Titel: Die Locomotiven-Fabriken in Deutschland und Oesterreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 3 (S. 163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi02_3

Die Locomotiven-Fabriken in Deutschland und Oesterreich.

Das „Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens“ enthält folgende Zusammenstellung der zu Ende 1866 in Deutschland und Oesterreich im Betriebe befindlichen Locomotivfabriken: 1) Das bedeutendste Etablissement im Locomotivbau, dem kein anderes in England, Frankreich und Nordamerika an Großartigkeit und Leistungsfähigkeit gleichkommt, ist das von Borsig in Berlin; es datirt vom Jahre 1841, gegenwärtig ist die 2000ste Locomotive im Bau. 2) v. Maffei'sche Maschinenfabrik in Hirschau bei München, gleichfalls im Jahre 1841 gegründet, hat im vorigen November die 600ste Locomotive abgeliefert. 3) Die Eßlinger Maschinenfabrik hat jetzt über 600 Maschinen vollendet. 4) Die Maschinenfabrik der österreichischen Staatseisenbahngesellschaft in Wien hat jetzt im Ganzen circa 580 Locomotiven gebaut. 5) R. Hartmann in Chemnitz hat kürzlich die 300ste Locomotive vollendet. 6) G. Egestorff in Hannover hat bis jetzt etwa 270 Locomotiven gebaut. 7) Die Carlsruher Maschinenfabrik hat bis jetzt circa 310 Locomotiven geliefert. 8) G. Sigl in Wien hat bereits circa 460 Locomotiven ausgeführt. 9) Fr. Wöhlert in Berlin hat bis jetzt circa, 130 vollendet. 10) Henschel u. Sohn in Cassel hat bis jetzt etwas über 100 fertig. Bis Ende 1864 waren davon 76 auf deutschen Bahnen in Betrieb. 11) Die Actiengesellschaft „Vulcan“ in Stettin hat bis jetzt circa 70 Stück vollendet. 12) Ruffer in Breslau baute 10 Stück Locomotiven. 13) Die Unionsgießerei in Königsberg lieferte bis 1860 9 Locomotiven für die preußische Ostbahn und hat gegenwärtig wieder 9 Stück für diese Bahn in Auftrag erhalten. 14) Schichau in Elbing baute 1860 für dieselbe Bahn 2 Locomotiven und hat von dieser jetzt wiederum Bestellung auf 7 Stück. 15) Krauß u. Comp. in München, erst kürzlich in Betrieb gesetzte Fabrik. 16) Ein großartiges Etablissement zum Locomotivbau, an dessen Spitze der Maschinenfabrikant Schwartzkopff steht, wird in Berlin auf Actien errichtet. –

Ende 1864 waren auf den deutschen Vereinsbahnen im Ganzen 4768 Locomotiven im Betriebe; 574 Stück davon waren aus ausländischen Werkstätten bezogen; dagegen liefen 1866 circa 1000 Locomotiven aus deutschen Fabriken auf ausländischen Bahnen, namentlich in der Schweiz, in Italien, Frankreich und Rußland. Die Zunahme des Bedarfs an Locomotiven durch die Erweiterung des Netzes der deutschen Vereinsbahnen hat in den letzten Jahren über 250 Stück per Jahr betragen. Die Gesammtzahl der Locomotiven dieser Bahnen beträgt gegenwärtig 5250 Stück; die Dauer einer Locomotive ist durchschnittlich auf 15–17 Jahre anzunehmen, somit werden zur Ergänzung der vorhandenen jährlich circa 330 Locomotiven erfordert, einschließlich der obigen 250 Stück also im Ganzen 580 Stück. Da aber die deutschen Fabriken auch noch jährlich circa 120 Stück Locomotiven für ausländische Bahnen liefern, so sind gegenwärtig mindestens 700 Locomotivenmaschinen im Jahre zu bauen, und diese Zahl wird sich zweifelsohne sehr bald steigern.

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