Titel: Lagerpfannen aus Glas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 1 (S. 240–241)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_1

Lagerpfannen aus Glas.

Solche Lagerpfannen wurden als etwas Neues und Zweckmäßiges, wie die „Deutsche Ausstellungs-Zeitung Nr. 18“ mittheilt, von der Glashütte E. Acker und Comp. in Graggenau bei Rastatt auf die Pariser Ausstellung geliefert. Diese Lagerpfannen sind eine Erfindung des Hrn. E. Acker, Directors und Mitbesitzers der genannten Hütte, und demselben in Baden und Frankreich patentirt worden.

Der Berichterstatter des erwähnten Blattes spricht sich folgendermaßen über diese Pfannen aus: „Daß Glas für sauber gearbeitete Zapfen ein ganz vorzügliches Lagermaterial bilden muß, dafür spricht wohl der Umstand, daß man da, wo es auf möglichst |241| geringe Reibung und möglichst lange Dauer ankommt, verwandte Materialien anwendet, wie z.B. bei allen besseren Uhrwerken, wo man zur Lagerung der Zapfen Edelsteine, Bergkrystall u. dergl. anzuwenden pflegt. Dessen ungeachtet mag die scheinbar leichte Zerbrechlichkeit des Glases bisher wohl jeden Gedanken an seine Benutzung in der größeren Mechanik ausgeschlossen haben, so daß man sich nicht einmal zu Versuchen veranlaßt fühlte. Nichts desto weniger muß man sich sagen, daß die Widerstandsfähigkeit des Glases gegen Zerdrücken durchaus keine so unbedeutende ist;73) auch hat Hr. Acker durch praktische Versuche die Brauchbarkeit des Glases für diese Zwecke außer allen Zweifel gesetzt. Er hat nämlich in seiner Glasschleiferei bei rasch laufenden Wellen, welche überdieß einer staubigen Atmosphäre ausgesetzt sind, die Glaspfannen seit bereits zwölf Jahren in ununterbrochener Anwendung und kann bezeugen, daß in dieser Zeit die Wellenzapfen wie die Lager gleichmäßig unversehrt geblieben sind und kaum eine bemerkbare Abnutzung zeigen. Die Verwendbarkeit derartiger Pfannen ist also außer Zweifel gestellt und muß nur noch die Erfahrung lehren, bis zu welcher Grenze in Bezug auf den Druck, den eine solche Pfanne zu erleiden hat, man mit Sicherheit gehen kann. Die Eigenthümlichkeit des Materials wird bei der Construction der Lagerständer zu berücksichtigen seyn und empfiehlt sich die von Hrn. Acker gewählte Form derselben – die nicht sechs- oder achteckige Pfannen, sondern viereckige, wie bei den Pockholzlagern erfordern – als die zweckmäßigste. Ebenso empfiehlt es sich, nach den Erfahrungen des Hrn. Acker, unter der Glaspfanne eine Unterlage von Pappdeckel anzuwenden.

Die Vortheile solcher Glaspfannen, welche früher schon das Interesse des verstorbenen Redtenbacher in hohem Grade erregten, sind im Wesentlichen folgende:

1) große Dauerhaftigkeit der Pfannen und Zapfen, welche die zwölfjährige Erfahrung nachgewiesen hat, bei außerordentlicher Billigkeit für die erste Anschaffung;

2) Ersparniß an Schmiermaterial, die sich bis über die Hälfte beläuft. Die Glaslager erfordern sogar unter Umständen bloß Wasser zum Schmieren.

Daß übrigens Hr. Acker sich bemüht, den Anforderungen der Praxis mit seinem Artikel in jeder Weise zu entsprechen, beweisen die ausgelegten Lager und die gläsernen Spindeltöpfchen, welche wir als Lager im eigentlichsten Sinne des Wortes hierbei mit inbegriffen erwähnen. Die saubere und genau ausgeschliffene Höhlung der Pfannen läßt ein ganz genaues Adjustiren der Zapfen zu, sowie die eingebohrten Schmierlöcher in der oberen Pfanne eine von der gewöhnlichen in keiner Weise abweichende Behandlung des Lagers nöthig machen. Die Glaspfannen sind in verschiedenfarbigen Gläsern ausgestellt.“

|241|

Man s. über die Zerdrückungsfestigkeit des Flintglases polytechn. Journal Bd. CLXXXIV S. 165.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: