Titel: Cotonisiren von Flachs und Hanf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 18 (S. 88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi01_18

Cotonisiren von Flachs und Hanf.

In der Société industrielle de Mulhouse (Bulletin 1866, p. 431) wurde der Bericht einer Commission verlesen, die in den Vereinigten Staaten beauftragt worden war zu ermitteln, ob Hanf und Flachs statt der Baumwolle auf Baumwollspinnmaschinen versponnen werden können. Während der Baumwollkrisis hat sich eine Anzahl von Baumwollspinnereien auf das Verspinnen von Flachs gelegt, der dazu für niedrige Nummern mechanisch, für feine Nummern chemisch und mechanisch vorbereitet wurde. Im ersten Falle wurde das gereinigte Rohmaterial ein oder zwei Mal durch einen Oeffner passirt, gewöhnlich den von Mallory und Sandford, welcher aus einer Anzahl mit Spitzen besetzter Trommeln besteht. Von den Krempeln werden am häufigsten Igelkrempeln angewendet; die Strecken haben drei Cylinderpaare von 1 bis 1 1/4'' Durchmesser, deren mittleres aus Stachelwalzen besteht; der gesammte Verzug findet zwischen dem ersten Cylinderpaare und den Stachelwalzen statt; man streckt 2 oder 3 Mal. Die Spindelbänke und die Spinnmaschinen haben ähnliche Streckwalzen. Man hat auf diese Weise nur die Nummern 6 bis 10 gesponnen. Zur Vorbereitung des Flachses für höhere Nummern wendet man verschiedene Methoden an. Nach der von Burgheß setzt man den Hanf in einem Kessel eine Stunde lang bei 138° C. der Einwirkung von Aetznatronlauge aus, wobei man per Pfund Hanf circa 1/2 Pfd. Aetznatron nimmt. Dann wäscht man den Hanf im warmen Wasser bis jede Spur von Alkali entfernt ist, bleicht mit Chlor, trocknet, wäscht und behandelt den Hanf auf einer besonders dazu construirten Maschine, worauf er für die Spinnerei fertig ist. So vorbereiteter Hanf ist theils mit Baumwolle, theils allein auf Baumwollspinnmaschinen, die wie oben abgeändert waren, versponnen worden; die bisherigen Erfahrungen gestatten aber noch kein entschiedenes Urtheil über den Werth des Verfahrens. Der mechanisch vorbereitete Hanf kostete im Durchschnitte circa 10 1/2 Cts., der chemisch vorbereitete circa 19 Cts. per Pfd. (Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1867, Nr. 19.)

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