Titel: Eine große Röhrengießerei in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 8 (S. 82–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi01_8

Eine große Röhrengießerei in England.

Cochrane, Grove u. Comp. auf Ornsley-Gießerei (Middlesborough) und zu Woodfide (Dudley) erzeugen sehr bedeutende Mengen gußeiserner Röhren, vielleicht die bedeutendste Menge auf der Erde, indem sie allein in dem erstgenannten Etablissement wöchentlich 12,000 Ctr. Röhrenguß lieferten. Dieses Etablissement wurde vor ungefähr 12 Jahren auf einem Sumpfe errichtet, der bei jeder Fluth überschwemmt wurde, und es bedurfte daher einer sehr erheblichen Auffüllung, um eine gute Gründung zu erhalten. Es grenzt an die Hohofenanlagen von Cochrane und von Gilkes, Wilson, Peace und Comp. und liegt an dem südlichen Ufer des Tees, der eine sehr bequeme, auch durch eine Anzahl Krahne erleichterte Ausschiffung bietet. Die Röhren werden gruppenweise in verticaler Richtung gegossen und die Formen einer jeden Gruppe in folgender Weise rasch getrocknet. Eine horizontale Gebläsemaschine treibt Luft durch eine ungefähr 12 Fuß unter der Gießereisohle liegende Röhrenleitung, welche in den Böden der Gruben für die verschiedenen Formengruppen ausmündet. Ueber jeder Einmündung der Leitung in eine Grube befindet sich ein eiserner Korb mit brennenden Kohks und oben ist die Grube mit einer Haube aus Kesselblech bedeckt, welche eine kleine Oeffnung zum Entweichen der erhitzten Luft hat. Die Kerne für die größeren Sorten werden auf Cochrane's vor einigen Jahren patentirten Kernspindeln hergestellt, |83| die beim Schwinden des Gußstückes ein Nachgeben des Kernes gestatten. Diese Kernspindeln, welche aus Eisen bestehen, sind verhältnißmäßig leicht und brauchen nur mit einer kaum mehr als 3/8 Zoll dicken Lehmbedeckung bekleidet zu werden. Diese dünne Lage trocknet rasch und dazu kommt noch der weitere Vortheil, daß man kaum halb so viel Kernspindeln braucht, als bei den dicken, schwer trocknenden Lehmlagen. Die zusammenziehbaren Kernspindeln schließen sich unten scharf an den Boden und werden im oberen Theile derselben durch Streben concentrisch eingestellt; während der Abkühlung des Gußstückes werden sie dann um 1/4–3/4 Zoll, der Weite der Röhre angemessen, zusammengezogen, so daß der Kern leicht ausgehoben werden kann. Ehe die zusammenziehbaren Kernspindeln in Gebrauch kamen, wurden die Kerne mit Heubändern umbunden. Das Heu hatte aber, abgesehen davon, daß es bedeutend im Preise stieg, den Nachtheil, daß das Metall, obschon die Bänder sehr straff und dicht aufgewunden wurden, beim Gießen unregelmäßig in die Oberfläche des Kernes eindrang, wodurch in der fertigen Röhre Rinnen entstanden, welche der durchgeführten Flüssigkeit vermehrten Widerstand entgegensetzten. Auch brauchten die Heubänder bisweilen 1 Zoll und selbst noch mehr Lehmbedeckung, damit der Kern an der Oberfläche glatt wird, und dieß erfordert wieder verlängerte Trockenzeit. Zum Schmelzen des Eisens dienen Kupolöfen, die ihren Wind durch Ventilatoren erhalten. Die meisten der Mahne – und deren ist eine große Anzahl vorhanden – werden von der Dampfmaschine aus betrieben; einige aber auch durch eigene oscillirende Cylinder. Um von der Größe des Betriebes einen Begriff zu geben, sey erwähnt, daß man Kellen von 70 Ctr. Inhalt hat, wovon z.B. zwei nothwendig sind, um die 130 Ctr. schweren, 10 1/2 Fuß weiten Röhren für die Metropolitan-Main Drainage zu gießen. Kürzlich hat das Etablissement eine Bestellung auf 120,000 Ctr. 3 Fuß weiter Röhren für die Wasserwerke zu Calcutta erhalten. Jede Röhre wird auf 200 Fuß Wassersäulendruck, der unter Umständen auch auf 400 Fuß gesteigert wird, probirt, dann erhitzt und in Steinkohlentheer eingetaucht und endlich an den Verbindungsstellen, wenn es dessen bedarf, bearbeitet. (Berggeist, 1867, Nr. 41.)

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