Titel: Ueber die Nachtheile der Ofenklappen; von C. Kohn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 13 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi02_13

Ueber die Nachtheile der Ofenklappen; von C. Kohn.

Es wäre überflüssig, alle die Todesfälle durch Erstickung, die mitunter ganze Familien in Folge des Absperrens der Ofenröhrenklappen betroffen haben, aufzuzählen. Ein in jüngster Zeit abermals vorgekommener Fall der Art, durch welchen in Wien eine Familie, aus 5 Gliedern bestehend, hingerafft wurde, weist die traurige Wahrheit genügend nach.

Viele Leute glauben noch immer, wenn das Brennmaterial im Ofen nicht mehr mit Flamme brennt, solle man die Wärme, damit selbe nicht durch die Röhren entweicht, durch das schließen der Ofenklappe im Zimmer erhalten. Dieß ist aber eine ganz falsche Ansicht. Die Rauchröhre eines Zimmerofens ist nämlich leider noch immer die einzige Ventilationsvorrichtung, welche die Zimmerluft erträglich macht, besonders die von Schlafgemächern.

Es ist kaum zu begreifen, wie nun unsere Vorfahren auf die Idee verfallen sind, eine Absperre zwischen der Feuerstelle und dem Abzugsrohre einzuschalten; aber noch unbegreiflicher ist es, wie sich dieser Unsinn noch in unseren Tagen erhält. Alle Oefen in unseren elegantesten Wohnhäusern und Palästen sind noch mit solchen Absperrklappen versehen. Will man die Wärme im Zimmer erhalten, so schließe man die Ofenheizthür und den Aschen fall ab. Es ist dann wenigstens nicht die Gefahr vorhanden, daß die Ofengase in's Zimmer treten, sondern es werden dieselben durch die Rauchröhre ungehindert abziehen und im ungünstigsten Falle im Ofen stagniren und somit keine Gefahr bringen, daher auch nie ein Unglücksfall zu beklagen seyn wird.

Da es somit sowohl in wissenschaftlicher als praktischer Beziehung nachgewiesen werden kann, daß der übliche Absperrungsapparat an unseren Zimmeröfen nicht nur total unnütz ist, sondern sogar lebensgefährlich werden kann, so beantragt der Verfasser, auf diesen seit Jahren bestehenden Uebelstand in unserem Haushalte die betreffenden Sanitätsbehörden aufmerksam zu machen, damit in unserer sonst so aufgeklärten Zeit solche alte verrottete Schlosser- und Häfnergebräuche endlich einmal abgeschafft werden. (Verhandlungen und Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1867 S. 276.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: