Titel: Ueber die Verwendung des Thees zum Schönen der Weine; von Emil Sommer in Edenkoben (bayr. Rheinpfalz).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 12 (S. 167–168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi02_12

Ueber die Verwendung des Thees zum Schönen der Weine; von Emil Sommer in Edenkoben (bayr. Rheinpfalz).

Es kommt bekanntlich nicht selten vor, daß trüb gewordene, insbesondere weiße Weine beim Schönen der klärenden Wirkung der Hausenblase oder Gelatine einen ungewöhnlichen Widerstand entgegensetzen und trotz wiederholter Anwendung dieser Stoffe ihre Trübung nicht verlieren, indem dieselben entweder von Natur, oder in Folge krankhafter Veränderungen, nur wenig oder gar keine Gerbsäure enthalten.

Als ein wirksames und bewährtes Mittel, in solchen Fällen die Klärung oder Schönung „trüb und zäh' gewordener Weine“ rasch und sicher zu bewerkstelligen, hat Dr. Haidlen in Stuttgart das im polytechn. Journal Bd. CLXXXIV S. 80 mitgetheilte Verfahren empfohlen, in welchem besonders der Mitanwendung von „Thee“ gedacht wird.

Der Zweck dieser Zeilen soll nun seyn, jenes Verfahren sowohl von wissenschaftlichem wie von ökonomischem Standpunkte aus etwas eingehender zu besprechen.

Um die Rolle, welche der Thee bei der in Rede stehenden Verwendung als Weinschöne spielt, richtig zu verstehen, dürfte es zweckmäßig erscheinen, zunächst kurz das Princip in's Auge zu fassen, auf welchem überhaupt das Schönungsverfahren beruht. Wie bekannt, hat dasselbe den Zweck, trübe, unvollkommen geklärte Weine von den unter diesen Umständen darin schwebenden und die Trübung bedingenden Eiweiß- und Fermentstoffen zu reinigen und hierdurch auf künstliche Weise zu klären. Man erreicht diesen Zweck halb auf chemischem, halb auf mechanischem Wege durch eine Art Umkehrung des Filtrationsverfahrens in der Weise, daß man dem zu klärenden Weine eine Auflösung leimgebender Substanzen, wie Gelatine, Hausenblase u.s.w. zusetzt, welche sich hierbei mit der in den meisten Weinen, wenn auch oft in sehr geringer Menge enthaltenen Gerbsäure zu einer geronnenen, käsigen, fast netzartigen Masse verbinden, welche die trübenden Stoffe einhüllt und so gleichsam ein bewegliches Filter bildet, das langsam und allmählich von der Oberfläche des Weines auf den Boden des Fasses niedersinkend, die in der Flüssigkeit schwimmenden Unreinigkeiten mit sich hinabzieht und dieselbe auf diese Weise klärt.

Damit demnach die Operation von Erfolg begleitet sey, ist es ein unerläßliches Erforderniß, daß der zu schönende Wein Gerbsäure enthalte, und man ist deßhalb, im Fall diese von Natur aus darin fehlt, genöthigt, diesen Bestandtheil auf künstlichem Wege durch Hinzugießen eines Eichenrinden- oder Galläpfelauszuges oder einer Tanninlösung zu ersetzen, da sonst die angewendete Hausenblase oder Gelatine wirkungslos seyn Würde. In einem derartigen Falle befand sich nun offenbar auch der von Dr. Haidlen behandelte trüb und zäh gewordene (gerbsäurearme) Wein, wie dieß aus der mitgetheilten Thatsache hervorgeht, daß die angewendete Gelatine für sich allein die Klärung nicht zu bewirken vermochte; und indem er deßhalb seinem Weine einen weinigen Auszug von Thee zusetzte, befolgte er einfach das eben beschriebene Verfahren, mit dem Unterschiede jedoch, daß er die erforderliche Gerbsäure statt aus Galläpfeln aus dem viel theureren Thee verwandte, denn was in dem Haidlen'schen Schönungsverfahren ein „weiniger Theeauszug“ genannt wird, ist im Grunde genommen weiter nichts als eine gewöhnliche Gerbsäurelösung, da alle übrigen Bestandtheile des Thee's hier ohne alle Wirkung sind und daher nur die darin enthaltene Gerbsäure als alleinig wirksamer Bestandtheil in Betracht kommt.

Von dem Vorhandenseyn der Gerbsäure in den Theeblättern kann man sich bekanntlich leicht dadurch überzeugen, daß man die Lösung eines Eisenoxydsalzes in einen Theeabsud gießt, wobei letzterer die charakteristische Reaction der Gerbsäure dadurch zu erkennen gibt, daß die Flüssigkeit sofort sich schwarz färbt. Indeß ist der Gehalt der Theeblätter an Gerbsäure verhältnißmäßig ein so geringer, daß es jedenfalls nicht gerathen erscheint, die zum Schönen gerbsäurearmer Weine erforderliche |168| Tanninlösung in Gestalt eines Theeaufgusses zu verwenden, während wir in der Eichenrinde und den Galläpfeln eine viel reichere und wohlfeilere Quelle der Gerbsäure besitzen. Wie richtig diese Behauptung ist, geht überdieß schon aus Haidlen's eigener Angabe hervor, der zufolge das Schönen von 1 Eimer Wein 1/2 Pfd. Thee, d.h. eine Ausgabe von ungefähr 40 bis 50 kr. erfordert, wogegen die für dasselbe Quantum genügende Galläpfeltinctur nur wenige Groschen kosten würde. Mit demselben Rechte, mit welchem man den Thee als Schönungsmittel empfiehlt, könnte man denselben füglich auch zur Bereitung von Tinte sowie zum Gerben des Leders in Vorschlag bringen.

Außerdem ist kaum zu bezweifeln, daß durch den Zusatz eines Theeauszuges dem Weine Stoffe zugeführt werden, welche der Reinheit und Ursprünglichkeit desselben nur schaden können, da die Flüssigkeit den Theeblättern außer dem Gerbstoffe jedenfalls auch noch andere Bestandtheile, namentlich Theeïn entzieht, welche somit gleichfalls, sicherlich nicht zum Vortheile des Getränkes, in den Wein gelangen und darin verbleiben.

Wenn man sich endlich erinnert, von welch' wechselnder und unsicherer Beschaffenheit der Thee im Allgemeinen ist, wie oft derselbe nach gewiesenermaßen verfälscht, ausgelaugt, gefärbt und durch verschiedene Mittel zum Verkaufe wieder aufgeputzt zu uns gelangt, so wird man mit Recht Bedenken tragen, eine derartige Substanz als Surrogat statt des reinen Tannins mit dem edlen Rebensafte in Berührung Zu bringen.

Die Wahl des Thees als Schönungsmittel erscheint uns daher als verfehlt und dürfte die Anwendung desselben für genannten Zweck weit eher zu widerrathen als zu empfehlen seyn. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1867, Nr. 11.)

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