlkörner besitzen. Diese voluminösen Körner sind im allgemeinen nierenförmig, wenig dick und haben eine convex-concave Oberfläche. Neben einfachen Körnern habe ich zusammengewachsene beobachtet, deren Formen ganz derjenigen ähnlich sind, welche Trécul aus mehreren Vegetabilien in seiner Arbeit über das Stärkmehl beschrieben und abgebildet hat. An den größten Körnern konnte ich oft die Existenz concentrischer Schichten und diejenige eines Kernpunktes beobachten.

Diese stärkmehlartigen Körner bilden eine fast zusammenhängende Schicht im Inneren der Kügelchen des Eigelbes. Diese Schicht, deren Form wesentlich sphärisch ist, umgibt das Oeltröpfchen, welches das Centrum des Kügelchens einnimmt; ihrerseits ist sie umgeben von der Hülle einer stickstoffhaltigen Substanz.

Diese Lage der die stärkmehlartigen Körnchen bildenden Schicht im Inneren der Eigelbkügelchen macht ihre Beobachtung ziemlich schwierig, denn die stickstoffhaltige Substanz der Hülle des Kügelchens, die Schicht der stärkmehlartigen Körner und das Oeltröpfchen im Centrum des Kügelchens werden durch Jod verschieden gefärbt. Die stickstoffhaltige Substanz wird dadurch gelb, die Amyloidkörner blau und das Oel roth. Die Färbung der Kügelchen ist also die Resultante dieser drei über einander gelagerten Färbungen.

Um die Schicht der Amyloidkörner gut zu sehen, muß man sie durch Zerreißen der äußeren stickstoffhaltigen Hülle aus dem Kügelchen austreten lassen, was auf mehrfache Weise gelingt. Am besten geschieht es, daß man das Ei in Wasser hart siedet, wodurch die Eigelbkügelchen die polyedrische Gestalt annehmen, die für sie charakteristisch ist, wenn ihre äußere Hülle fest geworden ist. Man läßt sie einige Tage lang trocken werden und bringt sie dann auf einem Objectträger mit Jodtinctur in Berührung. Man kann nun beobachten, daß diese Kügelchen bersten und ihr Inhalt austritt. Dieses Zerreißen der Eigelbkügelchen geschieht übrigens auf eine sehr ungleiche Weise. Die einen, und dieß sind die wenigsten, bersten fast augenblicklich. Bei den meisten geschieht dieß aber erst nach mehrstündiger Berührung. Die Kügelchen des Schleimhäutchens vom Blastoderma zeigen wie die Eigelbkügelchen, welchen sie fast vollkommen gleichen, eine mit Amyloidkörnchen erfüllte Schicht. Diese Körnchen spielen bei der Entwickelung des Embryo offenbar eine wichtige Rolle, denn sie verschwinden in Masse während der Entwickelung des Embryo im ganzen Theile des darunter liegenden Schleimhäutchens. Durch das Verschwinden dieser stärkmehlartigen Substanz entsteht der klare Raum, welchen die Embryologen durchsichtige Luft nennen und worüber meine Beobachtungen gehörigen Aufschluß geben.

Sind diese stärkmehlartigen Körner des Eigelbes und des Schleimhäutchens genau mit dem vegetabilischen Stärkmehl zu vergleichen? Ich nehme dieß an, aber ich werde es nur durch den Nachweis der chemischen Eigenschaften derselben bestätigen können. Nach Entscheidung dieser Frage, die ich bald vornehmen zu können hoffe, will ich dann aus dieser Entdeckung die physiologischen Folgerungen ziehen und auf die unerwartete |88| Analogie zwischen dem Ei und dem Getreidesamen hinweisen. (Aus den Comptes rendus, durch Neues Repertorium für Pharmacie Bd. XVI S. 114.)

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