Titel: Hoher Werth der Diamanten in der feineren Technik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 4 (S. 163–164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi02_4
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Hoher Werth der Diamanten in der feineren Technik.

Wie der Diamant als härtester Edelstein zu den kostbarsten, seltensten und schönsten Schmuckgegenständen verarbeitet wird, indem sein Lichtbrechungsvermögen von den geschliffenen Facetten ausgeht, so beruht sein großer Vorzug in seiner Härte und darin, daß kein anderer Edelstein ein solches Feuer wie der Diamant besitzt. Durch seine außerordentliche Härte spielt er auch in der Technik eine wichtige Rolle. Daher dient er beim Glasschneiden. Zu den Glaserdiamanten wird der ungeschliffene rohe Stein so in Metall eingefaßt, daß eine seiner Krystallkanten frei heraussteht. Hat der Stein die Glasplatte nur gekratzt, so bricht sie an dieser Stelle nicht. Mit der scharfen Ecke eines künstlich gebrochenen Diamanten läßt sich das Glas nicht spalten. Zum Schneiden anderer Steine werden Diamantenabfälle oder solche Diamanten verwendet, die des Schleifens nicht werth sind. Auch in der Lithographie ist jetzt der Diamant zu einem der wichtigsten Stoffe geworden; denn die feine englische Schrift auf Visiten- und Adreßkarten, wie auf Wechseln, Rechnungen etc. wird mit einem scharfen, spitzen Diamant in Stein gravirt. Auch die Kupfer- und Stahlstecher gebrauchen in ihrer Maschine den Diamant, um die feinen Luftlinien damit auf die Platte zu ziehen. In den Achatschleifereien in Oberstein und an anderen Orten werden die Löcher in die Steine auch mit Diamantstücken gebohrt. Andere harte Steine und Porzellane werden ebenfalls mit Diamanten durchbohrt. Eine andere Verwendung findet der Diamant zum Abdrehen harter Stahlzapfen an astronomischen Instrumenten, wobei der Stahlzapfen mittelst eines scharfkantigen Diamanten seine genauere Nachdrehung erhält, nachdem er mittelst des Drehstahles vorher rund abgedreht wurde. Die feinen Theilungen auf glatten Silber- und Messingrädern werden ebenfalls mit spitzen Diamanten gemacht. In der Optik schreibt man mit diesen die Nummern auf die Brillengläser. Mittelst einer Maschine werden mit spitzen Diamanten die feinsten Theilungen auf Glas gemacht, welche zu den Messungen mikroskopischer Untersuchungen dienen. Die Anwendung der kostbaren, in Indien und Brasilien meist gefundenen Diamanten in der Technik ist hiermit noch keineswegs erschöpft. Bei der fortschreitenden Technik dürfte auch dieser Edelstein eine noch größere Verwendung finden. (Verhandlungen und Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1867, Nr. 18.)

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