Titel: Ueber Anwendung der Centrifugalmaschine bei der Weizenstärkefabrication; von L. Maiche in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 14 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_14

Ueber Anwendung der Centrifugalmaschine bei der Weizenstärkefabrication; von L. Maiche in Paris.

Nachdem ich kleine Quantitäten von Zellgewebe, Kleber und anderen Körpern aus der Stärkemilch isolirt hatte, fand ich, daß das specifische Gewicht dieser Körper viel geringer als dasjenige des Stärkemehls ist. – Was geschieht, wenn man rohes Stärkemehl in Wasser bringt? Ein kleiner Theil nahezu reinen Stärkemehls lagert sich ab, aber fast sämmtliches schlägt sich nur gemischt mit den erwähnten Substanzen nieder; letztere sind nämlich, obgleich specifisch leichter, viel größer als die Stärkekörner, daher relativ schwerer oder wenigstens von gleichem Gewicht. Ich suchte daher eine Methode, um das verschiedene specifische Gewicht der Stärke und der sie verunreinigenden Substanzen zu einer vollständigen Trennung derselben benutzen zu können.

Da alle Körper durch die Centrifugalkraft um so weiter getrieben werden müssen, je beträchtlicher ihr specifisches Gewicht ist, so folgerte ich, daß sich mittelst angemessener Anwendung dieser Kraft der beabsichtigte Zweck erreichen lassen wird. Das Resultat übertraf meine Erwartung.

Ich operire folgendermaßen. Ich bringe ein Gemisch von 1 Theil rohem Stärkemehl und 2 Theilen Wasser in die kupferne Trommel einer Centrifugalmaschine, welche sich mit einer Geschwindigkeit von 1000 bis 1200 Umgängen per Minute drehen kann; sobald diese Trommel 45,500 Umdrehungen gemacht hat, beginnt das Stärkemehl sich abzusondern, wird durch die Centrifugalkraft an die Wände der Trommel getrieben und dort zusammengepreßt, so daß es eine feste Masse bildet; nach einigen Minuten bleiben alle fremdartigen Stoffe – im Wasser zertheilt und vollkommen abgesondert – im centralen Theile der Trommel zurück; man kann nun leicht das Wasser ablaufen lassen und das Stärkemehl in großen Stücken herausnehmen, welche vollkommen weiß und rein sind.77)

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Alle stärkmehlhaltigen Materialien können nach diesem Verfahren behandelt werden, welches außer der bedeutenden Zeitersparniß auch eine größere Ausbeute gewährt.

Das beste Weizenmehl enthält nicht über 55 Proc. Stärkemehl, während die ordinärsten Sorten von Reis 85 Procent enthalten. 100 Kilogr. Reis, welche eben so viel kosten wie 100 Kilogr. Weizen, geben für 20 Francs mehr Stärkemehl; es liegt daher kein Grund vor, das als Nahrungsmittel so wichtige Weizenmehl wie bisher zur Stärkefabrication zu verwenden, wobei sein nährendster Bestandtheil, der Kleber, fast gänzlich verloren geht. (Les Mondes, t. XIV p. 178; Juli 1867.)

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Schon im Jahre 1863 haben die HHrn. A. Fesca und Comp. in Berlin (nach einem Bericht im polytechn. Journal Bd. CLXVII S. 424) durch Versuche gefunden, daß von Stärkemilch, welche die Hälfte ihres Gewichtes feste |248| Stärketheile enthält, der Kleber und andere schlammige Verunreinigungen, die durch das Gähren und Auswaschen noch nicht entfernt sind, beim Centrifugiren abgesondert werden und sich auf der inneren Oberfläche der Masse in einer lederartigen, grünlichgrauen Schicht ablagern, welche beim Liegen in den Trockenkammern entfernt werden kann. – Wir verweisen übrigens auch auf Dr. Stammer's, im polytechn. Journal Bd. CLXVIII S. 454 mitgetheilte, diesen Gegenstand betreffende Versuche. Anm. d. Red.

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